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Stadtfest

Artisten am Hochseil begeistern

Tausende Augenpaare folgten am Wochenende der Artistenfamilie Traber. Sie war die Attraktion beim ersten Stadtfest auf dem Holzgrundareal.

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Auf der „schmalsten Bühne der Welt“ zeigt ein Mitglied der Hochseilartisten-Familie Traber Kunststücke mit Tüchern – und den Zuschauern stockt fast der Atem. Foto: Benjamin Stollenberg

Kornwestheim. „Es ist die erste große Veranstaltung in der neuen Mitte von Kornwestheim“, sagt Organisatorin Elvira Saverscheck vom Stadtmarketingverein. Bislang habe es hier nur kleinere Aktionen gegeben. Mit „Simply Life“, „Free Daze“, der „Ian Key-Band“ sowie der Jazz-Combo der Jugendmusikschule holte sie an den beiden Tagen vier Musikgruppen auf die Bühne.

Dazu hatte sie sechs Foodtrucks eingeladen, die abwechslungsreiches Essen aus vielen Ländern auffuhren. Unter anderem Schaschlik, das 17 Stunden mariniert worden war, indisches Curry, vegane Burritos oder „Zupfte Sau“ – also Pulled Pork. Die Auswahl war groß und vielfältig.

Falko Traber, der zuletzt 2012 in Kornwestheim gastierte, überraschte Saverscheck. „Mein Uropa August ist 1914 hier schon einmal aufgetreten.“ Er zeigte auf dem Smartphone einen alten Zeitungsartikel. Seit 1512 raubt seine Familie mit Hochseilakrobatik den Atem, 300 Artisten habe sie hervorgebracht. Er selbst habe auf dem Hochseil geheiratet, seine Kinder wurden in schwindelnder Höhe getauft. Mehrere Weltrekorde habe er aufgestellt. In Kitzbühel lief er 3,6 Kilometer über die Alpen. Fallhöhe 400 Meter, die Zugspitze überquerte er mit dem Fahrrad auf dem Seil. 13 Tage und Nächte verbrachte er schon in luftiger Höhe auf nur wenigen Millimetern. Für den James Bond Film „Moonraker“ machte er einen Stunt.

Seit dem sechsten Lebensjahr ist Traber Hochseilkünstler. „Artistenblut fließt in seinen Adern“, wird er marktschreierisch angekündigt. Für ihn ist das Hochseil „die schmalste Bühne der Welt“. Zusammen mit Sophia und Isabel zeigt er Kunststücke. Die Frauen seilen sich mit Tüchern ab, verwickeln sich in sie. Klassisch ist die Nummer mit Stange in 14 Metern Höhe auf dem nur zwölf Millimeter starken Stahlseil. Spektakulär die Luftakrobatik auf dem schwankenden Turm. 52 Meter ist der Peitschenmast hoch, er pendelt fünf Meter hin und her. Nicht weniger sensationell der Auftritt mit dem Motorrad. Falko sitzt am Lenker, fährt freihändig, macht Kopf- und Handstand im Sattel.

Das Vorderrad der Enduro-Maschine hat kaum Luft, der hintere Pneu ist ein profilloser Slick mit „Mittelscheitel“ fürs Seil. Auf dem Trapez darunter immer ein Fahrgast. Das senkt den Schwerpunkt, macht die Fahrt stabiler. Gut 100 Meter lang ist die Strecke und führt hinauf bis in 30 Meter Höhe. Das Publikum blinzelt fasziniert mit starrem Nacken hinterher.

Eine Zirkusshow ohne Clown wäre unvollständig. Und so veralberte Tom Bolton sein Publikum beim Gehen, indem er sie überzeichnet imitierte. Der Unterhaltungskünstler nennt seine Kunst „Action Comedy“. Er überzeugt mit virtuoser Körpersprache, ganz ohne Worte. Fingerfertigkeit, Improvisation und witzige Einfälle kombiniert der Engländer mit charmanten Animationen.

Der Bahnhofsplatz gehörte den Kindern mit Bungee-Trampolin, Mini-Eisenbahn, Ponyreiten und Co. Und die Erwachsenen gingen beim verkaufsoffenen Sonntag shoppen. Saverschek ist zufrieden. „Das Stadtfest schreit nach einer Wiederholung.“ Oberbürgermeisterin Ursula Keck wünscht sich ebenfalls eine gewisse Regelmäßigkeit, um den attraktiven Platz mit seinem plätschernden Brunnen zu beleben. Sie kündigte an, dass demnächst ein Sonnensegel für Schatten sorgen werde.