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Zwischenlager

Atomzeitalter endet auf keinen Fall vor 2050

BGZ verspricht neun Monate nach Übernahme des Zwischenlagers transparente Informationen – Wenig Interesse an Bürgerdialog

Aktuell stehen im Neckarwestheimer Zwischenlager 83 Castoren. Der Standort wird noch mindestens 30 Jahre benötigt. Archivfoto: Alfred Drossel
Aktuell stehen im Neckarwestheimer Zwischenlager 83 Castoren. Der Standort wird noch mindestens 30 Jahre benötigt. Foto: Alfred Drossel

Gemmrigheim/Neckarwestheim. Auch wenn der Meiler Neckarwestheim 2 als letztes deutsches Atomkraftwerk 2022 endgültig vom Netz gehen wird, endet das Atomzeitalter für Gemmrigheim und Neckarwestheim erst in wohl deutlich über 30 Jahren. Dies wurde am Donnerstagabend erneut bei einer Infoveranstaltung der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) deutlich. Sie hat von der AKW-Betreiberin EnBW zu Jahresbeginn die Verantwortung für das Standort-Zwischenlager auf Gemmrigheimer Markung übernommen.

Die BGZ werde an ihrem Standorten regelmäßig den Dialog mit der Bevölkerung suchen, versprach deren Geschäftsführer Dr. Ewold Seeba – „auch wenn es nichts Neues gibt“. Tatsächlich erfuhren die nur elf Besucher der Veranstaltung in der Reblandhalle kaum Neuigkeiten. Doch die Botschaft des Abends war unmissverständlich: Die Genehmigung des 2007 in Betrieb genommenen Standort-Zwischenlagers Neckarwestheim, die 2046 endet, muss in jedem Fall verlängert werden. Denn die Entscheidung über das künftige Atommüll-Endlager, das auch die Castoren aus Neckarwestheim aufnehmen soll, ist erst für 2031 vorgesehen, eine Inbetriebnahme frühestens 2050. Und auch dieser Zeitplan wird nur haltbar sein, wenn es nicht zu erheblichen Widerständen vor Ort kommt – also bestenfalls einige Jahre nach Auslaufen der aktuellen Genehmigung für Gebäude und Castoren im einzigen Zwischenlager, das sich unter Tage befindet.

Seeba ist derzeit zuversichtlich, dass es beim neuen Zwischenlager-Suchlauf zu keinem zweiten Gorleben kommen wird. Er zählt darauf, dass der bisherige politische Konsens diesmal hält – und auf die dauerhafte Transparenz und Nachvollziehbarkeit des Verfahrens. Einen ersten Test dafür werde es im kommenden Jahr geben, wenn im ersten Teilgebietebericht alle ungeeigneten Standorte aus dem Suchverfahren ausgeschlossen werden. Dann werde sich an den übrig bleibenden und daher weiter untersuchten, möglichen Endlager-Standorten erstmals abzeichnen, mit welchen Widerständen vor Ort gerechnet werden müsse.

Die Bürgermeister von Gemmrigheim und Neckarwestheim, Dr. Jörg Frauhammer und Jochen Winkler, hoffen zwar, dass ihre Gemeinden den Atommüll schnellstmöglich nach 2046 loswerden, zeigten sich hinsichtlich des tatsächlichen Zeitpunkts aber skeptischer als Seeba.

Das Standort-Zwischenlager verfügt über 151 Castor-Stellplätze, von denen aktuell 83 belegt sind – darunter mit den im Vorjahr per Schiff angelieferten Atommüll-Behältern aus Obrigheim. Aus der Restlaufzeit von Neckarwestheim sind noch weitere 36 Castoren zu erwarten. Trotz der dann noch verfügbaren zwölf Stellplätze sollen aber keine der 25 Castoren, die aus den Wiederaufbereitungsanlagen in La Hague und Sellafield noch nach Deutschland zurückkehren, in Neckarwestheim landen.

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