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Eichwald

Auf dem Weg zum Hightech-Standort

Die Verbandsversammlung des Zweckverbands Eichwald will heute über eine Westerweiterung des Gewerbeparks entscheiden. Wenn die Porsche-Pläne dort realisiert werden, wird der Eichwald vom Logistik- zum Hightech-Produktionsstandort.

Einst Militärgebiet, jetzt ein moderner Gewerbepark: Der Eichwald dehnt sich erneut aus – dieses Mal in Richtung Wald.Archivfoto: Alfred Drossel
Einst Militärgebiet, jetzt ein moderner Gewerbepark: Der Eichwald dehnt sich erneut aus – dieses Mal in Richtung Wald. Foto: Alfred Drossel

sachsenheim. Der Stuttgarter Autobauer Porsche hat westlich seines Zentrallagers vor mehr als zehn Jahren eine Fläche mit rund zehn Hektar optioniert. Eine Teilfläche von einem Hektar wurde davon bereits für die Erweiterung des automatischen Kleinteilelagers in Anspruch genommen. Im vorliegende Bebauungsplanentwurf sollen nun die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die westliche Erweiterung des bestehenden Gewerbegebietes auf Sersheimer Gemarkung geschaffen werden.

Porsche hat sich dafür entschieden, den Taycan, den ersten rein elektrisch betriebenen Sportwagen, in Zuffenhausen zu bauen. Damit verfolgt das Unternehmen seine Strategie, die E-Mobilität als Zukunftstechnologie voranzutreiben. Es ist geplant, in Sachsenheim in einem ersten Schritt die Montage von Fahrzeugprototypen anzusiedeln (wir berichteten). Die Versorgung von Materialien und Bauteilen für diese Fertigung erfolgt bereits heute in der Stadt.

Die Bebauung soll in mehreren Abschnitten realisiert werden. Dabei ist angedacht, die Flächen am westlichen Rand des Entwicklungsgebiets zuerst zu bebauen, um mittel- bis langfristig für alle dann am Standort vorhandenen Funktionen die entsprechenden Erweiterungsmöglichkeiten zu erhalten. Die zur Verfügung stehenden Flächen sollen dabei optimal ausgenutzt werden, heißt es, um einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Boden sicherzustellen.

Erforderlich sind zudem eine Änderung des Flächennutzungsplans der Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen und eine Änderung des Landschaftsschutzgebiets. Diese Verfahren sollen parallel zum Bebauungsplanverfahren laufen.

Moderne Batterieproduktion: Im neuen Gewerbepark von Segro hat sich der Autozulieferer Dräxlmaier eingemietet. Der Industrieimmobilienkonzern hat am Eichwald auf fünf Hektar einen Gewerbepark gebaut. Acht Hallen zwischen 1000 und 1500 Quadratmeter Fläche sind entstanden, in die sich Firmen einmieten können. Die Entwicklungsabteilung von Dräxlmaier ist schon eingerichtet. Insgesamt will der Zulieferer zunächst 100 Mitarbeiter beschäftigen.

Dräxlmaier baut hier eine hochautomatisierte Produktion für Batterien auf. Sie sind für die Fertigung eines leistungsstarken 800-Volt-Systems eines rein elektrisch betriebenen Sportwagens gedacht. Die Batterieexperten in Sachsenheim stehen in direktem Kontakt mit den Entwicklern im Hauptquartier der Gruppe im niederbayerischen Vilsbiburg. „Unsere Mitarbeiter in Sachsenheim sind ganz nah dran an allen Innovationsthemen des Unternehmens“, so Christoph Riester, verantwortlich für die Dräxlmaier-Batterieprojekte.

Die derzeit größte Baustelle gehört dem Stuttgarter Handelskonzern Breuninger. Hier wird das neue Zentrum für Logistik und Onlineversand mit einer Gesamtfläche von 52.000 Quadratmetern errichtet. In Betrieb nehmen will Breuninger seinen Neubau schrittweise ab Frühjahr nächsten Jahres.

Bis zu 2000 Arbeitsplätze: Rund 700 Arbeitsplätze kündigt Breuninger an, 200 bis 300 davon sollen laut Zweckverband Eichwald vom bisherigen Standort mitkommen, der Rest sind Neueinstellungen. Bürgermeister Horst Fiedler spricht von „vielen hochwertigen Arbeitsplätzen“. Unter dem Strich soll es ab dem nächsten Jahr in den knapp ein Dutzend Unternehmen des Eichwalds bis zu 2000 Arbeitsplätze geben. Porsche beschäftigt schon heute rund 500 Mitarbeiter.

Die insgesamt hohe Nachfrage nach Gewerbeflächen ist auch bedingt durch immer seltener werdende Flächen in der Region. Schätzungen zufolge besteht hier ein Bedarf von 300 bis 400 Hektar. Die Zimmerei Pfeiffer will im Eichwald um 4300 Quadratmeter erweitern. Sie bekommt dafür das letzte Grundstück, das auf dem alten Gelände zur Verfügung steht. Zweckverbandsgeschäftsführer Steffen Schurr freut sich: „Damit sind wir dann komplett ausverkauft.“

Geschichte der vergangenen 80 Jahre: Im Dritten Reich hat die Deutsche Wehrmacht die Bauern für den Bau eines Nachtjägerflugplatzes enteignet. Nach dem Krieg hatte die US-Army einen Raketenstandort mit Nike-Boden-Boden-Raketen bis zum Ende des Kalten Krieges betrieben. Die Nato wollte danach ein sogenanntes Pomms-Depot für Kriegswaffen einrichten. Nach Protesten hat der Bund das Gelände der Stadt Sachsenheim für zwölf Millionen Mark verkauft. Im Juni 1994 wurde der Zweckverband gegründet. 2004 trat die Stadt Bietigheim-Bissingen bei und ermöglichte durch ihren Beitrag die Ablösung einer Nachzahlungsverpflichtung des Bundes von knapp zwei Millionen Euro.

Gute Haushaltslage: Für die Verbandskommunen Sachsenheim, Bietigheim-Bissingen, Sersheim und Oberriexingen ist der Zweckverband ein Erfolgsmodell. Mehr als zwölf Millionen Euro haben sie bisher abgeschöpft. In diesem Jahr sind es noch mal vier Millionen Euro für die Hauhalte der Kommunen. Weitere 1,31 Millionen Euro können die Partner aus Rückzahlungen aus Gewerbesteuereinnahmen rechnen.

Ungelöst ist die Verkehrsituation. Die Landstraße nach Bietigheim-Bissingen wird zum Engpass, und der Bau des Enzabstiegs, um Oberriexingen und auch Unterriexingen zu entlasten, steht aus. Gegner einer Erweiterung des Eichwaldgebiets kritisieren den hohen Landschaftsverbrauch.

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