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Auf einer Reise in die eigene Vergangenheit

Andrea Schmid schreibt einen Roman über ihre Jugend in Möglingen – Schwer kranker Chatfreund gibt den Anstoß – Fortsetzung geplant

Andrea Schmid
Die Autorin Andrea Schmid, Jahrgang 1959, ist in Möglingen aufgewachsen.Heute lebt sie in Bayern. Foto: privat
Möglingen. Manchmal benötigt man einen Anstoß von außen, um auf das Naheliegende zu kommen. Zumindest bei Andrea Schmid war es so. Sie hatte einen schwer kranken Chatfreund – und dieser erzählte ihr via Internet von seinem Leben und seiner Krankheit. So kam die Verkäuferin auf die Idee, ihrem Freund aus dem Internet ebenfalls aus ihrem Leben zu berichten.

Es begann eine Zeitreise, die von der Jugend in Möglingen bis nach Regensburg, wieder zurück nach Ludwigsburg und Möglingen und dann abschließend erneut in die Oberpfalz reichte. Und weil das Erzählen auf einmal so viel Spaß machte, wurde gleich ein ganzes Buch daraus.

Andrea Schmid, Jahrgang 1959, ist in Möglingen aufgewachsen. Doch Mitte der 70er Jahre geht es nicht mehr weiter. Die Eltern lassen sich scheiden, sie zieht mit der Mutter nach Regensburg. Hier lebt sie bis zum Jahr 2005. Die Liebe bringt sie für zwei Jahre zurück nach Ludwigsburg. Dann übersiedelt sie mit ihrem Freund nach Bayern.

„Das Schreiben war wie eine Therapie für mich. Ich beschäftigte mich mit meiner Jugend und dem Verhältnis zu meinen Eltern. Nachdem das Buch fertig war, fühlte ich mich befreit. Zu lange habe ich den Ballast mit mir herumgetragen“, erzählt Andrea Schmid.

„Die Spaziergänge durch Möglingen haben mir einen Teil meiner Jugend zurückgebracht.“ Andrea Schmid

Zu Beginn ihrer Erzählung hält sie sich weitgehend an die autobiografischen Fakten. Das Treffen mit dem Freund via Chat. Der erste zaghafte Austausch von Geschichten. Nicht zu viel Persönliches sollte preisgegeben werden. Doch dann bekommen die Erzählung und ihr Verhältnis zum Chatfreund in Paris eine ganz besondere Eigendynamik. Als sie sich entschließt, nach Frankreich zu reisen, entschwindet sie ins Reich der Fiktion. Die verzwickte Liebesgeschichte ist reine Erfindung. Die Möglingerin Schmid war noch nie in Paris.

Doch Spaß gemacht hat es trotzdem. Schmid: „Ich schreibe so, wie ich bin. Meine Sprache findet sich in dem Buch wieder. Die Spaziergänge durch Möglingen haben mir einen Teil meiner Jugend zurückgebracht. Ich habe es genossen“. Dazu haben auch die Reaktionen aus der Familie oder ihrem Umfeld beigetragen. Die ersten 30 Seiten ließ sie von ihrem Sohn gegenlesen, erst dann wollte sie sich entscheiden, ob sie überhaupt weiterschreibt. Der Sohn war mehr als zufrieden und ermunterte seine Mutter.

Auch Freunde bestärkten sie: „Du traust dich was“ war öfters die Reaktion. Also wurde die Geschichte zu Ende geschrieben, und heute ist sie froh, dass sie sich auf das Wagnis eingelassen hat. Und sie ist sich sicher: Es gibt eine Fortsetzung

INFO: Der Roman „Darf ich dich Schatz nennen, und so tun als wären wir zusammen“ kostet 7,99 Euro und ist im Windsor-Verlag erschienen. ISBN 978-1-627845-84-7.

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