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Priorisierung

Aufhebung der Priorisierung: Für Hausärzte eine Frage der Impfstoffmenge

Spätestens ab Juni sollen sich alle Menschen in Deutschland für einen Impftermin registrieren dürfen. Die geplante Aufhebung der Priorisierung sorgt im Kreisimpfzentrum und in Arztpraxen jedoch eher für gemischte Gefühle.

Bei den Patienten ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer nach wie vor beliebter.Foto: Christian Charisius/dpa
Bei den Patienten ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer nach wie vor beliebter. Foto: Christian Charisius/dpa

Kreis Ludwigsburg. Die auf dem jüngsten Impfgipfel angekündigte Aufhebung der Priorisierung bezeichnet der Leiter des Ludwigsburger Kreisimpfzentrums, Andy Dorroch, als „zweischneidig“. Denn einerseits könnte das die Abläufe vereinfachen. „Mit so vielen Ausnahmen, wie wir sie aktuell haben, ist das fast nicht mehr zu schaffen“, sagt er. Die Berechtigung sei auf zwölf DIN-A4-Seiten geregelt, man müsse sie bei jedem überprüfen. Andererseits mangelt es nach wie vor an Impfstoff. „Wenn es dann nicht mehr gibt, wird es richtig furchtbar“, sagt Andy Dorroch zum erwarteten Andrang. Das Kreisimpfzentrum sei gerade mit etwa 1350 Impfungen am Tag nur zu 65 Prozent ausgelastet. Dass Ärzte die Impfzentren „madig machen“, könne er nicht verstehen. Um möglichst schnell möglichst viel zu impfen, hält er ein Nebeneinander für wichtig.

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So kommt der Impfstoff in die Spritze

Anfang April hatte die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) gefordert, die Impfzentren zugunsten der Hausärzte aufzugeben. Nach Angaben der Deutschen-Presse Agentur hat sie ihre Petition dazu nun aber eingestellt. Denn inzwischen würden die Impfstoffe gleichmäßig an die Hausärzte und die Zentren verteilt, so KVBW-Chef Norbert Metke.

Da in den kommenden Wochen ausreichende Mengen an Impfstoff angekündigt seien, könnte die Priorisierung aus Sicht von Dr. Robin Maitra schon früher aufgehoben werden. „Die meisten hochgefährdeten Patientinnen und Patienten konnten wir bereits impfen“, sagt er über die Hausärztliche Praxis Hemmingen. Eine Warteliste im engeren Sinne hätten sie nicht. Warten müssten vor allem die Menschen, für die es noch keine Priorisierungsfreigabe gebe. Zwar geht der Arzt davon aus, dass der Andrang durch eine Aufhebung weiter hoch bleibt. Auch er verweist aber darauf, dass die Arbeit einfacher wird, wenn der Anspruch nicht mehr geprüft werden muss. In möglichen Erleichterungen für Geimpfte sieht er keine Gefahr eines Impfzwangs durch die Hintertür: „Meiner Ansicht nach geht im Pandemiefall das Gemeinwohl vor.“

„Grundsätzlich bestellen wir Impfungen aller Hersteller – bislang von Biontech und Astrazeneca“, so Robin Maitra. Zwar wollten sich viele lieber nicht mit Astrazeneca impfen lassen, dennoch seien diese Termine vergangene Woche schnell ausgebucht gewesen. Der heutige Donnerstag ist in der Praxis abgesehen von Notfällen dem Impfen gewidmet: Drei der fünf Ärztinnen und Ärzte sowie fünf medizinische Fachangestellte wollen mindestens 216 Dosen Biontech impfen.

„Mir wäre lieber, die Priorisierung gäbe es noch eine Weile“, sagt hingegen Hausarzt Dr. David Strodtbeck aus Marbach. „Wir kommen mit der Liste kaum voran.“ Auch wer laut Priorisierung noch nicht dran ist, werde dort schon mal eingetragen. Das Impfen bedeute zusätzlich zur normalen Sprechstunde und den Aufgaben als Corona-Schwerpunktpraxis „brutal viel Arbeit“. Den 50 E-Mail-Anfragen am Tag kämen sie nur noch mit Standardantworten bei. Noch immer sei es schwer, allen zu vermitteln, dass sie den Impfstoff nicht frei wählen können und nicht gleich drankommen.

Bei Astrazeneca haben David Strodtbecks Patienten große Vorbehalte. Dennoch habe er auch davon bestellt, bislang aber nur Impfstoff von Biontech erhalten. Allein schon wegen der höheren Wirksamkeit im Vergleich zu Astrazeneca in der Phase-III-Studie wäre ihm dieser auch lieber. Diese Woche hat seine Praxis 50 Biontech-Dosen erhalten. In der Vorwoche waren es weniger als die angekündigten 30, so dass er Patienten absagen musste. Auch wenn es bei ihm also gerade noch am Impfstoff mangelt, sieht der Marbacher Arzt in möglichen Freiheiten für Geimpfte wie etwa dem Reisen auf Dauer einen weiteren Anreiz.

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