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REMSTAL-GARTENSCHAU

Aus fünf Badehäusern werden drei

Der Remsecker Gemeinderat stimmt mit knapper Mehrheit den abgespeckten Planungen für das Architekturprojekt „16 Stationen“ zur Remstal-Gartenschau 2019 zu.

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Das ursprüngliche Modell für die Remsecker Station.Archivfoto: Remstal-Gartenschau GmbH

REMSECK. Die Idee des Frankfurter Architekturbüros Christoph Mäckler war charmant. Am Neckarstrand sollten auf einem Steg fünf weiße Badehäuschen errichtet werden. Aus wasserschutzrechtlichen Gründen ließ sich der Plan aber nicht umsetzen. Neue Varianten wurden überlegt. Im November präsentierte die Stadtverwaltung der Remstal-Gartenschau GmbH und dem Verband Region Stuttgart ihre Idee, die in Remseck geplante 16. Station auf dem Remsbalkon zu errichten, der in Neckarrems im Bereich der Bushaltestelle „Haus am Remsufer“ neu angelegt werden soll. Dieser Vorschlag fiel durch. „Das wurde nicht als Kompromiss akzeptiert. Unsere Idee weiche zu weit vom Entwurf der Architekten ab, hieß es“, so Oberbürgermeister Dirk Schönberger auf Nachfrage unserer Zeitung. Alle anderen 15 Kommunen würden trotz ähnlicher Problematiken die Entwürfe umsetzen, wurde der Remsecker Stadtverwaltung deutlich gemacht. Wenn Remseck ausschere, würde das zu einem Bruch in dem einmaligen Projekt führen.

„Ich gebe zu, dass den 16 Stationen eine Bedeutung zukommen soll, die ich nicht erkannt hatte. Sie werden das Aushängeschild der Gartenschau sein“, sagte der OB, als am Dienstagabend im Gemeinderat neue Pläne für den Remsecker Beitrag zum Projekt präsentiert wurden, die auch die Architekten mittragen können. Anstatt fünf soll es nun drei Häuschen geben. Sie stehen nicht im Neckar, sondern werden auf Schwimmkörpern an den Steg angedockt, der zur Gartenschau gegenüber vom Rathaus am rechten Remsufer gebaut wird. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass das Budget von 70 000 Euro ausreicht. Remseck muss lediglich die Hälfte bezahlen, denn der Verband Region Stuttgart schießt 35 000 Euro zu. „Wir sind ein Stück weit Getriebene. Wir wollen solidarisch sein“, appellierte Schönberger an den Gemeinderat, den neuen Plänen zuzustimmen. „Wir haben nur noch eineinhalb Jahre Zeit und möchten im Januar die Arbeiten ausschreiben“, machte Bürgermeister Karl Velte auf den bereits bestehenden Zeitdruck aufmerksam.

Die Meinungen im Gremium gingen weit auseinander. „Die 16 Stationen haben keinerlei Mehrwert für die Kommunen“, konstatierte CDU-Fraktionschef Steffen Kirsch. Die 35 000 Euro, die Remseck ausgeben müsse, würden schlichtweg versenkt. Er ärgere sich, wie mit dem Votum des Gemeinderates umgegangen werde, sagte Kirsch, und kündigte an, dem Beschlussvorschlag der Verwaltung nicht zuzustimmen. „Das Ding kostet 70 000 Euro. Die 35 000 Euro der Region sind letztlich auch Geld aus den Kommunen“, stellte FDP-Stadtrat Kai Buschmann klar. Kritik übte er auch am neu ausgeguckten Standort nahe beim Neckarstrand. Hier gebe es ohnehin genug Probleme mit Vandalismus. Er lehne es ab, jetzt auch noch sinnlose, weiße Häuschen dort aufzustellen, die spätestens in der ersten Silversternacht in die Luft flögen, so Buschmann.

Kontroverse Diskussion

„Die Remstal-Gartenschau ist kein Architektenwettbewerb. Die weißen Häuschen verursachen nur Kosten und haben keinen Mehrwert. Sie sind reine Geldverschwendung“, so das Urteil von Stadtrat Peter Bürkle (Freie Wähler). Sein Fraktionschef Gerhard Waldbauer war anderer Meinung. Angesichts der Gesamtkosten von knapp zwei Millionen Euro für die Gartenschau seien die 35 000 Euro für die Häuschen ein kleiner Betrag.

„Ich war kritisch eingestellt, kann mich aber damit abfinden“, sagte SPD-Stadtrat Harald Sommer. Dass die Bauten keinem Zweck dienten, sei lange bekannt. Jetzt aus dem Projekt auszusteigen, halte er für fragwürdig. Andere Kommunen stellten viel mehr auf die Beine als Remseck. Wenn die Häuschen keine praktische Funktion hätten, dann seien sie eben Kunst und über die lasse sich bekanntlich streiten, sagte SPD-Sprecher Heinz Layher. „Wenn alle Gartenschau-Kommunen ein Erkennungsmerkmal in diesen Stationen haben sollen, dann stimmen wir zu. Und das ist eine weise Entscheidung.“

Grundsätzlich fände sie das „architektonische Bonbonle“ der Remstal-Gartenschau toll, so Grünen-Stadträtin Monika Voggesberger. Den nun ausgewählten Standort lehnt sie aber ab. Es gebe an dieser Stelle dann eine „zu große Massierung der Angebote“. Letztlich stimmten 13 Räte für das Projekt und elf dagegen.