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Archäologie
Ausgrabungen in Markgröningen: Archäologen entdecken historische Funde

Wo der Boden schwarz ist, war einst eine Feuerstelle, wohl eines mit Metall arbeitenden Handwerkers im 18. oder 19. Jahrhundert. Foto: Holm Wolschendorf
Wo der Boden schwarz ist, war einst eine Feuerstelle, wohl eines mit Metall arbeitenden Handwerkers im 18. oder 19. Jahrhundert. Foto: Holm Wolschendorf
Die Arbeit rund um die Bartholomäuskirche soll aber keine Verzögerungen für die Umgestaltung des Kirchplatzes bedeuten.

Markgröningen. Wo einst der Treppenaufgang vom Markgröninger Marktplatz zur Bartholomäuskirche war, klafft seit einigen Wochen ein riesiges Loch. Doch viele Bauarbeiter waren dort Ende Oktober nicht zu sehen – stattdessen nur ein Mann mit Sicherheitsweste einer archäologischen Fachfirma, ein weiterer steht oben auf dem Kirchplatz für Vermessungsarbeiten. Denn dessen geplante Neugestaltung hat einen weiteren Baustein der früheren Nutzung des Geländes zutage gefördert: als Friedhof, aber auch als Werkstatt.

Für die Verantwortlichen des Landesdenkmalamts ist Ersteres wenig überraschend, heißt es auf LKZ-Anfrage nach Abschluss dieses Teils der archäologischen Arbeiten in dieser Woche. „Der gesamte Bereich der Kirche und um die Kirche herum ist ein archäologisches Kulturdenkmal. Durch ältere Bautätigkeiten beziehungsweise archäologische Sondagen war bereits bekannt, dass bei Öffnungen des Bodens hier Baubefunde zum Kirchenbau sowie Bestattungen des ehemaligen mittelalterlichen Friedhofs, der rund um die Kirche lag, zu erwarten waren.“

Zudem aber kamen beim Abbruch der Treppe und des neu zu gestaltenden Bereichs daneben „Strukturen der Bebauung“ zum Vorschein, die im 19. Jahrhundert dort abgebrochen worden ist, unter anderem ein Werkbereich eines wohl mit Metall arbeitenden Handwerkers. Der stammt mutmaßlich aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, so die Behörde mit Blick auf gefundene Keramik.

Dass auf dem einstigen Friedhof, der Anfang des 17. Jahrhunderts vor die Stadt verlegt wurde und dessen Grenzen nicht überall eindeutig sind, später gebaut wurde, war für die Archäologen bekannt – nicht aber, ob sie davon noch Spuren finden, Grund sind die zahlreichen Umgestaltungen. Durch diese seien auch menschliche Überreste in die Erde gelangt, so das Denkmalamt.

Die gefundenen Bestattungen befinden sich bislang im Bereich westlich der Kirche oberhalb der Treppe, der auch schon teilweise geöffnet ist. Weitere Friedhofsfunde erwartet man für Teile des nördlich der Kirche liegenden Bereichs, wo ebenfalls Bauarbeiten geplant sind, und die dieselben Archäologen zuvor ausgraben werden. Die dokumentierten und geborgenen Zeugnisse der Bestattungen werden dann im zentralen Fundarchiv gelagert, heißt es weiter.

Die Grabungen laufen weitgehend parallel zu den im September gestarteten Bauarbeiten. Dadurch könnten „größere Verzögerungen voraussichtlich vermieden werden“, so das Denkmalamt. Denn die Zeit für das auf knapp 800000 Euro Kosten angewachsene Projekt drängt: Wie berichtet, bekommt der Kirchplatz einen neuen Asphaltbelag, vor allem aber wird es eine neue Freitreppe geben, die in Richtung Marktplatz ausgerichtet wird – und alles soll bereits im März fertig sein. Dann nämlich feiert die Bartholomäuskirche ihren 750. Geburtstag.