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Tradition

Baumverkauf mit Kultchararakter

Schleppertreffen, Seifenkistenrennen, Christbaummarkt. An diesen drei Terminen platzt das sonst so beschauliche Oberstenfelder Teilörtchen Prevorst jedes Jahr aus allen Nähten. Kult ist, den Weihnachtsbaum dort in einzigartiger Atmosphäre zu kaufen.

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Jedes Jahr ein Besuchermagnet: der Christbaum-Verkauf in Prevorst. Foto: Oliver Bürkle

Oberstenfeld. Werbung muss für den Prevorster Christbaummarkt kaum noch gemacht werden. Für viele Besucher sind diese Tage mittlerweile fester Bestandteil des Adventskalenders. Tausende Besucher fluten an den Wochenenden die lange Dorfstraße. Die Parkplätze sind voll, das Gedränge ist groß. Ein Geheimtipp ist dieser Markt schon lange nicht mehr. Im Gegenteil, er gehört in der Region zur Vorweihnachtszeit, wie Gutsle und Glühwein. Und auch davon gibt’s am Wochenende reichlich.

Simone kauft seit 20 Jahren hier ihre Nordmann-Tanne. Sie findet das Ambiente einfach klasse und liebt es, durch die zwei Dutzend Stände mit kunsthandwerklichem Angebot zu bummeln und sich inspirieren zu lassen. Ein handgeschnitzter Schäfer oder ein Engelchen könnten die heimische Krippe noch ergänzen. Zwei gedrechselte Kerzenständer würde die Weihnachtstafel bereichern. Kerzen aus Bienenwachs das Wohnzimmer beduften. Sie deckt sich ein mit ganz persönlichen Weihnachtskarten für die Lieben in der Ferne und findet ganz nebenbei wollene Pulswärmer für sich und ein paar Ohrringe, die ihr Mann ihr zu Weihnachten schenken darf. Er bekommt dafür warme Socken und Männerseife.

Nicht jeder darf verkaufen

Wer hier ein Angebot präsentieren darf, hat zuvor die zwölfköpfige Vereinsjury überzeugt. 2010 wurde nämlich eigens ein Verein gegründet, mit dem Ziel, das Niveau qualitativ hoch zu halten. Der Markt an sich wurde nicht gegründet, er entstand vor Jahrzehnten aus sich selbst heraus. Das macht ihn so einzigartig-urig. Mit knapp 500 Höhenmetern ist die Exklave die höchste Erhebung im Landkreis und lädt zu Wanderungen mit Panoramablicken ein.

Abends, wenn es langsam dunkel wird, zaubern die Lichterketten an den großen Tannen ein Funkeln in die Kinderaugen. Der Schein aus den Fenstern hat etwas Puppenstubenhaftes. Überall dampft es aus Kesseln und Töpfen. Weihnachtsduft liegt in der Luft. Und im Budenzauber mit vielfältigem Angebot gehört ein wenig kuscheliges Gedrängel einfach dazu. Simone entscheidet sich traditionell für eine Rote Wurst vom Grill, die in der Höhenlage Prevorts irgendwie besser schmeckt, bildet sie sich ein. Als Nachtisch gibt’s eine Waffel.

Auf dem romantisch-nostalgischen Weg durchs Dorf wird das nadelige Angebot der 20 Händler dezent im Vorbeigehen sondiert, die Optik des Angebots aus der Ferne verglichen. „Schade, dass ich nicht handeln kann“, lacht Simone. Ihr Traumbaum wird schließlich eingenetzt. Der Göttergatte darf ihn schultern und zum Auto tragen. Der Baum wird aufs Dach geschnallt und daheim in den Ständer gesteckt und zu Heiligabend geschmückt. Es ist ein Ritual, wie es jedes Jahr viele Besucher von Prevorst tausendfach wiederholen.

Vor allem die Optik zählt

„Wir verkaufen hier Bäume aus der Region und keine industrielle Meterware“, bestätigt der Vereinsvorsitzende Harald Kunz. Die Optik, der Wuchs, bestimme den Preis und nicht der Zollstock. Trotzdem: Eine zimmerhohe A-Qualität sei ab 40 Euro zu haben, schätzt er. Und man sei durchaus auch in der Lage, bis zu fünf Meter hohe Prachtexemplare zu besorgen. Nach wie vor sei die Nordmanntanne der beliebteste Baum des Schwaben – 75 Prozent.

Es gibt aber auch die Blaufichte oder Ausgefallenes, wie die Koreatanne oder die Coloradotanne. Sogar die Königin unter den Tannen, die „Abies nobilis“, die Nobilistanne, wird angebaut. Eher weniger gefragt sind dagegen Rotfichte oder die serbische Fichte, sowie die Douglasie und Schwarzkiefer. Nach Bedarf werden die Bäume täglich frisch geschlagen. Sie stammen alle aus den Kulturen um Prevorst herum.

In Ihnen steckt viel Zeit und Arbeit. Aus der Pflanzschule heraus werden die Bäumchen an einen hellen und vor Wildverbiss geschützten Standort gesetzt. Es wird von Unkraut befreit, wird gedüngt, bekommt vom erfahrenen Christbaumbauern den notwendigen Formschnitt, erfährt man auf der Veranstaltung. Acht bis zwölf Jahre dauert es bis zur Erntereife. Dann wartet der so gehegte Baum kurz vor Weihnachten frisch gefällt auf eine Familie, die ihn vom Fleck weg „adoptiert“, schmückt, bewundert.

Info: Am kommenden Samstag und Sonntag, 16. und 17. Dezember, ist das Christbaumdorf jeweils von 10 bis 18 Uhr noch einmal geöffnet. Am 23. und 24. Dezember findet kein Markt mehr statt. Christbäume kann man jedoch noch an allen Wochentagen bis einschließlich 23. Dezember kaufen.