Logo

B27-Enzbrücke

Baustart für das Millionenprojekt Enzbrücke

Gestern Nachmittag hat der Neubau der B27-Enzbrücke zwischen Walheim und Besigheim offiziell begonnen. Auch wenn davon natürlich in erster Linie die Autofahrer profitieren, spielten die Radfahrer bei der kleinen Feierstunde eine große Rolle. Und dabei zeigte sich, wie unterschiedlich die Wahrnehmung doch sein kann.

Jetzt geht‘s los: Verkehrsminister Winfried Hermann (links) und Staatssekretär Steffen Bilger an der Enzbrücke. Foto: Alfred Drossel
Jetzt geht‘s los: Verkehrsminister Winfried Hermann (links) und Staatssekretär Steffen Bilger an der Enzbrücke. Foto: Alfred Drossel

Besigheim/Walheim. Nur im Schneckentempo ging es für die Autofahrer rund um die Enzbrücke voran. Das lag weniger an der Festgesellschaft, die sich auf der bereits eingerichteten Baustelle an der Brücke einfand, sondern am üblichen Verkehr. Es war ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie stark die 1946 gebaute Brücke genutzt wird. Doch dafür brauchten Regierungspräsident Wolfgang Reimer, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr Steffen Bilger und Verkehrsminister Winfried Hermann keine Belege mehr. In ihren Ansprachen betonten alle drei, wie wichtig die neue Brücke sei. Nicht nur, dass der Bestandsbau deutliche Schäden hat, er wird auch dem gestiegenen Verkehrsaufkommen nicht mehr gerecht. Eine reine Sanierung würde sich nicht lohnen, also wurde beschlossen, in den kommenden vermutlich 15 Monaten parallel zum Bestandsbau eine neue Brücke zu errichten. „Wir versuchen, die Einschränkungen und Beeinträchtigungen möglichst gering zu halten“, sagte Reimer. Auch wenn der Verkehr die meiste Zeit an der Baustelle vorbeifließen solle, so seien doch Vollsperrungen nötig – „wir versuchen, sie in die Ferien oder verkehrsarme Zeit zu legen“.

Dass die alte Brücke ausgedient hat, ist unstrittig. Hier sind sich Bund und Land mit den Kommunen Besigheim und Walheim einig. Der große Knackpunkt ist die Situation der Radfahrer. Bislang ist es so, dass diejenigen, die auf dem Enztalradweg unterwegs sind, die Bundesstraße per Ampelschaltung queren müssen, wenn sie weiter entlang des Flusses radeln möchten. Die Kommunen und viele Initiativen, Gruppen und Privatleute sahen nun beim Neubau die Chance gekommen, die ungeliebte Ampel loszuwerden. Eine Radwegunterführung, die unterhalb der Brücke verläuft, wäre ihrer Meinung nach die beste Lösung. Doch so einfach war das nicht. Bund und Land sehen bei Bau und Finanzierung nämlich Besigheim und Walheim in der Pflicht, stellten allerdings in Aussicht, 90 Prozent der förderfähigen Bau- und Planungskosten zu übernehmen (wir berichteten).

Steffen Bilger erinnerte an die vielen Gespräche, die diesbezüglich geführt wurden, und meinte: „Ich denke, wir sind hier auf einem sehr guten Weg.“ Man habe mittlerweile eine Lösung gefunden. Und die sieht bekanntermaßen so aus, dass die neue Brücke so errichtet wird, dass eine Radwegunterführung nachträglich gebaut werden könnte. Wie teuer das für die Kommunen würde, wird derzeit noch geprüft – mit einer Machbarkeitsstudie, die Walheim und Besigheim gemeinsam in Auftrag gegeben haben. Bilger meinte, der Bund stehe mit seinem Förderprogramm bereit, wenn sich die beiden Kommunen für den Bau entscheiden würden. Verkehrsminister Hermann sagte über die Proteste aus Walheim und Besigheim: „Ich habe mich ehrlich gesagt gefreut, dass sich die Menschen so engagiert haben.“ Dieser politische Protest und das nachhaltige Beharren hätten zur Folge, dass es nun eine bessere Lösung gebe. Auch er kam auf die Finanzen zu sprechen und betonte, das Land sei bereit, Mittel zur Verfügung zu stellen. Da müssten die Kommunen fast nichts mehr zahlen – nur noch den Antrag stellen. Er animierte Besigheims Bürgermeister Steffen Bühler, an dem Thema dranzubleiben und weiterzumachen.

Ganz so euphorisch sah es Bühler dann aber nicht. „Eine nagelneue Bundesstraßen-Brücke und darunter eine kommunale Radwegunterführung? Unsere Bevölkerung versteht dieses Konstrukt nicht – und ich ehrlich gesagt auch nicht.“ Aber Walheim und Besigheim würden sich dieser Aufgabe vielleicht trotzdem stellen. Es werde gerade geprüft, wie viel an den beiden Kommunen finanziell hängen bleiben würde, sagte Bühler über die Machbarkeitsstudie. „Wir verweigern uns nicht. Aber optimal ist das nicht gelaufen.“ Zustimmung gab es hier von seiner Walheimer Amtskollegin Tatjana Scheerle. Denn gerade für eine kleine Kommune sei das Projekt Radwegunterführung mit Planung und Umsetzung kaum zu stemmen. Der Haushalt sei nicht rosig, und dann müsse man dafür noch Geld auf die Seite legen? Die Radwegunterführung sei „keine kommunale Aufgabe“. Sie glaube, eine 100-prozentige Förderung oder Kostenübernahme wäre noch möglich.

Autor: