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Jugend

Benutzungszeit erhitzt die Gemüter

Der Jugendfreizeitplatz an der Ditzinger Konrad-Kocher-Schule soll im März eingeweiht werden, doch der Streit dauert an

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Ditzingen. Im Ditzinger Ausschuss für Finanzen, Kultur und Soziales kreiste die Auseinandersetzung am Montagabend über die (eigentlich mehrheitlich bereits beschlossene) Benutzungszeit des geplanten Jugendfreizeitplatzes. Damit soll ein möglichst konfliktarmer Betrieb gewährleistet werden. Eine Interessengruppe hat bei zwei Treffen einen Entwurf erarbeitet und weitere Vorschläge zusammengetragen, wie der Betrieb gelingen könnte. „Die Vorhaben sollen jetzt noch mit den Fachabteilungen und der Polizei geprüft werden“, teilte Tristan Scherrer, Abteilungsleiter der Ditzinger Jugendpflege, im Ausschuss mit.

Dieter Schnabel (UB), von Anfang an Gegner eines Jugendfreizeitplatzes an diesem Standort, sträubte sich, die Altersgrenze bis 27 Jahre zu akzeptieren, zumal es dazu nirgendwo eine Entsprechung gäbe. Lina Wagner (FDP) warnte davor, den Nutzerkreis zu sehr einzugrenzen. Freundesgruppen mit 20- bis 22-Jährigen könnten sich dann dort nicht mehr treffen.

Oberbürgermeister Michael Makurath betonte am Montagabend, man habe rund 100.000 Euro in den Lärmschutz investiert, eine Wand steht seit Juli – „das machen wir nicht überall“. Am Heimerdinger Bahnhof etwa warten Anlieger der Strohgäubahn seit langem erfolglos auf solch ein Bauwerk.

Man müsse aufpassen, so Makurath, den Nutzerkreis des Jugendfreizeitplatzes nicht zu sehr einzuschränken. Der Rathauschef malte ein wenig erstrebenswertes Szenario: „Dann haben wir bald eine Hundewiese hier.“ Man habe intensiv über die Altersnutzung nachgedacht. „Wir wollen einen Platz, der auch eine Nutzung findet.“ Sonst tanzten die Leute woanders, ohne Lärmschutz. Tristan Scherrer warf ein, dass das Sozialgesetzbuch das Jugendalter sehr wohl bis 27 Jahre ausdehne. Und hier handle es sich um Jugendarbeit, betonte Makurath.

Michael Schmid (Freie Wähler) sagte im Ausschuss, er sei auch über den Paragrafen 2, Benutzungsrecht und -zeit gestolpert: Freitags und samstags sei die Nutzung – Sperrzeit von 1 bis 9 Uhr – in Ordnung, „aber unter der Woche nicht“. Sein Fraktionskollege Manfred Grossmann kündigte dazu einen Abänderungsantrag an. Sabine Roth (SPD) hingegen wollte daran erinnern, dass es einst darum gegangen sei, einen Platz zu schaffen, der länger als 22 Uhr genutzt werden darf.

Schnabel sagte, man müsse beide Interessen berücksichtigen, die der Jugendlichen und die der Anwohner. „Und 23 Uhr ist bekanntlich mehr als 22 Uhr.“ Schnabels Bild, man müsse ja auch nicht mit 200 an einer Lärmschutzwand vorbeifahren, konterte Makurath. Man solle die Beschlusslage in Erinnerung behalten – nach dem Bau der Lärmschutzmauer könne man, spitzte der OB zur allgemeinen Erheiterung zu, nicht sagen: „Jetzt lassen wir die wilden Tiere nicht hinein, jetzt kommen die Streichelkätzchen.“

„Ich würde das Ganze, wie es beschlossen wurde, ausprobieren“, sagte der neu gewählte Grünen-Rat Carl Renninger. „Dass man jetzt noch einmal rumdiskutiert, verstehe ich überhaupt nicht.“

Schlussendlich lagen zwei Abänderungsanträge auf dem Tisch. Den Antrag Schnabels, das Alter auf 21 Jahre herunterzusetzen, lehnten alle anderen ab. Dem Antrag Grossmanns wurde mehrheitlich (CDU, Freie Wähler und UB) zugestimmt: Der Platz soll demnach nur freitags und samstags bis 1 Uhr benutzt werden dürfen, ansonsten bis 23 Uhr. Die Sperrzeit gilt danach bis 9 Uhr morgens. Der Gemeinderat entscheidet am 8. Oktober.

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