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Bergung der toten Tiere in Erligheim dauert eine Stunde

Kadaver mithilfe eines Baggers und eines Radladers abtransportiert – Viele Besucher bei Bürgerfragestunde im Gemeinderat

Der Hof in Erligheim. Die Tiere werden abtransportiert. Archivfoto: Alfred Drossel
Der Hof in Erligheim. Die Tiere werden abtransportiert. Archivfoto: Alfred Drossel

Erligheim. Die 17 verendeten Tiere auf einem Erligheimer Bauernhof sind gestern am frühen Vormittag vom Zweckverband Tierische Nebenprodukte Neckar-Franken (ZTN) abgeholt worden. Innerhalb einer Stunde hatten sechs Männer mithilfe eines Baggers und eines Radladers die Kadaver aus dem Stall geborgen und in Transportmulden verladen.

Die Abholung der Tierkörper sei ohne Zwischenfälle und Probleme verlaufen, stellt Bürgermeister Rainer Schäuffele erleichtert fest. Im Vorfeld war von einer schwierigen Bergung gesprochen worden, um die toten Tiere aus dem baufälligen und voller Fäkalien nahezu unzugänglichen Stall zu holen. Über eine Woche lang lagen sie dort. Der Fall hatte landesweit für Aufregung gesorgt, Tierschützer auf den Plan gerufen und Behörden und die Politik aufgeschreckt (wir berichteten).

Aufregung im Ort ist groß

Der Tierschutzskandal wurde auch in der Bürgerfragestunde des Erligheimer Gemeinderates am Donnerstagabend angesprochen. Denn groß ist die Aufregung in Erligheim seit der Entdeckung der toten Rinder und Schweine. Das Telefon des Bürgermeisters Rainer Schäuffele läuft offenbar heiß ob zahlreicher Anfragen. Und zahlreich sind auch die Fragen, welche sich die Einwohner nun stellen. Das zeigte sich deutlich in der Bürgerfragestunde. Der Fund der toten Tiere war zwar nicht auf der Tagesordnung, aber die Geschehnisse auf dem Nebenerwerbsbauernhof waren dennoch zu Beginn der Sitzung das alles beherrschende Thema.

Mehr Besucher als sonst seien da gewesen, so die Beobachtung des Gemeinderats und zweiten Bürgermeisterstellvertreters Gustav Schabinger, auf Nachfrage unserer Zeitung. Schabinger betonte aber, dass unter den interessierten Bürgern auch viele gewesen seien, welche die Entscheidung über ihr Baugesuch verfolgen wollten.

Zahlreiche Fragen

Warum hat niemand gemerkt, was auf dem Hof vor sich ging, selbst Nachbarn nicht? Wer trägt die Verantwortung dafür, dass die Tiere so jämmerlich verendet sind? Das wollten die Besucher in der Bürgerfragestunde, darunter laut Schabinger auch einige Nachbarn des Hofs, von Schäuffele wissen, der auf das Veterinäramt am Landratsamt Ludwigsburg als zuständige Behörde verwies.

Doch nicht nur die Schuldfrage bewege die Erligheimer, weiß Schabinger. Viele fühlten sich auch an den Pranger gestellt, insbesondere durch die Aktion von Tierrechtsorganisationen in Erligheim. Diese hatten in der Ortsmitte eine Mahnwache abgehalten. Dabei hatten Teilnehmer Plakate hochgehalten, auf denen unter anderem zu lesen war: „Ein Dorf sieht weg“.

Die Erligheimer zeigten sich verärgert über jenes Plakat. In der Gemeinde habe man den Skandal sehr wohl von allen Seiten gesehen und auch Unverständnis und Entrüstung zum Ausdruck gebracht, heißt es. Unserer Zeitung gegenüber hat sich auch der Tierhalter über das widerrechtliche Eindringen von Aktivisten einer Tierschutzorganisation in den Stall beklagt.

Der Erligheimer Bauernhof wurde in den 1970er Jahren als Aussiedlerhof für die Schweinezucht gebaut. Mittlerweile stehen rund um den Hof Wohnhäuser. Aktuell hat der Besitzer, der den Hof verpachtet hat, das Anwesen verkauft. Die Gebäude sollen im nächsten Jahr abgebrochen werden. Auch gestern soll laut den Nachbarn ein unzumutbarer Gestank rund um den Bauernhof wahrzunehmen gewesen sein.

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