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Leben im Alter

Besser leben trotz Demenz

Stadt und Krankenpflegeverein starten ein neues Projekt – Auftakt mit Erfahrungsreferat

Leben mit Demenz ist schwer – ein gutes Umfeld kann eine Hilfe sein. Foto: Patrick Pleul/dpa
Leben mit Demenz ist schwer – ein gutes Umfeld kann eine Hilfe sein. Foto: Patrick Pleul/dpa

marbach. Je älter die Menschen werden, desto mehr steigt ihr Risiko, an Demenz zu erkranken. Und obwohl fast jeder fünfte über 80-Jährige und jeder dritte über 90-Jährige von der Krankheit betroffen ist, spricht kaum jemand gern darüber, schweigen betroffene Familien voller Scham. Mit ihrem neuen Projekt „Demenzfreundliche Stadt“ will Marbach dagegensteuern. Die Auftaktveranstaltung ist am Montag, 25. Februar im Bürgersaal des Rathauses.

Das neue Projekt veranstaltet die Stadt Marbach gemeinsam mit dem Krankenpflegeverein. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Zukunftswerkstatt „Älterwerden in Marbach“ statt.

Wie eine demenzfreundliche Stadt aussehen könnte, darauf hat die Gastreferentin, Gabriele Beck, zahlreiche Antworten. Sie leitet die Altenhilfe in Ostfildern und hat die dortige Demenzkampagne in den Jahren 2007/2008 begleitet. Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert sie, wie Ostfildern das Projekt damals angegangen und was in den folgenden Jahren daraus erwachsen ist.

„Wir haben zunächst die Frage gestellt, welches Bild wir von der Krankheit haben und wie wir mit damit umgehen“, sagt Gabriele Beck. Denn das Etikett „familienfreundlich“ verpasst sich eine Kommune gern, aber demenzfreundlich...? Da gibt es Vorbehalte. In Ostfildern konnten sie ausgeräumt werden. „Wir haben während des dreiviertel Jahres, in dem die Kampagne lief, 30 Veranstaltungen gemacht, die alle sehr gut besucht waren“, erinnert sich Gabriele Beck. Das baute Vorurteile ab und gab der Sache einen Schub. „Aus den Veranstaltungen sind unendlich viele Initiativen entstanden“, sagt die Leiterin der Altenhilfe in Ostfildern und nennt ein paar Beispiele. Die Kirchen bieten viermal im Jahr einen ökumenischen Gottesdienst an, der auf die Bedürfnisse Demenzkranker angelegt ist. Der Gottesdienst ist kürzer als sonst, es werden bekannte Lieder gesungen und aus der Kindheit vertraute Gebete gesprochen.

Für Einzelhändler, Bankmitarbeiter, Vereine und Polizisten wurden Erste-Hilfe-Kurse angeboten, die auf große Resonanz stießen, weil alle häufig Kontakt mit dementen Menschen hatten und Erfahrungen austauschen konnten, wie man sich in bestimmten Situationen am besten verhält. Ein Polizist schilderte zum Beispiel, dass er alle sechs Wochen den Anruf einer alten Dame bekommen habe: Bei ihr sei eingebrochen worden. Worauf der Polizist in voller Uniform bei der Dame vorbeischaute, die anschließend vollkommen beruhigt war – wenigstens für die nächsten Wochen.

An dem Abend in Marbach wird Gabriele Beck das Konzept der Kampagne in Ostfildern vorstellen und die Entwicklung schildern, die das Projekt genommen hat, damit Menschen mit Demenz in der Stadt ein weitgehend gutes Leben führen können. Eins zu eins werde die Stadt das Konzept von Ostfildern nicht übernehmen können, vielmehr komme es darauf an, ein eigenes, auf Marbach zugeschnittenes Konzept zu entwickeln. Im Anschluss an den Vortrag ist eine Diskussion geplant. An dem Abend sollen die Weichen für eine Arbeitsgruppe gestellt werden, die sich projektbezogen mit dem Thema befasst und Impulse aufgreift. Einige interessierte Personen und Institutionen haben bereits ihre Mitarbeit zugesagt, so Andrea von Smercek, die als Beauftragte für bürgerschaftliches Engagement bei der Stadtverwaltung das Projekt koordiniert.

Info: Die Auftaktveranstaltung des neuen Projekts „Demenzfreundliche Stadt“ findet am Montag, 25. Februar, von 18 bis 19.30 Uhr im Bürgersaal des Marbacher Rathauses statt. Referentin ist Gabriele Beck aus Ostfildern. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

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