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Immobilien

Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware

Ratsfraktionen wollen mit Haushaltsanträgen gegensteuern –„Potenziale ausgeschöpft“ –Selbst Facharbeiter haben Probleme mit hohen Mieten

Marbach. Bürgermeister Jan Trost schildert auswärtigen Besuchern seine Stadt gerne als Kommune mit starkem Zuzug in einer wirtschaftlich prosperierenden Region. Mit der Attraktivität beginnen aber auch die Probleme: Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum. Ratsfraktionen wollen mit Anträgen zum Haushalt 2018 nun gegensteuern.

„In der Vergangenheit hat die Stadt bereits stark auf die Innenentwicklung gesetzt, die Potenziale sind hier ausgeschöpft“, räumt Jan Trost im Gespräch mit unserer Zeitung ein. „Deshalb müssen wir ein Neubaugebiet angehen“, fügte Trost an. Im Gespräch ist hier schon seit einiger Zeit das Neubaugebiet Kreuzäcker an der Affalterbacher Straße, dieses Jahr soll es laut Trost nun konkreter werden. Außerdem errichtet der Marbacher Immobilien Dienst ein Mehrfamilienhaus mit 15 Wohnungen in der Affalterbacher Straße 37. Die Stadt erwirbt das Gebäude nach Fertigstellung und kann hier dann preiswerte Wohnungen anbieten. Möglich wird das auch mit einem Zuschuss aus dem Förderprogramm „Wohnungsbau Baden-Württemberg“. Im künftigen Neubaugebiet müsse man schauen, ob auch hier die Mieten erschwinglich blieben, meint Trost. Die Erfahrung zeige aber, dass die Preise eher nach oben gingen. Der Bürgermeister macht sich nichts vor: Der Immobilienmarkt ist abgegrast und das Bauen ist auch noch teurer geworden. Das wirke sich dann eben auf Kaufpreis beziehungsweise auf die Mieten aus. Er räumt ein, dass selbst Normalverdiener, die als Fachkräfte in den umliegenden Firmen arbeiten, inzwischen Probleme haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Für ihn ist es deshalb keine Überraschung, dass im Gemeinderat das Thema ebenfalls auf der Agenda steht, wie fünf Anträge zum Haushalt 2018 zeigen. So fordert die SPD-Fraktion die Ausrichtung einer Informationsveranstaltung mit dem Ziel, eine Wohnraumakquise durch Kooperation, wie sie in Karlsruhe praktiziert wird, auf eine mögliche Umsetzung in Marbach zu prüfen. In Karlsruhe ist es mit verschiedenen Maßnahmen gelungen, beim Leerstand gegenzusteuern und mehr Wohnraum zur Verfügung zu stellen. So schließt die Stadt Mietverträge mit Eigentümern, zahlt Sanierungszuschüsse und betreut die Bewohner auch sozialpädagogisch. Die PULS-Fraktion beantragt überdies, Senioren, die familiengerechten Wohnraum für eine kleinere Wohnung aufgeben, eine einmalige Umzugsprämie von 2500 Euro zu zahlen, wenn die bisherige Wohnung von einer Familie aus Marbach gemietet oder gekauft wird. In weiteren Anträgen fordert PULS die Schaffung eines kommunalen Eigenbetriebes Wohnraumwirtschaft zu prüfen. Ziel soll auch hier die Verringerung des hohen Leerstands sein. Außerdem will PULS, dass die städtische Parkfläche an der Ecke Schul-/Schubartstraße für eine Wohnbebauung umgewidmet wird. Die Fläche sollte an einen Investor verkauft werden, der dann nach dem Vorbild der Affalterbacher Straße 37 barrierefreie Seniorenwohnungen zum günstigen Preis anbieten soll. Die Fraktion der Grünen beantragt überdies, nach dem Erwerb der Grundstücke in der Karlstraße 9 in Rielingshausen, im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens auch bezahlbare Mietwohnungen vorzusehen.

Marbach boomt und das wird wohl auch so bleiben. Warum ist die Stadt als Wohnort so beliebt? Jan Trost nennt hier zunächst den S-Bahn-Anschluss, der seiner Einschätzung nach vor allem aufgrund möglicher Fahrverbote noch größere Bedeutung bekommt. Und falls künftig auch die Bottwartalbahn verkehre, bringe das nochmals einen Attraktivitätsschub. Zweites Plus der Schillerstadt vor allem für Familien: Das laut Trost herausragende Schulangebot mit Deutschlands zweigrößtem Gymnasium sowie Grund-, Real- und Gemeinschaftsschule.