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Gastronomie

Biergarten läuft, doch der Wirt ist weiter sauer

Im Paulaner-Biergarten kann seit ein paar Wochen wieder Bier getrunken werden, ohne dass Felsen auf die Gäste herunterfallen. Der Wirt ist aber noch immer sauer auf die Stadt, er will schnellen Schadenersatz.

Der Paulaner-Biergarten unter der Felswand in der Wobachstraße.Foto: Alfred Drossel
Der Paulaner-Biergarten unter der Felswand in der Wobachstraße. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Es wirkt alles ein wenig improvisiert. Die Bierbänke stehen nicht an ihrem angestammten Platz unterhalb der Felswand, sondern ein wenig abgerückt in Richtung Enz. Noch immer besteht Gefahr, dass von den Felswänden nebenan Felsen herunterfallen. Und in der Küche wird provisorisch mit Kochplatten und Gasflaschen gekocht. Eigentlich sollte ein Gastank die Küche versorgen, doch dieser ist noch nicht angeschlossen.

Bei diesem Thema wird Tim Heilig ganz rot im Gesicht. „Vor fünf Wochen wurde der Gastank umgesetzt, damit keine Felsbrocken mehr darauf fallen können. Doch bisher gibt es noch keine Leitung in die Küche. Wie sollen wir da vernünftig arbeiten können“, sagt der Wirt des Paulaner-Biergartens.

Die Felssturzgefahr brachte die Sache erst richtig ins Rollen. Kurz vor Ostern hatte die Stadt Bietigheim-Bissingen festgestellt, dass sich aus dem Felsen über der Gaststätte Paulaner größere Felsstücke lösen könnten und auf den Biergarten, das Gebäude und eben auch auf den Gastank stürzen könnten (wir berichteten). Daraufhin wurde der Betrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. Just in dem Augenblick, als der Wirt zu seiner Open-Air-Saison durchstarten wollte.

Für Tim Heilig mehr als ein Ärgernis, schließlich musste er trotz des Ausfalls seine Angestellten weiter bezahlen. Daher sah er auch eine böse Absicht hinter dem Betriebsverbot. Die Gaststätte gehört der Stadt Bietigheim-Bissingen und er vermutet bis heute, dass die Verwaltung ihn eigentlich aus der Gaststätte heraushaben will. Dem Vorwurf widersprach die Stadt postwendend. Er konnte bis heute auch nicht belegt werden. Die Stadt argumentierte, dass der Schutz der Gäste Vorrang habe vor den Geschäftsinteressen des Wirts.

Seit einigen Wochen läuft der Betrieb wieder – wenn auch eingeschränkt. In der Zwischenzeit wurde ein Stahlnetz vor die Felswand gespannt, damit die Gäste im Biergarten geschützt sind. Für Tim Heilig ist der Fall aber noch lange nicht abgeschlossen. Er bezweifelte die Rechtmäßigkeit des damaligen Gutachtens und klagte gegen die Schließung. Noch gibt es keinen Entscheid in der Sache, doch Heilig fordert schon einmal Schadenersatz. „Beim mir hat sich niemand von der Stadt gemeldet und hat einen Vorschuss in Aussicht gestellt. Ich musste bisher alle Ausstände ganz allein bezahlen. Das ist kein guter Umgang mit einem Mieter“, so der Wirt. Er habe einen sechsstelligen Ausfall, den er ausgleichen müsste. Heilig: „Ich brauche das Geld, um über den Winter zu kommen. Der Umsatz wird im Sommer gemacht.“

Es gibt bisher keine Anzeichen, dass sich an dieser Situation etwas ändern wird, schließlich läuft das Verfahren noch. Erst im nächsten Jahr wird der Biergarten wieder an seinem angestammten Platz eröffnet. Dann sind auch die umliegenden Felswände mit Stahlnetzen abgesichert.

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