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Altglas-Behälter
Blaue Mülltonne: Alle Tauschwilligen können ab dem 1. April einen Antrag stellen

Ab Freitag, 1. April, soll für alle Haushalte der Antrag auf den Tausch der Altglasbox gegen eine blaue Tonne möglich sein. Foto: Holm Wolschendorf
Ab Freitag, 1. April, soll für alle Haushalte der Antrag auf den Tausch der Altglasbox gegen eine blaue Tonne möglich sein. Foto: Holm Wolschendorf
Es ist – so lautet zumindest das Versprechen – kein Aprilscherz: Ab Freitag, 1. April, soll für alle Haushalte der Antrag auf den Tausch der Altglasbox gegen eine blaue Tonne möglich sein. Unkompliziert und online, so heißt ein zweites Versprechen. Leider ebenfalls kein Aprilscherz: Auch alle, die den Behältertausch schon längst beantragt haben, müssen dies jetzt nochmals tun.

Kreis Ludwigsburg. Am Donnerstag war das neue Antragsformular noch nicht freigeschaltet, doch am Freitag soll es online gehen. Bis 15. Juni können dann alle, die ihre 36-Liter-Glasbox gegen eine größere und rollbare 120-Liter-Tonne tauschen wollen, dies auf der Internetseite verpackungsabfall-lb.de beantragen. Unkompliziert soll man dafür verschiedene Gründe angeben können: Zu den schon bisher akzeptierten Kategorien „größerer Bedarf“ und „besondere Sachzwänge“ (etwa eine körperliche Einschränkung) kommen die Gründung einer Behältergemeinschaft (mit Nachbarn) sowie – als vierte Rubrik – „weitere“, öffentlich bisher nicht näher definierte Gründe hinzu, die den Tausch ebenfalls rechtfertigen. Wozu diese Aufschlüsselung dienen soll, ist – abseits etwaiger statistischer Zwecke – nicht ersichtlich. Am besten dürfte es für Tauschwillige sein, schlicht und einfach den Haken in einer Rubrik zu setzen.

Gleich zum Auftakt der erhofft unkomplizierten Tauschaktion gibt es allerdings eine – erste? – schlechte Nachricht: Alle, die bereits einen Antrag auf Behältertausch gestellt haben, müssen dies jetzt nochmals tun, auch wenn ihre Gründe schon bisher hätten akzeptiert werden müssen: Hinsichtlich der Anträge gebe es „einen hundertprozentigen Reset“, sie würden „alle zurück auf null gesetzt“, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. „Alte Anträge“ würden von den beiden zuständigen Entsorgern Kurz und Prezero „nicht mehr bearbeitet“.

Hohe Zahl an Zugriffen auf Portal in den ersten Tagen zu erwarten

Schon am Freitag wird sich wohl herausstellen, wie stabil das Portal verpackungsabfall-lb.de besonders in den ersten Tagen der Antragsfrist läuft – die Zahl der Zugriffsversuche dürfte gerade zu Beginn angesichts der erwartbaren Nachfrage erheblich sein. Auch die Frage nach der Kunden- und Bedienerfreundlichkeit der neuen Seite dürfte bereits nach wenigen Tagen zu beantworten sein.

Dagegen wird es mindestens bis weit in den Sommer dauern, bevor man die Umsetzung des bevorstehenden Behältertauschs bewerten kann, über dessen bloßen Umfang vorerst ja noch Rätselraten herrscht. Dass der Umtausch Box gegen Tonne zügig und reibungslos läuft, dürfte freilich auch für die Glaubwürdigkeit der Abfallpolitik des Landkreises von entscheidender Bedeutung sein. Zwar sind und bleiben die Verpackungsabfälle Aufgabe und Domäne der Dualen Systeme (DS) – und mithin der Privatwirtschaft und nicht der kommunalen Ebene. Aber mit dem Vergleich, den der Kreis Ludwigsburg im Streit um die Altglasbehälter im Interesse seiner Bürger mit den DS abgeschlossen hat, ist er auch finanziell in eine Art Mithaftung gegangen: Er übernimmt, wie mehrfach berichtet, überschlägig ein Drittel der Kosten, die nach seiner Rechtsauffassung eigentlich allein von den DS und den von ihnen beauftragten Entsorgern Kurz und Prezero getragen werden müssten.

Kreis verspricht bei Antrag im April Behälter vor den Sommerferien

Alle, die noch im April ihren Tauschantrag stellen, sollen den neuen Behälter – so versprechen es Landkreis, DS und Entsorger – nun „noch vor den Sommerferien“ erhalten; alle, deren Anträge im Mai und in der ersten Junihälfte folgen, kämen dann im Spätsommer und Herbst an die Reihe. Doch das ist zwar eine gemeinsame Absichtserklärung, aber keine in dem Vergleich festgeschriebene und mit Sanktionsmöglichkeiten versehene Zielvereinbarung, wie das Landratsamt einräumt. Dem Landkreis und seinen Bürgern bleiben damit in erster Linie das Vertrauen auf den guten Willen und das Hoffen aufs beste Vermögen der Vertragspartner, mit denen man monatelang stritt.

Indes haben Kurz und Prezero schon bei der „Erstausstattung“ mit gelber Tonne und Altglasbox nicht so überzeugend geliefert, wie sie dies selbst gern darstellen. Zwei Beispiele: Heinz-Uwe Pflanz aus Korntal-Münchingen hat drei Monate warten müssen, bis er überhaupt seinen Altglasbehälter bekam. Offenbar hatte man ihn zunächst schlicht vergessen. Die vorgesehene Box erhielt er erst am 11. März – nach einer seit 15. Dezember währenden, ausufernden Korrespondenz, zahlreichen Telefonaten und einer Intervention von Landrat Dietmar Allgaier höchstselbst. Und Stefan Leibold, Hotelier in Bissingen, musste noch am Dienstag mit dem eigenen Wagen bei Prezero in Asperg vorfahren, um als „Selbstabholer“ endlich einen ersten Teil der gelben und blauen Tonnen zu erhalten, die er schon im Dezember für seinen Betrieb angefordert hatte. Bis dahin hatte man ihm statt der Tonnen nur die Nummer seines Geschäftsvorgangs zugestellt.

Lesen Sie hier, wie es inzwischen bei der Abfuhr von Rest- und Biomüll durch den neuen Entsorger Alba läuft