Logo

Naturschutz

Blühende Äcker für Rebhuhn und Co.

Nicht nur Feldhase und Rebhuhn fühlen sich in der Blühbrache wohl, sondern sie ist auch ein Eldorado für Insekten. Insgesamt sind im Landkreis Ludwigsburg dank des Einsatzes von Kommunen, Landwirten, Naturschützern und Jägern 16 Hektar Blühbrachen angelegt worden.

Die verantwortlichen Akteure inmitten der Blühbrache für Rebhühner, Feldhasen und Insekten. Foto: Andreas Becker
Die verantwortlichen Akteure inmitten der Blühbrache für Rebhühner, Feldhasen und Insekten. Foto: Andreas Becker

Steinheim. Spaziergänger kennen die Fläche zwischen dem Gewerbegebiet Kreuzwegäcker und dem Aussiedlerhof Thumm. Mitten in der Ackerlandschaft hat Landwirt Fritz Thumm einen von drei Hektar seiner wertvollen Ackerböden abgezwackt, um diese derzeit mit unter anderem Phacelia und Sonnenblumen bunt blühende Fläche für die Tierwelt zu schaffen. „Da muss man schon schwer schlucken, das sind gute Böden“, betont er. Immerhin habe er 20 Jahre gebraucht, bis die Felder alle zusammenlagen. „Aber mir geht es um die Insekten“, sagt der Landwirt, der auch so gut es geht auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel verzichtet. „Ich muss keine Fungizide spritzen, wenn das Wetter trocken ist“, betont er. Insgesamt hat er sechs geförderte Blühbrachen angelegt, immerhin zehn Prozent seiner Betriebsfläche. Allerdings bekommt er dafür auch Fördergeld vom Landeserhaltungsverband Landkreis Ludwigsburg (LEV). Die 1080 Euro pro Hektar und pro Jahr entsprechen ungefähr dem Erlös beim Anbau von Getreide.

In Steinheim resultiert das Engagement aus einem Antrag der SPD im Gemeinderat zur Reduktion von Glyphosat, der in einen Grünen Tisch mit Kommune, Landwirten, Naturschützern und Jägern mündete. Ausgehend vom Projekt „Allianz für Niederwild“ rief der LEV mit dem Kreisbauernverband Heilbronn-Ludwigsburg und der Kreisjägervereinigung Ludwigsburg das Projekt „Lebensraumaufwertung Rebhuhn, Feldhase und Co. im Kreis Ludwigsburg“ ins Leben, um für den Erhalt dieser Arten zu sensibilisieren und Landwirte für die Umsetzung der Maßnahmen zu gewinnen. Mit mehr oder weniger großem Erfolg. „Der Bauernverband hat mitgemacht, weil die Landwirtschaft wegen dieses Themas nicht gut angesehen ist. Wir wollen die Landschaft nicht kaputt machen“, erklärt der Kreisbauernverbandsvorsitzende, Eberhard Zucker. Doch manche Kollegen hätten Bedenken, die besten Ackerflächen aus der Produktion zu nehmen. Die Wirtschaftlichkeit müsse gegeben sein, was sie aber dank des LEV-Programms sei. Er selbst habe 2,5 Hektar Blühfläche ausgesät. Insgesamt haben zwölf Landwirte immerhin 25 Blühbrachen mit 16,4 Hektar Fläche angelegt, unter anderem in Steinheim, Vaihingen, Bönnigheim. „Da wäre aber schon noch Potenzial“, gibt der LEV-Geschäftsführer Dirk Hardtstein zu. Um den massiven Rückgang von Rebhuhn, Feldlerche, Hase oder Schafstelze zu stoppen, seien weitere Blühbrachen in noch größerem Umfang notwendig. Auf der alternierenden Blühbrache, die im offenen Ackerland geschaffen, zwölf Meter breit sein und fünf Jahre bestehen bleiben muss, wird im ersten Jahr eine artenreiche Blütenmischung eingesät, in den Folgejahren wird die Hälfte der Fläche wechselnd bearbeitet, um zwei Lebensräume zu schaffen: einer als Nahrungsreservat, der andere als Bruthabitat. „Die Insekten dienen als Nahrung für die Küken“, erklärt Hardtstein.

Um festzustellen, wie sich die Bestände entwickeln, führt die Wildforschungsstelle auch jährlich ein Rebhuhnmonitoring durch. Im März wurden in Steinheim und Bönnigheim Tiere gezählt. „Es wurden auch welche gesehen, sieben in Steinheim und sechs in Bönnigheim“, betont Anne Scholl von der Forschungsstelle. Es seien aber wahrscheinlich noch etwas mehr. Bei der Zählung wird der Rebhahnruf nachgeahmt, darauf antworten aber nur die Hähne. Der Feldhase vermehre sich schon, hat der Steinheimer Jäger Volker Schiele festgestellt. Das Augenmerk gelte jetzt den Rebhühnern, was aber auch bedeute, dass man Fuchs und den hier nicht heimischen Waschbär vermehrt jagen müsse.

Nicht ganz so hohe Ansprüche werden beim Förderprogramm FAKT zur Brachenbegrünung gestellt. Rund acht Hektar Ackerfläche hat Thumm hier in der normalen Fruchtfolge stillgelegt – allerdings nur für ein Jahr, danach kann Mais angebaut werden.

Das Engagement der Landwirte ist das eine, diese richten aber auch einen Appell an die Bevölkerung: „Hundebesitzer sollte ihre Tiere anleinen, damit sie nicht in die Felder stürmen“, betont Zucker.

Autor: