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Insektenschutz

Blühwiese zu pachten

Steinheimer Landwirt Steffen Klotz stellt Flächen zur Verfügung, die mit einer Blühmischung für Insekten eingesät werden

Foto: Floydine/Adobe-stock.com
Foto: Floydine/Adobe-stock.com

Steinheim. Landwirte müssen mehr für den Artenschutz tun – das fordert das Volksbegehren „Rettet die Biene“. Die Bauern aber fühlen sich in der Debatte häufig zu Unrecht als einzig Schuldige am Insektensterben an den Pranger gestellt. Dass sie durchaus bereit sind, auch etwas für den Artenschutz zu tun, zeigt der Steinheimer Landwirt Steffen Klotz.

Unter dem Motto „Steinheim blüht auf“ vergibt er Blühpatenschaften. Damit greift er eine Idee des Deutschen Bauernverbandes auf. „Wenn wir etwas gegen das Insektensterben machen wollen, dann müssen wir es gemeinsam tun“, sagt er. Auch die Landwirtschaft sei auf die Insektenvielfalt angewiesen. „Es ist nicht so, dass wir gar nichts machen wollen“, betont er. Die Landwirtschaft trage sicherlich zu den Umweltproblemen bei, aber auch der Ausbau des Mobilfunknetzes auf 4.G oder gar 5.G oder die Autofahrten zum Kindergarten oder die vielen Lichtquellen. Es brauche auch bestimmt keine Kartoffeln aus Zypern, wenn man zwei Wochen später auch neue Kartoffeln aus der Region bekomme. „Wir müssen alle zusammen etwas unternehmen.“

Außerdem weist er darauf hin, dass die Produktion von Nahrungsmitteln immer noch sinnvoll und notwendig sei. „Das ist etwas in Vergessenheit geraten. Die Akzeptanz für die Landwirtschaft ist nicht mehr da.“ Dennoch will er seinen Beitrag leisten. Sein „Schlüsselerlebnis“ dafür hatte er vergangenes Jahr: Aus Gründen der Ernteökonomie hatte er entlang eines Kartoffelfeldes einen drei Meter breiten Blühstreifen eingesät. „Es hat das ganze Jahr über geblüht und nur so gewimmelt von Hummeln und Bienen“, erzählt der 44-Jährige. „Es gibt sie also noch“, freut er sich.

Das Ganze funktioniert so: Interessierte melden sich bei Steffen Klotz und reservieren sich eine Fläche. Die Größe der Fläche kann jeder selbst bestimmen, je nachdem, wie viel er für die Insekten-, Tier- und Pflanzenwelt ausgeben will. Wer sich für die Mindestgröße von zehn Quadratmetern verpflichtet, zahlt einen Betrag von 5,50 Euro. Wird die Fläche größer, wird es teurer. „Mein Ausfall ist so abgegolten. Ich habe ja auch nichts zu verschenken.“ Dennoch wird Klotz diese Fläche verdoppeln und außerdem einen Euro pro zehn Hektar an einen Steinheimer Kindergarten spenden. „Die Verdoppelung ist mein persönlicher Beitrag zur Förderung der Insekten- und Artenvielfalt“, erklärt der Landwirt.

In der Gebühr ist das Saatgut, die Einsaat im Frühjahr und die Pflege enthalten. Dicht gepflanzt werden sollen Senf, Phacelia, Ölrettich, Buchweizen und Sonnenblumen. Durch die vielfältige Mischung wird versucht, über die komplette Vegetationsperiode den Insekten Nahrung zu bieten und ein langes Blühfenster zu erreichen, so Klotz. Im Spätherbst, wenn die Sonnenblumen verblüht sind, wird die Fläche gepflügt und wieder landwirtschaftlich genutzt. Im darauffolgenden Frühjahr können wieder andere Flächen zu Blühlandschaften werden. In der Fruchtfolge ersetzte die Blühmischung auf dem Acker den Mais. Im Folgejahr wird Weizen gepflanzt.

Auf Pflanzenschutz wird auf diesen Flächen verzichtet. Zwar arbeitet auch Klotz auf seinen Feldern mit chemischen Pflanzenschutzmitteln, „aber der liebste Pflanzenschutz ist auch mir der, den wir nicht brauchen“. Im vergangenen Jahr habe es zum Beispiel große Probleme mit Läusen in den Zuckerrüben gegeben. Während seine Kollegen spritzten, setzte Klotz auf die natürlichen Fressfeinde der Läuse: die Marienkäfer. „Solange ich da drei, vier auf einer Fläche hatte, wartete ich ab.“ So hätten seine Zuckerrüben zwar zwei Wochen länger unter der Plage gelitten, es sei aber dennoch gut gegangen. „Eine chemische Bekämpfung ist erst bei einer gewissen Menge nötig“, betont er.

Nach einem Aufruf im Steinheimer Nachrichtenblatt haben sich bereits drei oder vier echte Interessenten gemeldet, weitere können gerne auf Klotz zukommen. „Ich habe Felder in Steinheim, Murr, Erdmannhausen, Marbach und Remseck und kann durchaus mehrere Flächen ausweisen.“ Interessierte können sich ihre gepachtete Fläche auch anschauen.

Rund 20 Landwirte im Kreis Ludwigsburg haben sich für die Blühpatenschaft entschieden, andere legen die Streifen selbst an. Der Kreisbauernverbandsvorsitzende Eberhard Zucker zum Beispiel hat eine ganze Blühbrache angelegt. Für den Acker bekommt er 1250 Euro pro Hektar Förderung, wenn er alle Vorgaben erfüllt und ihn fünf Jahre lang nicht bewirtschaftet. Die Hälfte wird jedes Jahr neu eingesät, auf der anderen bleiben die Stängel von zum Beispiel Sonnenblumen stehen und dienen als Futterquelle. Auf seinem Acker habe sich schnell die Feldlerche angesiedelt. „Auf dem Acker wächst aber dann kein Getreide mehr. Das muss man sich bewusst machen und das muss auch entschädigt werden“, betont Zucker. Die Anlage solcher Flächen sei aber auch ein Imagegewinn.

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