Logo

Veranstaltung

Börse in Korntal: Hunderte Sammler auf der Suche nach neuen Schätzchen

Die Sammlerbörse in der Korntaler Stadthalle ist ein Eldorado für Freunde alter internationaler Postsachen aus dem ganzen Südwesten. Der Andrang am Samstag war wieder riesengroß.

Diese beiden Besucher sind schon fündig geworden – suchen aber noch fleißig weiter. Postkarten sind bei der Börse der Renner. Fotos: Holm Wolschendorf
Diese beiden Besucher sind schon fündig geworden – suchen aber noch fleißig weiter. Postkarten sind bei der Börse der Renner. Fotos: Holm Wolschendorf
350_0900_40535_02_04_22Wolschendorf_10.jpg

Korntal-Münchingen. In die Stadthalle strömen am Samstag Jäger und Sammler. Sie sind auf der Suche nach Schätzchen, die ihnen zu ihrem Glück noch fehlen: Briefmarken, Münzen, Orden. Im Mittelpunkt aber stehen Ansichtskarten.

Flink blättern die Finger durch die transparenten Schutzhüllen, huschen die Augen über die Bilder. Die Händler präsentieren ihre Ware wie Karteikarten. Sortiert sind sie meistens nach Postleitzahlen, Orten oder Motiven. Interessantes wird auf dem Schoß zwischengelagert, dann wird der Preis verhandelt. Die meisten Karten wechseln für einen Münzbetrag den Besitzer. Nur bei seltenen Einzelstücken oder ganzen Alben wandern Scheinchen.

Viele Besucher sind Stammkunden

Seit Jahren organisiert Andreas Wohnsiedler diese Börse in Korntal. Zwei Mal im Jahr verwandelt sich die Stadthalle dann in ein Eldorado für Sammler alter internationaler Postsachen aus dem ganzen Südwesten. Die meisten sind Stammkunden. Es sind aber auch ein paar Laien unterwegs, die bei der Auflösung von Omas Haushalt über die Postkartensammlung stolperten und auf ein Schätzchen hoffen. Ganze Schuhkartonladungen werden gebracht, gesichtet, geschätzt und verkauft. Das sind aber meistens Dachbodenfunde oder größere Restposten oder von Gaststätten. „Stuttgarter oder Berliner Motive sind Massenware“, sagt der Händler. Interessanter dagegen sind kleine Dörfer – der Hardt– und Schönbühlhof und Prevorst zum Beispiel. „Wertvolle Fundstücke sind aber extrem selten“, desillusioniert Wohnsiedler die Erben. Es sei denn die Großmutter ist sehr alt geworden und mit den Schreiben extrem sorgsam umgegangen. Denn schon leichte Knicke und abgestoßene Kanten und Ecken oder stark vergilbte Aufnahmen, machten die Karten praktisch wertlos. Mehrere hundert Euro bringen nur Karten in einwandfreiem Zustand.

Kein Feld für Zocker

Die „blaue Mauritius“ unter den Ansichtskarten müsste dazu noch mit einer seltenen Briefmarke frankiert und mit einem gut leserlichen Stempel entwertet, womöglich noch von einem Promi ge- und unterschrieben worden sein. „Sammeln ist als Steckenpferd, aber in erster Linie dazu da, sich am Haben zu freuen“, meint ein von der Leidenschaft Gepackter. Zocker seien an der Börse besser aufgehoben.

„Es gibt Sammler, die wollen zum Beispiel den Lebensweg von Vorfahren in alten Postkarten festhalten“, erklärt Wohnsiedler die Faszination von Schwarz-Weiß-Fotografien, die manchmal sogar von Hand nachkoloriert wurden. Andere sammeln Karten wie Briefmarken. Die einen Luftschiffe, die anderen Blumen oder Kirchen, Flussansichten wieder andere Wirtshauswerbung oder Scherenschnitte oder „Bier trinkende Elefanten beim Kegeln“, wie ein Händler scherzt. Was die einen potthässlich fänden, sei für andere wunderschön. Kurioses sei ebenso gefragt wie Historisches. Ebenfalls gut im Kurs seien Künstlerkarten, die nur in ganz kleinen Stückzahlen aufgelegt wurden oder gar Unikate seien.

Und so landet selbst die Postkarte von Onkel Fritz, die er von seiner Kur aus Bad Wildbad im Jahr 1908 an seine lieben Daheimgebliebenen geschrieben hatte, Absatz. Sie zeigt die Eröffnung der Strombergbahn, im Hintergrund der damals mondäne Kurort. Sie findet schnell einen großen Interessenten für vergleichsweise kleines Geld.

Autor: