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Wasserschloss

Böse und teure Überraschungen

Die Sanierung des Sachsenheimer Wahrzeichens kostet 12,5 statt acht Millionen Euro. Das sorgt für Verärgerung im Gemeinderat.

Luft nach oben: Interessanter Blick aus dem Innenhof des Sachsenheimer Wasserschlosses. Das Ende der Sanierung ist für diesen August angepeilt. Foto: Alfred Drossel
Luft nach oben: Interessanter Blick aus dem Innenhof des Sachsenheimer Wasserschlosses. Das Ende der Sanierung ist für diesen August angepeilt. Foto: Alfred Drossel

sachsenheim. Mit deutlicher Kritik hat der Sachsenheimer Gemeinderat auf eine erneute Kostensteigerung bei der Sanierung des Wasserschlosses reagiert. Aus den ursprünglich vor vier Jahren veranschlagten acht Millionen Euro sind jetzt 12,5 Millionen Euro geworden. Die Fertigstellung des Projekts ist für August angedacht, hieß es im jüngsten Gemeinderat.

Sven Seiffert vom Projektsteuerer ARP nannte als Ursachen mannigfaltige Schäden an Fachwerk und Dachkonstruktion, die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte durch unsachgemäße Teilsanierungen entstanden seien sowie PCB und Asbestfunde, die in großen Bereichen erst nach Öffnung der Konstruktionen erkannt wurden und aufgrund der Entsorgungsproblematik zu den erheblichen Mehrkosten beigetragen hätten. Die daraus resultierenden Bauzeitverzögerungen von rund 18 Monaten führten bei allen Gewerken wegen der abgelaufenen Festpreisbindung zu weiteren Preiserhöhungen.

Die aktuelle Kostenprognose sei seitens der Bauleitung und der Projektsteuerung nach bestem Wissen und Gewissen ermittelt worden und enthalte auch kurz vor Fertigstellung, die nach wie vor für August 2020 angepeilt sei, eine gewisse Unschärfe, so Seiffert. Eine verbindliche Kostenaussage lasse sich erst nach Erhalt der letzten Schlussrechnung treffen.

Der Sachsenheimer Bürgermeister Holger Albrich stellte fest, dass die Stadt aufgrund der Haushaltslage und der Covid-19-Problematik die Mehreinnahmen durch Steuern und Gewerbesteuer zur Deckung der Mehrkosten nicht wie sonst aufbringen könne. Aus seiner Sicht müssten die zusätzlichen Ausgaben durch den Wegfall investiver Projekte aus dem Tief- und Hochbau kompensiert werden.

Der erneute Nachschlag von nicht unbeträchtlichem Ausmaß löste im Gremium große Verwunderung, Unmut und auch unverblümten Ärger aus, machte Helga Niehues (SPD) deutlich. Sie gab im Namen aller Gemeinderatsfraktionen eine Erklärung ab und stellte fest, dass sich der Sachsenheimer Gemeinderat „vielleicht zu sehr auf die Aussagen des Projektsteuerers verlassen habe“.

Die Kostensteigerung für die Sanierung des Wasserschlosses habe einen Umfang angenommen, den weder die Verwaltung, noch die Projektverantwortlichen und der Gemeinderat so je erwartet hätten, sagte Niehues. „Die ursprünglich angesetzten Kosten von rund acht Millionen Euro werden am Ende um mehr als 50 Prozent überschritten, eine für unsere Stadt schwer tragbare Summe, trotz erheblicher Fördermittel“, so Niehues. Die liegen bei 4,33 Millionen Euro.

Die Stadträtin erinnerte daran, dass die Entscheidung, dieses Projekt anzugehen, von allen Seiten uneingeschränkte Zustimmung erfahren habe. Das Schloss als Denkmal und Wahrzeichen der Stadt, das sich in einem maroden und in vielen Bereichen einsturzgefährdeten Zustand befand, zu erhalten, sei alternativlos.

Niehues sieht eine enorme Verantwortung den nachkommenden Generationen gegenüber. Die wenigen baulichen Denkmale dürfe man nicht verkommen lassen. „Wir haben mit dem Wasserschloss ein Zeichen gesetzt, vielleicht auch Ansporn gegeben für private Investoren, kulturelles Erbe zu schützen und zu bewahren.“

Frühere Sanierungen am Schloss, die diesen Namen nicht verdienten, seien unfachmännisch und oft nur kaschierend erledigt worden. Dadurch sei man jetzt immer wieder mit unvorhergesehenen und bösen Überraschungen konfrontiert worden. Hinzu seien Denkmalschutzauflagen in beträchtlichem Umfang gekommen. „Dies alles haben wir stets mitgetragen, nicht zuletzt weil die Entwicklung kontinuierlich von der eingesetzten Projektgruppe mit Vertretern aus allen Fraktionen begleitet wurde. So wurde Transparenz hergestellt“, sagte Niehues.

Der Gemeinderat stehe nach wie vor zu seiner Entscheidung und unterstütze die Verwaltung. „Wir müssen gemeinsam bestrebt sein, das Projekt zu Ende zu bringen“, sagte Niehues. Von der Projektsteuerung erwartet sie, dass noch eine verantwortungsvolle und sehr kritische Prüfung der Nachträge erfolgt.

Niehues und der Sachsenheimer Gemeinderat verlangen zudem, Konsequenzen zu ziehen. „Wir müssen uns vornehmen, noch genauer zu überprüfen, wie Kostensteigerungen vermieden werden können.“ Sie befürchtet, dass bei der Sanierung der Gemeinschaftsschule Ähnliches passieren könne. Auch hier seien die Steigerungen immens. „Wie weit der Gemeinderat dies mittragen kann und wird, bleibt abzuwarten.“

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