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Neubaugebiet

Bottwarwiesen: Ein neuer Ortsteil, kein neues Zentrum

Oberstenfeld wird in den kommenden Jahren gewaltig wachsen: Auf dem Gelände der ehemaligen Firma Werzalit entsteht ein über zwölf Hektar großes Gelände mit Wohnungen, Gewerbe und Grünflächen – genannt Bottwarwiesen.

Auf dem ehemaligen Gelände der Firma Werzalit entsteht in den kommenden Jahren ein 12,2 Hektar großes Neubaugebiet, in dem auch Platz für Gewerbe sein soll.Foto: Gemeinde Oberstenfeld
Auf dem ehemaligen Gelände der Firma Werzalit entsteht in den kommenden Jahren ein 12,2 Hektar großes Neubaugebiet, in dem auch Platz für Gewerbe sein soll. Foto: Gemeinde Oberstenfeld

Oberstenfeld. Vier Stadtplanungsbüros sollen sich Gedanken machen, was dort entstehen könnte und die Oberstenfelder werden in einer groß angelegten Bürgerbeteiligung in die Pläne eingebunden. Das hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend beschlossen.

Bürgermeister Markus Kleemann, der große Worte nicht scheut, nannte die Bottwarwiesen „das größte Entwicklungspotenzial der Gemeinde in den vergangenen und den kommenden Jahrzehnten“ und eine „tolle Chance, die in der Region ihresgleichen sucht!“

Noch ist es zu früh für Zahlen, aber mit einem Bevölkerungszuwachs von 500 bis 1000 Menschen rechnet er durchaus – kein Wunder, dass das neue Viertel Auswirkungen auf die gesamte Infrastruktur der Gemeinde haben wird, zumal es an den Ortskern angrenzt, der von den Bottwarwiesen aus gut zu Fuß zu erreichen sein wird. Eine Vorgabe des Rahmenplans, den die Verwaltung möglichst noch in diesem Jahr dem Gemeinderat zur Diskussion vorlegen will, ist deshalb: In dem neuen Gebiet darf es kein zweites, konkurrierendes Zentrum geben. Denn auf ihr florierendes Zentrum sind die Oberstenfelder mit Recht stolz.

Das Gebiet Bottwarwiesen umfasst das ehemalige Werzalit-Firmengelände plus elf Flurstücke, die sich in privatem Besitz befinden. Das Werzalit-Gelände selbst hat die Levkas GmbH, eine Tochter der Volksbank Backnang, erworben.

Der Charme der Bottwarwiesen besteht auch darin, dass es sich um ein bereits genutztes Areal handelt, dass also keine neuen Flächen versiegelt werden müssen. Zudem hat Werzalit in der Gemeinde eine historische Tradition von Arbeit und Arbeitskämpfen. Auch die Partnerschaft mit der italienischen Gemeinde Verbicaro ist so entstanden: Die ersten italienischen Gastarbeiter in Oberstenfeld hatten bei Werzalit Arbeit gefunden.

„Wir haben Respekt vor dieser Aufgabe, sind aber auch voller Tatendrang“, umschreibt Kleemann die Gemengelage. Um möglichst viele Ideen zusammentragen, hat der Gemeinderat beschlossen, keinen Wettbewerb, sondern ein konkurrierendes Verfahren mit vier Stadtplanungsbüros in Gang zu setzen. Ausgewählt wurden die Büros Wick + Partner aus Stuttgart, das Büro ARP ebenfalls aus Stuttgart, das Büro Hänig Gemmeke aus Tübingen und – „weil man auch über den Tellerrand gucken muss“ (Kleemann) – das Büro Heide & von Beckerath aus Berlin, das unter anderem das Projekt „Wohnen am Strom“ in Köln geplant hat und von dem man sich eine schicke Lösung für den Bereich an der Bottwar entspricht, Motto „Die Bottwar für die Menschen erlebbar machen“. Jedes Büro erhält 54000 Euro, die Kosten trägt der Investor. Mit den Eigentümern sei man in guten Gesprächen, sagte Kleemann.

Das weitere Vorgehen sieht so aus: Möglichst noch in diesem Jahr will die Verwaltung einen Rahmenplan erstellen und im Gemeinderat diskutieren. Anfang kommenden Jahres startet dann die Bürgerbeteiligung mit einer Auftakt-Infoveranstaltung. Die Anregungen der Bürger sollen in den Rahmenplan eingearbeitet werden und in einer Online-Befragung den Bürgern zurückgespiegelt werden.

Nachdem der Rahmenplan steht, werden die Planungsbüros beauftragt. Im Preisgericht sollen die Eigentümer der Flächen, der Bürgermeister, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten und – auf Antrag der Freien Wähler – auch Vertreter das dem Gemeinderat sitzen.

Außer Gemeinderat Andreas Fender (Freie Wähler), der sein Erstaunen ausdrückte, dass „Bürger Vorschläge machen sollen für ein Gelände, das ihnen nicht gehört“ und lieber keine vier Planungsbüros beauftragt hätte, äußerten alle anderen Gemeinderäte Zustimmung.

Fenders Fraktionskollege Michael Meder sagte, er fände es „fatal“ wenn die Gemeinde bei einem so großen Projekt nicht mitspräche; dass die Bürger „vom Rechner aus“ mitbestimmen können, nannte er „eine ganz, ganz spannende Sache“.

Erich Scheer (SPD) regte an, auch die Anbindung des Baugebiets an die Teilortsumgehung mit in den Rahmenplan aufzunehmen. Rolf Lutz (SPD) begrüßte die Mehrfachbeauftragung: Es gelte das Optimum für beide –Eigentümer wie Gemeinde – herauszuholen. So sah es auch Bürgermeister Markus Kleemann: „Wir wollen am meisten für das Gemeinwohl herausholen.“ Einem Investor gehe es in erster Linie um den Profit. Es könne aber nicht sein, dass jemand vorgebe, wie hoch die Häuser sind und wie dicht bebaut das Gelände sein soll.

Die Abstimmung fiel eindeutig für die vorgeschlagene Vorgehensweise aus; allein bei der Abstimmung über die vier Planungsbüros gab es eine Gegenstimme. Andreas Fender hatte zuvor eine gesonderte Abstimmung über alle einzelnen Punkte verlangt, dem hatte das Gremium zugestimmt.

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