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Wahl
Bügermeisterwahl in Marbach - Auf ein Neues in zwei Wochen

Die drei Kandidaten mit den meisten Stimmen nach dem ersten Wahlgang (von links): Jan Trost, Tobias Möhle und Timo Jung. Rechts die Erste Beigeordnete Franziska Wunschik.Fotos: Andreas Becker
Die drei Kandidaten mit den meisten Stimmen nach dem ersten Wahlgang (von links): Jan Trost, Tobias Möhle und Timo Jung. Rechts die Erste Beigeordnete Franziska Wunschik.Fotos: Andreas Becker
Smalltalk der Kandidaten und das Handy immer im Blick.
Smalltalk der Kandidaten und das Handy immer im Blick.
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Dass es im Rennen um den Bürgermeistersessel einen zweiten Wahlgang geben wird, hatten viele erwartet. Deutlich weniger Beobachter haben aber damit gerechnet, dass Herausforderer Timo Jung als Erster über die Ziellinie geht.

Marbach. Noch bevor die Erste Beigeordnete Franziska Wunschik gestern kurz vor 20 Uhr das Wahlergebnis in der Stadthalle bekanntgibt, sickert es durch: Der 31-jährige Timo Jung liegt knapp vier Prozent vor Amtsinhaber Jan Trost. Tatsächlich schenken dem Stuttgarter 42,2 Prozent der Wähler ihre Stimme, an Jan Trost gehen 38,8 Prozent. Beide treten bei der Stichwahl am 7. Februar erneut an.

Fast gefragter als diese beiden Kandidaten ist deshalb Tobias Möhle, der den ersten Wahlgang mit 13,4 Prozent der Stimmen abschließt und nun vor der Frage steht: Aussteigen oder weitermachen? Der Betriebsrat aus Rielingshausen will am Wahlabend noch keine Entscheidung treffen, sondern im Laufe des heutigen Tages bekanntgeben, ob sein Name auch in zwei Wochen auf den Stimmzetteln stehen wird.

Zieht der 37-Jährige zurück, wird entscheidend sein, bei wem seine Wähler ihr Kreuzchen machen. Oder ob für sie der zweite Wahlgang dann gelaufen ist. Tritt Möhle nochmals an, wird es für Jan Trost und Timo Jung vor allem darauf ankommen, bisherige Nichtwähler zu mobilisieren.

Timo Jung wirkt zufrieden

Timo Jung wirkt zwar äußerst zufrieden, ist aber von Euphorie weit entfernt. Das Ergebnis gebe ihm „enormen Rückenwind“, den ersten Wahlgang auf Position eins abzuschließen, sei ein „toller Erfolg“. Den Zuspruch, den der 31-Jährige auf Anhieb erfahren hat, macht er weniger an Themen fest, „der Stil war entscheidend“, sagt Jung. Dass er offen und mit seinen Ideen auf die Menschen zugegangen sei, sei auf große Resonanz gestoßen. In den nächsten zwei Wochen gelte es, noch mehr Bürger zu erreichen. „Ich werde meine Angebote weiterführen, werde auf dem Markt präsent sein. Vielleicht ist im zweiten Wahlgang noch mehr möglich“, so Jung in einer ersten Stellungnahme.

Für Amtsinhaber Jan Trost ist „das Rennen noch völlig offen“. Nur rund 200 Stimmen trennen ihn von Timo Jung, deshalb werde er in den nächsten beiden Wochen „alles tun, um die Bürger zu überzeugen.“ Er sei zuversichtlich, das Ergebnis noch zu seinen Gunsten umbiegen zu können. Auf Nachfrage erklärt Trost, dass die Unterstützung der Gemeinderatsfraktionen von CDU und Grünen für Jung „bei dem einen oder anderen den Ausschlag gegeben hat.“ Aber: „Es gilt weiterzumachen und das Beste zu geben.“

Tobias Möhle, der erwartungsgemäß in Rielingshausen den höchsten Stimmenanteil erzielt hat, ist „positiv überrascht“ und freut sich, sein selbstgestecktes Ziel von mehr als zehn Prozent erreicht zu haben.

Auf ein geteiltes Echo stößt das Wahlergebnis bei den Vertretern der Gemeinderatsfraktionen. Barbara Eßlinger (Grüne) interpretiert die Zahlen so: „Fast 60 Prozent der Wähler haben sich gegen den Amtsinhaber ausgesprochen.“ Die insgesamt sieben Kandidaten hätten einen fairen Wahlkampf geführt und eine demokratische Wahl ermöglicht.

Heike Breitenbücher nimmt eine Wechselstimmung wahr

Heike Breitenbücher (CDU) hat eine Wechselstimmung in der Bevölkerung wahrgenommen, „wir freuen uns über dieses Ergebnis. Es war klar, dass es knapp wird.“

Ernst Morlock als Fraktionsvorsitzender der SPD räumt offen ein, dass ihm eine andere Reihenfolge an der Spitze des Bewerberfeldes lieber gewesen wäre – die Sozialdemokraten unterstützen mehrheitlich Jan Trost, ungeachtet dessen, dass Timo Jung das SPD-Parteibuch hat. Darauf angesprochen attestiert Morlock dem Herausforderer zwar „ein sympathisches Auftreten“, für Jan Trost spreche aber die größere Berufserfahrung.

Auch Michael Herzog (Freie Wähler) hätte Trost vor Jung eingereiht und sein Fraktionschef Martin Mistele wertet es als positiv, „dass die Wähler die Professionalität der beiden Spitzenkandidaten erkannt haben.“ Tobias Möhle habe gut abgeschnitten, bodenständig gewirkt, ihm fehle aber die Verwaltungserfahrung. Die übrigen vier Kandidaten konnten insgesamt nur 5,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.