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Nahverkehr

Bürokraten stehen auf der Bremse

Die Region will das S-Bahn-Angebot ausbauen und mehr als 100 Millionen Euro investieren – doch die Umsetzung hakt

Zwei S-Bahnen verkehren im Stuttgarter Tunnel: Die Linien aus dem Kreis sollen einmal über die Schwabstraße hinaus in den Stadtteil Vaihingen oder nach Böblingen fahren. Foto: Marijan Murat/dpa
Zwei S-Bahnen verkehren im Stuttgarter Tunnel: Die Linien aus dem Kreis sollen einmal über die Schwabstraße hinaus in den Stadtteil Vaihingen oder nach Böblingen fahren. Foto: Marijan Murat/dpa
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Kreis Ludwigsburg. Die unter Fahrgastschwund leidende S-Bahn in der Region Stuttgart soll in den kommenden Jahren einer Fitnesskur unterzogen werden. Mehr als 100 Millionen Euro will der Stuttgarter Regionalverband in die Erweiterung des Angebots stecken. Das Vorhaben läuft unter dem Arbeitstitel „Qualitätsoffensive für den Schienenknoten Stuttgart“, das auch dem Landkreis Ludwigsburg zugutekommen würde.

So haben die Entscheidungsträger nicht nur beschlossen, fast 60 neue Fahrzeuge anzuschaffen und in der Rushhour lange Züge zu bilden, sondern auch auf der S6, die Ditzingen und Korntal ansteuert, eine zusätzliche Linie S62 bis Feuerbach aufzubauen – sowie die Kreis-S-Bahnen über die Stuttgarter Schwabstraße bis in den Stadtteil Vaihingen und nach Böblingen zu verlängern.

Nach Angaben des regionalen Verkehrsdirektors Jürgen Wurmthaler könnte die neue S62 im Vorlaufbetrieb bereits im kommenden Jahr zwischen Zuffenhausen und Weil der Stadt an den Start gehen. In Feuerbach muss dagegen noch das Gleis 130 ertüchtigt werden, an dem früher die Strohgäubahnen hielten. Stimmen aus der Politik, wonach das Gleis überflüssig sein könnte, widersprach Wurmthaler am Mittwoch im Verkehrsausschuss. Er sieht positive Auswirkungen, wenn es auf der unterirdischen Stammstrecke mal wieder zu Störungen kommt. „Wir könnten dann mehr S-Bahnen nach Feuerbach mit Verknüpfung zu den Stadtbahnen führen.“

Vorfinanzierung steht im Raum

Der regionale Verkehrsdirektor räumte im Ausschuss allerdings auch ein, dass die Qualitätsoffensive für die S-Bahn an einigen Stellen stockt. „Wir wären gerne weiter“, sagte Wurmthaler. Komplexe Umweltthemen oder lang laufende Genehmigungsverfahren würden die Planungen jedoch behindern.

Als problematisch erweist sich derzeit offenbar, zügig Abstellgleise für die 58 neu bestellten S-Bahnen zu finden. Ausgeguckt hat die Region unter anderem Bietigheim-Bissingen, Kornwestheim und Böblingen. Doch gerade in der letztgenannten Kommune gibt es anscheinend Schwierigkeiten, was den Regionalpräsidenten Thomas Bopp (CDU), der hauptberuflich Architekt ist, in Rage bringt. „Alle sind zwar willig, etwas zu tun“, so Bopp im Ausschuss. „Aber unsere Bürokratie gehört dringend entrümpelt.“ Der CDU-Regionalrat Helmut Noe aus Leonberg würde es für „eine Lachnummer“ halten, wenn die 58 Neufahrzeuge in der Region ankommen, aber nirgendwo abgestellt werden könnten. Der Stuttgarter Grüne Michael Lateier: „Da wird mir angst und bange.“

Auf wackeligen Beinen steht wohl auch die Finanzierung der S-Bahn-Wohltaten. Die Region hofft, dass das Land 75 Prozent fördert – plus zehn Prozent der Planungskosten. Allerdings sind die Mittel mittlerweile begrenzt, eine Reihe der Vorhaben, die Grün-Schwarz umsetzen will, stehen unter Vorbehalt. Die Stuttgarter Liberale Gabriele Heise prophezeit: „Es läuft alles auf eine Vorfinanzierung hinaus.“

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