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Nahverkehr

Busse sollen schneller durch das Bottwartal rollen

Auf den Straßen im Bottwartal herrscht häufig Stillstand, auch für den öffentlichen Nahverkehr. Die Kreisverwaltung hat jetzt ein Gutachten zur Busbeschleunigung vorgestellt. Aus Sicht der Kreisräte allerdings halten sich die Erkenntnisse der Analyse in Grenzen.

Immer wieder gibt es Verspätungen im Busverkehr im Bottwartal, auch die Linie 460 ist betroffen. Archivfoto: Alfred Drossel
Immer wieder gibt es Verspätungen im Busverkehr im Bottwartal, auch die Linie 460 ist betroffen. Foto: Alfred Drossel

Bottwartal. Die Kommunen im Bottwartal suchen seit Jahren nach Möglichkeiten, den Busverkehr zu beschleunigen. Bislang freilich mit sehr mäßigem Erfolg. Um Schwung in die Angelegenheit zu bringen, hatte der Landkreis ein Gutachten bei einem Nürnberger Planungsbüro in Auftrag gegeben, das daraufhin die Gründe für Verspätungen bei den Buslinien 460 bis 462 unter die Lupe nahm.

Als die Kreisverwaltung die Ergebnisse am Montagnachmittag im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) des Kreistags präsentierte, hielt sich die Begeisterung bei den Mitgliedern des Gremiums allerdings in Grenzen. Dass die Landesstraße 1100 Hauptverursacher der Verkehrsprobleme zwischen Marbach und Beilstein ist, sei schon lange bekannt, meinte etwa der stellvertretende SPD-Sprecher Ernst-Peter Morlock, der auch im Marbacher Gemeinderat sitzt. Auch die Aussage der Planer, dass Änderungen der Ampelschaltungen den Verkehrsfluss leicht beschleunigen könnten, sei alles andere als überraschend, so der Sozialdemokrat. Gleiches gelte für die Erkenntnis, dass sich die Situation nur durch eine eigene Busspur nachhaltig verbessern lasse. „Schon vor 20 Jahren haben sich manche bei der Forderung nach einer eigenen Busspur verkämpft“, sagte Morlock. Sein Fazit: Das Gutachten enthalte nichts, was nicht schon längst bekannt sei.

Auch Kreisrätin Doris Renninger zeigte sich enttäuscht. „Wer hätte gedacht, dass der Individualverkehr das Hauptproblem ist“, merkte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen ein wenig sarkastisch an.

Landrat Rainer Haas wollte den sich in Grenzen haltenden Neuigkeitswert des Gutachtens gar nicht in Abrede stellen. Mit der Stadtbahn zwischen Remseck und Markgröningen habe es nur ein Thema gegeben, das ihn in seinen 24 Jahren als Landrat stärker auf Trab gehalten habe als die Verkehrssituation im Bottwartal. Mögliche Lösungsansätze seien aber stets torpediert worden. „Immer kam einer um die Ecke, der das Haar in der Suppe fand“, blickte Haas zurück. Deshalb habe man mit der Beauftragung des Planungsbüros den richtigen Weg eingeschlagen. „Wir haben jetzt eine klare Basis. Es ist höchste Zeit, dass es im Bottwartal vorangeht.“

Die Kreisräte wollten es denn auch nicht bei Fundamentalkritik belassen. Das Bottwartal brauche Stabilität, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit im öffentlichen Nahverkehr, betonte Rainer Gessler. „Ich hoffe, dass künftig alle an einem Strang ziehen“, spielte der Chef der Freien Wähler auf die kontroversen Gemengelagen in der Vergangenheit an. Es werde nicht leicht, die vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen, sagte Christdemokrat Hans Schmid. „Da muss man dran arbeiten und darf nicht alles abwürgen, was möglich ist.“

Das Gutachten habe zumindest einen Vorteil, räumte schließlich auch Sozialdemokrat Morlock ein. Denn eine zentrale Rolle spielten die bislang vier Varianten für eine Busspur zwischen Marbach und Murr, die Planer sprechen sich nun eindeutig für einen Ausbau der Straße am Klärwerk aus. „Fakt ist jetzt, dass nur diese Variante Akzeptanz finden kann“, meinte Morlock. „Das ist der einzige Glücksgriff dieses Gutachtens.“ Nun müsse man auch bereit sein, die 1,3 Millionen Euro für eine eigene Busspur in die Hand zu nehmen, forderte der SPD-Kreisrat. „Sonst bekommen wir keine Fahrbahnstabilität im Bottwartal.“

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