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Carina Amler engagiert sich in der Freizeit für die Fellnasen Stuttgart - Tierschutz ist für sie Lebenseinstellung

In der Freizeit engagiert sich Carina Amler für die Fellnasen Stuttgart. In dem Tierschutzverein ist sie zweiter Vorstand mit kreativer Ader und zuständig für streunende Katzen.

Carina Amler ist Katzenbeauftragte des Tierschutzvereins Fellnasen Stuttgart. Ihr Mischlingshund Chicco ist ein ehemaliger Straßenhund. Fotos: Ramona Theiss
Carina Amler ist Katzenbeauftragte des Tierschutzvereins Fellnasen Stuttgart. Ihr Mischlingshund Chicco ist ein ehemaliger Straßenhund. Foto: Ramona Theiss
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„Tierschutz ist kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung“, erklärt Carina Amler. „Mit elf Jahren habe ich angefangen, Tiere zu retten.“ Die junge Frau, die am Bodensee aufgewachsen ist und heute in Tamm lebt, ist Mitbegründerin und zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Fellnasen Stuttgart. „Zehn der insgesamt 90 Mitglieder sind sehr aktiv“, erzählt Amler von ihrem eingeschworenen Team, das im Großraum Stuttgart tätig ist, vor allem im Kreis Ludwigsburg und im Rems-Murr-Kreis. Jeder hat seine bestimmte Aufgabe, Amler selbst ist Katzenbeauftragte.

„In Deutschland gibt es mindestens zwei Millionen streunende Katzen. Für sie wird vor Ort viel zu wenig gemacht“, berichtet die 33-Jährige, die über den Sachkundenachweis nach Paragraf 11 für Katzen verfügt und für verwilderte Samtpfötchen da ist. Wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit ist das Einfangen herrenloser Tiere, die dann von einem Tierarzt auf Vereinskosten kastriert werden. „So können sich die Katzen nicht mehr unkontrolliert vermehren.“ Die Tierschützerin erklärt, dass Inzucht oft zu Behinderungen führe. Im vergangenen Jahr hat sie in einem Industriegebiet in Freiberg eine große Aktion durchgeführt, nachdem ihr einige streunende Tiere bei einem Besuch in der Autowaschanlage aufgefallen waren. Allesamt getigert und mit weißen Pfoten gehörten sie ganz offensichtlich zur selben Familie.

45 Katzen gingen bisher in die Falle

Beruflich als Projektleiterin Software bei der Firma USU tätig, lag Carina Amler nach Feierabend nächtelang auf der Lauer, um die Tiere einzufangen. Insgesamt 45 Katzen gingen in die Falle, wurden kastriert und dann ein Großteil an Katzenliebhaber vermittelt. Fünf Tiere wurden auf das verlassene Grundstück im Industriegebiet zurückgebracht, da sie viel zu wild waren, um sie als Hauskatzen zu halten.

Oft wird der Verein aber auch von Landwirten um Hilfe gebeten, wenn halbwilde, in Scheunen lebende Katzen sich allzu stark vermehren. Durch die Anbringung von Wildtierkameras sieht Amler, welche Tiere auf den Gehöften unterwegs sind. Erst kürzlich hat sie auf Bitte der Besitzer auf zwei benachbarten Höfen in Ingersheim ein Dutzend Katzen eingefangen. Die vier Katzenbabys kamen zunächst samt Katzenmama in eine Pflegestelle und wurden dann an Familien vermittelt. Ein Kater und sechs halbwüchsige Katzen sowie später auch die Katzenmama kehrten auf die Höfe zurück. Da es sich fast ausschließlich um weibliche Tiere handelte, hätte es ohne die Kastrationen in Kürze eine wahre Katzenbevölkerungsexplosion gegeben.

Die Vermittlung gerade von jungen Katzen ist für die Fellnasen kein Problem. Die Tiere werden auf Facebook gepostet und auch auf der Vereinshomepage vorgestellt. „Es gibt genügend Anfragen, auch durch Mundpropaganda“, erzählt Amler, die im Verein neben den Katzen auch für die technischen Aufgaben und lebhafte Berichte zuständig ist.

Bevor der Tierschutzverein ein Tier zur „Adoption“ freigibt, wird mit den Interessenten ein Pflegevertrag abgeschlossen. So können sich die potenziellen Besitzer und ihre vierbeinigen Schützlinge erst einmal kennenlernen. In neun von zehn Fällen wird aus der Pflegestelle ein dauerhaftes Heim für Katz und Hund.

Tierrettung wird über Spenden finanziert

Die Hunde rettet der Verein aus Kroatien, Griechenland und Italien – Länder, in denen Tierschutz einen geringen Stellenwert hat. Kleine Vereine im jeweiligen Land greifen als Partnerorganisationen Straßenhunde auf. „Hunde, die für eine Vermittlung geeignet sind, erhalten auf der Website der Fellnasen ein Profil mit Bild und Charakterbeschreibung“, erzählt Amler, die selbst neben zwei Katzen auch die beiden ehemaligen Straßenhunde Kanela und Chicco besitzt. Wenn ein geeigneter Halter gefunden wurde, holt der Verein die Tiere ganz legal mit Genehmigung vom Veterinäramt mit einem professionellen Tiertransport nach Deutschland.

Viele der italienischen, griechischen und kroatischen Hunde leben aber in ihrer Heimat schon so lange auf der Straße, dass sie nicht mehr als Heimtiere gehalten werden können. Sie werden vor Ort kastriert und wieder freigelassen.

Finanziert wird die Tierrettung vorwiegend über Spenden. Allein die Tierarztkosten belaufen sich auf rund 80000 Euro im Jahr. Hinzu kommen unter anderem Übernahmegebühren beim Tierschutz im Ausland und Transportkosten. „Das Coronajahr 2020 war spendentechnisch sehr hart“, spürte auch der Verein die wirtschaftlichen Einbußen, von denen viele Menschen in der Pandemie betroffen sind.

Auch wenn es oft schwierig ist, den Beruf, die eigenen Tiere und das Privatleben mit ihrem riesigen Engagement für den Tierschutz unter einen Hut zu bringen, möchte Carina Amler ihr Ehrenamt nicht missen. „Es bringt mir ganz viel Freude und Erfüllung, wenn natürlich auch viel Leid dabei ist“, sagt die junge Frau und freut sich über jede Tierrettung.

Info: Mehr Informationen zu dem Tierschutzverein findet man im Internet unter www.fellnasen-stuttgart.de.

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