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Porträt

CDU-Politiker Fabian Gramling: „Politik ist wie Achterbahnfahren“

Fabian Gramling will in den Bundestag. Dafür hat der 34-jährige CDU-Politiker seine Bewerbung genau vorbereitet. Als Nachfolger von Eberhard Gienger will er den Wahlkreis direkt holen. Auch wenn die CDU in den Umfragen schwächelt, sieht er für sich gute Chancen. „Aber Politik ist wie Achterbahnfahren“, so Gramling. „Rasant.“

Fährt gerne Achterbahn: CDU-Bundestagskandidat Fabian Gramling in Tripsdrill. Foto: Ramona Theiss
Fährt gerne Achterbahn: CDU-Bundestagskandidat Fabian Gramling in Tripsdrill. Foto: Ramona Theiss

Kreis Ludwigsburg. „Wollen wir joggen gehen?“, war die erste Frage an den jungen Christdemokraten, als das Gespräch zu seinem Wahlkampfporträt anstand. Denn es ist bekannt, dass er gerne die Laufschuhe schnürt. Aber Fabian Gramling hat noch eine andere geheime Leidenschaft: das Achterbahnfahren. Dreimal rast er an diesem sonnigen Morgen in Tripsdrill „Hals-über-Kopf“ die Strecke entlang. Denn die Fotografin ist erst danach mit den Bildern zufrieden. Aber Gramling nimmt’s gelassen. „Ich bin kein Frühstücker“, lacht er, und die Parkleitung ist froh, dass die Bahn sauber bleibt.

Nur über das Direktmandat

Das Auf und Nieder in der Achterbahn gleicht gerade dem Verlauf der Umfragen bei der CDU. Wobei es bei der Union eher an einen „Free Fall Tower“ erinnert. Doch Gramling wird beim Blick auf die 22 Prozent, die im Moment für die Christdemokraten gemessen werden, nicht bang. „Das ist nur eine Momentaufnahme.“ Aber auch die könnte besser sein. Denn der gebürtige Besigheimer, der in den vergangenen fünf Jahren im Landtag saß, braucht Rücken- und keinen Gegenwind aus Berlin, wenn er in den Bundestag einziehen will. Denn das geht nur über das Direktmandat. Auf der Landesliste hat er sich nicht absichern lassen. Schließlich war sein Vorgänger, der ehemalige Reckweltmeister Eberhard Gienger, mit klarem Vorsprung durch’s Ziel gegangen, und der Wahlkreis ist eigentlich eine schwarze Hochburg.

Das wäre die Fortsetzung seines Lebenslaufs als Berufspolitiker. Dabei hat Gramling „etwas Ordentliches“ gelernt: Er ist Bankkaufmann und schloss dann ein Duales Studium der Betriebswirtschaft an. Danach folgte der Masterabschluss in Pforzheim mit dem Schwerpunkt Steuerlehre, Bilanzierung und Wirtschaftsrecht. Gramling arbeitete als Prüfungsleiter in der Wirtschaftsprüfung und Dozent für Gewerbesteuer an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart. Dann kam die Landtagswahl und er zog über das Zweitmandat im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen in das Stuttgarter Parlament ein. Dort war er bis zu seinem Ausscheiden arbeitsmarktpolitischer Sprecher seiner Fraktion. „Eigentlich wäre ich gerne noch im Landtag geblieben“, sagt er. „Aber die Tür zum Bundestag öffnet sich nur einmal im Leben.“

„Wirtschaft stärken“

In der Union verortet er sich denn auch eher auf dem Wirtschaftsflügel mit einer starken Betonung der Sicherheitspolitik. Zu Hause in Besigheim habe er Toleranz und Fleiß gelernt: „Schaffa, net schwätze“ sei die Leitlinie, wenngleich die Eltern ursprünglich aus Nordbaden stammen. „Mein Vater schaffte dann beim Daimler in Stuttgart, und die Familie zog hierher.“

Im Juni hat Gramling seine langjährige Freundin geheiratet. In Südtirol. Weil er dort so gerne wandern geht. Aber auch weil er überzeugter Europäer ist. Vielleicht ist das der Grund, dass er im Gespräch vor allem die Europapolitik in den Vordergrund schiebt. „Nach dem Ende der Ära Merkel entsteht in Europa ein Machtvakuum, das es wieder zu schließen gilt“, ist er sich sicher. „Die Zukunft unserer Wertegemeinschaft hängt davon ab, dass Europa stark bleibt“, findet der 35-Jährige. „Nachhaltigkeit, soziale Sicherheit und Wirtschaftlichkeit“– dieser Dreiklang könne nur erfolgreich gespielt werden, wenn dafür die Rahmenbedingungen in Brüssel und Straßburg gesetzt würden. „Und da müssen wir als Deutsche eine zentrale Rolle einnehmen.“

Beim Thema Nachhaltigkeit „sind wir die Avantgarde in Europa“, ist Gramling überzeugt. „Wir sind nicht die Übeltäter.“ Das sieht er auch mit Blick auf die Verkehrswende so. Fahrverbote für Verbrenner hält er ebenso für unsinnig wie die einseitige Ausrichtung auf die Elektromobilität. Abgesehen davon, dass eine Familie sich nicht alle vier Jahre ein neues Auto kaufen könne – er selbst fährt eine neun Jahre alte A-Klasse mit Dieselmotor und über 200000 Kilometern –, hält er auch den Lithium-Abbau in Südamerika für wenig ökologisch. Deshalb plädiert Gramling dafür, den Wasserstoff nicht abzuschreiben. Ihm gehe es in der Diskussion auch darum, die Arbeitsplätze in der „Autoregion Stuttgart“ zu erhalten. Dabei dürfe man auch die Stahlindustrie nicht aufgeben, um nicht weiter von China abhängig zu werden.

Bei dem derzeitigen Kopf-an-Kopf-Renne der Parteien um die Führung in einer Koalition hat er Zweifel, dass die Zusammenarbeit mit den Grünen auf Bundesebene funktioniert. „Anders als im Land spielen dann auch sicherheitspolitische Fragen eine Rolle.“ Außerdem liege man beim Spitzensteuersatz und der Unternehmensbesteuerung „himmelweit“ auseinander. Deswegen will er die letzten Wochen des Wahlkampfes noch mal Gas geben. „Diesmal wird es so spannend und eng wie nie zuvor.“

Zur Person Fabian Gramling:

Alter: 34 Jahre

Wohnort: Bietigheim-Bissingen

Beruf: Landtagsabgeordneter a.D., ehem. Prüfungsleiter in der Wirtschaftsprüfung

Ämter: Mitglied des CDU-Landesvorstandes, Vorsitzender der CDU Region Stuttgart, Kreisrat, Vorsitzender des Fördervereins der Sportkreisjugend

Interessen: Fußball, Wandern

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