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Coronamedikament: Ärzte im Kreis Ludwigsburg haben noch wenig Erfahrung mit Paxlovid

Das Covid-19-Medikament Paxlovid ist seit Ende Februar erhältlich. Es soll vorwiegend Personen mit Vorerkrankungen verabreicht werden, die mit einem schweren Krankheitsverlauf rechnen müssen. Ärzte im Kreis zeigen sich beim Verschreiben noch zurückhaltend, was vor allem mit Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu tun hat.

Das Medikament Paxlovid verhindert schwere Covid-Verläufe. Ärzte müssen bei der Verabreichung des Präparats Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beachten. Foto: Fabian Sommer/dpa
Das Medikament Paxlovid verhindert schwere Covid-Verläufe. Ärzte müssen bei der Verabreichung des Präparats Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beachten. Foto: Fabian Sommer/dpa

Kreis Ludwigsburg. Ende Januar hat die europäische Arzneimittelbehörde das Medikament Paxlovid des US-Pharmakonzerns Pfizer zugelassen; auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat jetzt grünes Licht dafür gegeben. Laut Studien mit knapp 3100 Patienten sei das Risiko einer Einlieferung ins Krankenhaus bei Probanden, die mit Paxlovid behandelt wurden, um 85 Prozent geringer gewesen als bei denen, die ein Scheinmedikament erhalten haben, teilt die WHO mit.

Laut Dr. Carola Maitra, Vorsitzende der Ärzteschaft im Kreis Ludwigsburg, verschreiben auch einzelne Praxen das Medikament, das seit dem 25. Februar ärztlich verordnet werden kann, an Patienten. Gespräche mit Kollegen würden allerdings darauf hinweisen, dass der Einsatz eher zögerlich erfolgt. Das Hauptproblem sei die komplizierte Handhabung des Präparats. Paxlovid kann laut Maitra zwar per Verordnung über die öffentlichen Apotheken bezogen werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Aufgrund zahlreicher Wechselwirkungen von Paxlovid mit einer Vielzahl gängiger Medikamente sei der Einsatz aber sehr aufwendig. „Konkret muss bei jedem Medikament geprüft werden, ob eine Wechselwirkung oder eine Unverträglichkeit mit Paxlovid vorliegt“, sagt die Medizinerin. Das könne ziemlich mühevoll sein, obwohl dafür bereits Softwareprogramme eingerichtet wurden. Da Paxlovid beim Abbau von Medikamenten in der Leber mit anderen Medikamenten konkurriere, müsse die Verträglichkeit bei Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, gesondert überprüft werden. Die Einnahme selbst ist laut Maitra unproblematisch. Das Arzneimittel werde in Tablettenform eingenommen: eine Dosis morgens, eine abends.

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Weil die Wirkung von Paxlovid darauf ausgelegt ist, insbesondere schwere Verläufe und Krankenhausaufenthalte bei besonders risikobehafteten Menschen zu reduzieren, ist nach Ansicht der Expertin kein allgemeiner Einsatz bei jeder Infektion erforderlich. Die Verschreibung des Medikaments „sollte auf die Menschen begrenzt werden, die ein hohes Risiko eines schweren Verlaufes haben“, sagt sie.

Erfahrungen auch mit anderen Mitteln

Wie Maitra berichtet, gibt es bei niedergelassenen Ärzten durchaus auch Erfahrungen mit anderen Mitteln, die in der Frühphase der Sars-CoV-2-Infektion vor schweren Verläufen schützen sollen. Demnach wurde bei positiv getesteten Patienten der monoklonale Antikörper Sotrovimab eingesetzt. Dies habe sehr gut funktioniert. So konnten teilweise auch Patienten aus den niedergelassenen Praxen in die Klinik zur Verabreichung von Sotrovimab überwiesen werden. „Leider herrscht derzeit in Deutschland die B2A-Omikron-Variante vor, bei der Sotrovimab nicht gut wirkt“, bedauert Maitra.

Im RKH-Klinikenverbund kam Paxlovid bislang noch nicht zum Einsatz, teilt Oberärztin Dr. Bettina Riecken mit. Das liege an den Alternativen wie monoklonalen Antikörpern und dem antiviralen Medikament Remdesevir. Allerdings halten die Kliniken für fünf Patienten die entsprechenden Dosen vor. Erfahrungen mit dem Medikament liegen im Klinikenverbund demnach noch nicht vor. Dennoch: Aus niedergelassenen Kollegenkreisen hat Riecken von einer guten Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit in der Frühphase der Erkrankung bei Risikopatienten gehört. „Das deckt sich auch mit den Studiendaten“, so die Medizinerin. Carola Maitra und Bettina Riecken sind sich einig, dass Paxlovid eine Impfung gegen das Coronavirus nicht hinfällig macht. „Keineswegs“, sagt Riecken, und Maitra ergänzt: „Paxlovid dient der Vermeidung schwerer Verläufe bei risikobehafteten infizierten Menschen, wohingegen die Impfung alle Menschen vor einer Infektion schützen soll.“

Verschreibung nur nach PCR-Test

Die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Paxlovid ist strengen Regeln unterworfen, die sich an einer begrenzten Verfügbarkeit und einer im Normalfall beschleunigten Versorgung orientieren“, teilt Frank Eickmann, stellvertretender Geschäftsführer des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg, auf Anfrage mit. Das Medikament sei für Personen zugelassen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Die Bundesregierung sorge für die zentrale Beschaffung des Arzneimittels. Zum Start standen zunächst etwa 40000 Therapieeinheiten zur Verfügung. Weitere Tranchen sollen laut Eickmann über das Jahr verteilt folgen.

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Wie der Vize des Landesapothekerverbands mitteilt, kommen Patienten folgendermaßen an Paxlovid: Liegt einem Patienten ein positiver Coronatest vor, kann sein behandelnder Arzt die Verordnung des Medikaments ausstellen. Er übermittelt diese direkt an eine Apotheke. Zudem klärt ihn der Arzt über die Wirkungsweise des Arzneimittels und mögliche Risiken auf. Sofern nur ein Schnelltest vorliegt, wird noch ein PCR-Test gemacht. Die Apotheke hat das Arzneimittel unverzüglich an den Patienten auszuhändigen. Dem Medikament muss eine standardisierte Patienteninformation in Papierform beigelegt werden.

Rezept nur fünf Tage gültig

Laut Frank Eickmann dürfen Apotheken und somit auch Krankenhausapotheken Paxlovid nur bei Vorliegen einer ärztlichen Verschreibung beim Großhandel bestellen und an Patienten abgeben. In dringenden Fällen kann der Arzt den Apotheker auch telefonisch über die Verschreibung vorab unterrichten, so dass die Bestellung schnell erfolgen kann. In öffentlichen Apotheken ist eine Bevorratung von maximal zwei Therapieeinheiten möglich. Krankenhausapotheken und Apotheken, die Krankenhäuser versorgen, dürfen maximal fünf Therapieeinheiten vorhalten. Die Rezepte sind übrigens nur fünf Tage gültig

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