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Corona
Dank sinkender Inzidenzen: Der Druck auf die Kliniken in Ludwigsburg und Bietigheim lässt etwas nach

Möglicher Hoffnungsträger: Das Medikament Sotrovimab soll nach Angaben der Hersteller auch gegen die neue Coronavirus-Variante Omikron wirken. Neue therapeutische Ansätze seien aber „keine Alternative zur Impfung“, sondern allenfalls eine Ergänzung b
Möglicher Hoffnungsträger: Das Medikament Sotrovimab soll nach Angaben der Hersteller auch gegen die neue Coronavirus-Variante Omikron wirken. Neue therapeutische Ansätze seien aber „keine Alternative zur Impfung“, sondern allenfalls eine Ergänzung b
Kliniken-Chef Professor Jörg Martin spricht von einer „leichten Entspannung auf hohem Niveau“: Dank der sinkenden Inzidenzen lässt auch der Druck auf die beiden RKH-Krankenhäuser in Ludwigsburg und Bietigheim nach. Allerdings gilt das bislang nur für die Normalstationen. Sorgen bereiten der Regionalen Kliniken-Holding vor allem die weiter bestehenden Unklarheiten hinsichtlich der neuen Omikron-Variante.

Kreis Ludwigsburg. „Wir haben den Scheitelpunkt der vierten Welle erreicht und hoffentlich überschritten“, sagt Dr. Stefan Weiß. Dabei hat der Chef des Corona-Krisenstabs der RKH die Entwicklung der sinkenden Sieben-Tage-Inzidenz ebenso im Blick wie die Belastung der Covid-Normalstationen in den fünf Häusern, in denen die kommunale Krankenhaus-Holding Coronapatienten in den Landkreisen Ludwigsburg und Karlsruhe behandelt. 91 lagen am Donnerstagmorgen in Covid-Normalstationen, davon 45 in Ludwigsburg und 19 in Bietigheim.

In den Intensivstationen sei diese Entwicklung noch nicht erreicht, doch auch hier steige der Druck zumindest nicht mehr weiter an, sagt Weiß: „Wir bewegen uns auf einem Plateau.“ Am Donnerstag belegten Covid-Patienten in Ludwigsburg 14 von 51 aktuell verfügbaren RKH-Intensivbetten, in Bietigheim vier von zwölf. Landesweit, ergänzt RKH-Intensivchef Professor Götz Geldner – der die Intensivkapazität in ganz Baden-Württemberg koordiniert –, gehe aber auch die Zahl der Intensivpatienten bereits zurück. Er erwarte eine sukzessive Entlastung bis Silvester.

Wegen Omikron: Noch kein Grund zur Entwarnung

Ein Grund zur Entwarnung ist die aktuelle Entwicklung für die RKH-Spitze aber keineswegs. Sie bereitet sich vielmehr auf eine fünfte Welle durch die sich vermutlich rasch ausbreitende neue Omikron-Variante vor. Auch wenn noch völlig unklar sei, wie schnell und in welcher Wucht sie die Kliniken treffen wird – wenn sie komme, werde wohl vor allem „der Druck auf die Normalstationen deutlich zunehmen“, nimmt Geldner an.

Hoffen auf neue Medikamente

Entlastung erhofft sich die RKH dabei vom – teils prophylaktischen – Einsatz neuer Medikamente. Eigene Erfahrung haben die Mediziner der Holding bereits mit der Verabreichung von Antikörpern, die zwar bei der Delta-Variante, allerdings nicht bei Omikron wirken. Dies ist laut Hersteller bei dem in Großbritannien bereits zugelassenen Mittel Sotrovimab anders, die Zulassung in der EU ist beantragt. Erst fürs nächste Jahr erwartet Geldner auch die Zulassung von Paxlovid, ein Medikament, das bei früher Gabe die Zahl schwerer Verläufe und damit auch der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle massiv verringern soll. All diese Präparate hemmen die Bildung der Enzyme, die das Virus für seine Replikation in der Wirtszelle benötigt. Wie die RKH und die niedergelassenen Ärzte im Kreis mit diesen neuen Therapieansätzen umgehen können, werde aktuell abgestimmt, sagt Geldner.

Sehen Sie hier unser Videointerview mit Götz Geldner

„Impfen bleibt der Schlüssel“

Doch nicht neue Medikamente, sondern Impfen bleibe der zentrale Schlüssel auch gegen Omikron, so Geldner weiter: „Therapie ist keine Alternative zur Impfung.“ Gerade weil die bisherigen Vakzine vor der neuen Variante schlechter schützen als vor den bisherigen, seien die Boosterimpfungen unbedingt erforderlich, um zumindest einen relativen Schutz vor Omikron aufzubauen. Die Impfbereitschaft der Bevölkerung sei entscheidend dafür, wie dramatisch die fünfte Welle ausfallen wird, warnt auch Professor Martin.

Kritik an Lauterbach

Er führt auch den derzeitigen Rückgang der Inzidenzen vor allem auf die freiwillige Kontaktbeschränkung der „vernünftigen“ Mehrheit zurück. Irritiert zeigte sich Martin von der Aussage von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), dass im ersten Quartal 2022 erneut ein Impfstoffmangel drohe: „Wer so etwas ’raushaut, ohne einen Plan B zu haben, verunsichert die Leute unnötig und erhöht den Druck“, gab sich der RKH-Chef „not amused“.

Um die Impfpflicht für das Krankenhauspersonal umzusetzen, lädt die Holding ihre Mitarbeiter einzeln zu Impfterminen ein und bietet die Impfung auch für deren Kinder und Angehörige an – nicht zuletzt wegen der Befürchtung, dass auch viele Mitarbeiter an Omikron erkranken könnten. Personal, das bei Inkrafttreten der Impfpflicht im März noch ungeimpft sei, müsse mit einem behördlichen Betretungsverbot rechnen, sagt Martin. Er erwartet, dass es auch in den Kliniken etwa drei Prozent hartnäckige Impfgegner gibt.