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Brückenschlag

Das Mittelstück schwebt präzise ein

Das 47 Meter lange, leicht gebogene und 145 Tonnen schwere Stahlmittelstück der neuen Neckarbrücke in Benningen wurde am Samstag mit einem Schwimmkran präzise eingesetzt. Der Brückenschlag ist gelungen. Die ersten Autos fahren allerdings erst im Frühjahr 2022 über das Bauwerk.

Spektakel am Samstag: Das Mittelteil der neuen Benninger Neckarbrücke wird eingesetzt. Fotos: Alfred Drossel
Spektakel am Samstag: Das Mittelteil der neuen Benninger Neckarbrücke wird eingesetzt. Foto: Alfred Drossel
Zahlreiche Zuschauer verfolgen das Spektakel.
Zahlreiche Zuschauer verfolgen das Spektakel.
Das Kranschiff sorgt für Millimeterarbeit.
Das Kranschiff sorgt für Millimeterarbeit.

Benningen. Im Mittelpunkt stand Hebo Lift 6, ein schwimmender Kranriese, der 200 Tonnen Gewicht 25.4 Meter hoch anheben kann. Das 41,5 Meter lange und 20 Meter breite Schiff mit seinem markanten Hebebock führt angetriebene Pontons mit. Zwei dieser Schwimmkrane gibt es auf dem Rhein. Am Neckar kommt ein solcher Koloss nur selten zum Einsatz. Am Samstag demonstrierte Hebo Lift 6 seine Einsatzmöglichkeiten.

Mit Leichtigkeit hat der Kran die vorgefertigten, an Land zusammengeschweißten Stahlteile des 145 Tonnen schweren Hohlkörpers an den Haken genommen und behutsam in Richtung Brückenbauwerk bugsiert. Das Stahlteil, das aussieht, als ob es zu einer Fußgängerbrücke gehört, ist der Unterbau der Straßenbrücke. Auf die Stahlkonstruktion wird jetzt eine 45 Zentimeter dicke und 12,4 Meter lange Betonplatte montiert. Darauf kommt der Straßenbelag. Die Fahrbahn liegt später 6,30 Meter über der Wasseroberfläche. Insgesamt ist die Brücke dann 195 Meter lang.

Stück für Stück schwebte der Stahlkörper über das Wasser. Mit Stahlseilen wurde er bugsiert und in Position gebracht. Immer wieder heulten die Schiffsmotoren auf. „Jetzt wird’s spannend“, sagte Andres Klein, Referatsleiter Straßenbau im Regierungspräsidium. „Jetzt geht es buchstäblich um Millimeter“.

Brückenschlag in 90 Minuten

Die Stahlbauer konnten das Mittelstück nicht vorher ausmessen können. Es musste einfach passen. Und das tat es auch. Das Mittelstück der Brücke wurde auf die Stempel der Widerlager gesetzt. In den nächsten Tagen wird es dann hydraulisch in Position gebracht und mit dem Unterbau fest verschweißt. Sascha Grubmüller, Projektleiter für den Stahlbau, ist zufrieden. Nur knapp 90 Minuten hat der Brückenschlag mit dem Schwimmkran gedauert. Die Schifffahrt auf dem Neckar war für die Aktion am Samstag gesperrt. Mitglieder des Benninger Motorbootclubs waren in Feierlaune und hatten am Ufer eine Kaffeetafel aufgebaut. Rund 200 Zuschauer hatten sich am Ufer versammelt, obwohl der Zeitpunkt des Brückenschlags eigentlich gar nicht bekannt war.

Bürgermeister Klaus Warthon sah dies angesichts der Abstandsregeln in der Coronakrise mit gemischten Gefühlen. Der Schultes ist jetzt 21 Jahre in Benningen im Amt und hat das Thema Umgehungsstraße von Anfang an begleitet. Er sei einfach froh, dass Benningen trotz vieler Straßenbauprojekte im Land, jetzt zum Zuge kommt. Emsig hat der Schultes das Spektakel auf dem Neckar mit seiner Kamera festgehalten.

Die gesamte 1,3 Kilometer lange Umgehungsstraße wird das Land rund 24 Millionen Euro kosten. Die Brücke allein und die Zufahrten samt dem Kreisverkehr machen rund 13,6 Millionen Euro aus, stellte Projektleiterin Ulrike Conle vom Regierungspräsidium Stuttgart fest. Den Brückenschlag am Samstag bezeichnete sie als einen entscheidenden Schritt. „Bis Autos über die Brücke fahren werden, wird es allerdings Frühjahr 2022 werden“, betonte Referatsleiter Andres Klein. Dann solle der Brückenneubau auch mit einem Volksfest gefeiert werden.

Die Umgehungsstraße mit der neuen Neckarbrücke dient einerseits der Entlastung der Ortsdurchfahrt und schafft andererseits auch eine neue Überfahrt für den Schwerlastverkehr. Die alte Brücke ist für Lastwagen über zwölf Tonnen nämlich gesperrt.

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