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Traditionsfest

Debatte um Schäferlauf hält an

Der Schäferlauf ist den Markgröningern lieb und teuer. Im vergangenen Jahr musste die Stadt erneut einen sechsstelligen Betrag zuschießen. Was bedeutet das für die Zukunft des Traditionsfests?

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Sprint übers Stoppelfeld: Der Schäferlauf trägt Markgröningens Namen über die Stadtgrenzen hinaus. Allerdings ist das Fest auch teuer.Archivfoto: Ramona Theiss

Markgröningen. Der Markgröninger Schäferlauf macht sich in diesem Jahr auf zu neuen Ufern. Zusammen mit den Schäferlaufstädten Bad Urach und Wildberg bittet Markgröningens Bürgermeister Rudolf Kürner um Aufnahme in das UNESCO-Kulturerbe. „Wir setzen alles daran, dieses wertvolle Kulturgut zu erhalten, nach Kräften zu fördern und für die Zukunft weiterzuentwickeln“, verspricht der Bürgermeister.

Das scheint auch bitter nötig zu sein. Jedes Jahr fährt der Schäferlauf Miese in mittlerer sechsstelliger Höhe ein. Der Markgröninger SPD-Fraktionschef Pedro Fernandes sagte in seiner Haushaltsrede am Dienstagabend im Gemeinderat: „Es ist klar, dass die Höhe des Abmangels nicht weiter vertretbar ist.“ Erschwerend kommt hinzu, dass die Stadt Markgröningen unter einem strukturellen Defizit im Haushalt ächzt und einen enormen Schuldenberg angehäuft hat. Der Kämmerer Klaus Schmelzer beziffert ihn mit 15,5 Millionen Euro. In seiner Haushaltsrede sagte der Herr über die Markgröninger Finanzen: „Apropos Schäferlauf: Unser Defizit liegt nicht am neuen kommunalen Haushaltsrecht, sondern vor allem an den steigenden Sachausgaben.“

Wie die in den Griff zu bekommen sind, ist Thema einer Arbeitsgruppe, die seit einiger Zeit aktiv ist. Das Ziel: den Schäferlauf inhaltlich zu stärken. Die Freien Wähler schlagen etwa einen Verein der Schäferlauffreunde vor mit einer Fördermitgliedschaft von 50 Euro pro Jahr. Auch Einzelspenden seien willkommen. Die CDU regt an, dass Vereine nicht mehr einen ermäßigten Infrastrukturbeitrag zahlen, sondern den vollen. Das soll im Gegenzug bei der Vereinsförderung berücksichtigt werden.

Radikale Veränderungen planen die politischen Parteinen allerdings nicht. Stimmen aus der Vergangenheit, die vorschlugen, das Traditionsfest vielleicht um einen Tag zu verkürzen, sind längst verstummt. Der CDU-Fraktionschef Erich Hutflus sagte am Dienstagabend: „Der Schäferlauf ist ein sehr emotionales Thema.“ Die Union fordert, nicht nur den Aufwand für das Fest in die Betrachtung miteinfließen zu lassen, sondern auch den Mehrwert.

Das ist in Markgröningen herrschende Meinung. „Wir verlangen, dass man zum Schäferlauf steht und nicht um jede 100 000 Euro streitet“, so der GAL-Fraktionschef Andreas Semmling. „Wenn man sich den Werbewert des Schäferlaufs anschaut, so ist dieser unbezahlbar.“ Ähnlich äußerte sich der Freie Wähler Matthias Reutter: „Der Schäferlauf, unser Markenzeichen, darf nicht nur nach dem finanziellen Abmangel bewertet werden. Andere Traditionsfeste in der Region suchen auch nicht nach jedem inneren Verrechnungscent.“ Der SPD-Chef Fernandes verspricht, dass „wir den Schäferlauf nicht kaputtsparen werden“. Er plädiert allerdings für Änderungen mit Augenmaß, um „das Fest an die veränderten Gegebenheiten der heutigen Zeit anzupassen“.

Fest steht bisher, dass der Markgröninger Marktplatz beim nächsten Schäferlauf mit Livemusik bespielt werden soll.