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Natur

Dem OGV droht die Auflösung

Seit Jahresanfang findet der Münchinger Obst- und Gartenbauverein (OGV) keinen neuen Vorsitzenden mehr – und die Zeit für eine Lösung wird knapp.

Foto: Felix Kästle/dpa
Foto: Felix Kästle/dpa

Korntal-Münchingen. Peter Gruwe will seinen OGV nicht aufgeben. Acht Jahre lang hatte er den Vorsitz des Obst- und Gartenbauvereins Münchingen inne, bevor er sein Amt an seinen Nachfolger Frank Pohl abgab, der für weitere neun Jahre den Posten übernahm. Doch nun steht der Verein kurz vor dem Aus. Öffentlich auf der Vereinshomepage und in einem sozialen Netzwerk im Internet appelliert Gruwe, 78, daher an alle Freunde und Mitglieder: „Wenn wir nicht wollen, dass der OGV Münchingen tatsächlich seine Tätigkeiten einstellen muss – wo sind die Personen, die sich um den Fortbestand und um die Geschicke des OGV in Zukunft kümmern“, fragt er. Denn seit der jüngsten Hauptversammlung im vergangenen Januar sucht man nach einer Persönlichkeit, die bereit ist, den Vorsitz zu übernehmen – bislang allerdings vergeblich.

Wenn sich daran nichts ändert, wird dies für den OGV dramatische Folgen haben. Ohne neuen Vorsitzenden bleibe als einzige Option die Vereinsauflösung übrig, sagt Gruwe. „Alle Gelder fallen dann an den Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg zurück, und uns gehört nichts mehr, auch das Bargeld in der Kasse nicht“, erklärt er die weiteren Konsequenzen.

Eine davon ist auch, dass das von der Stadt Korntal-Münchingen gepachtete Vereinsgelände an die Kommune zurückgeht. Dabei hat sich der OGV – 1933 als Obstbauverein Münchingen gegründet und nach siebenjährigem Stillstand nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 wiederbelebt – in den vergangenen bald 30 Jahren seit seiner zweiten Reaktivierung 1990 unter neuem Namen viel aufgebaut. Nach langem Sparen und Planen sowie rund einem Jahr Bauzeit wurde 2009 etwa das Vereinsheim fertiggestellt. „Daran wurde viel in Eigenleistung gebaut. Es kann nicht sein, dass das jetzt alles vor die Hunde geht.“

Zwei Jahre später nahm man sich das nächste Großprojekt vor: die Anlage eines Lehrgartens. 2015 erweiterte man das Vereinsheim dann um eine Terrasse mit Pergola. Derweil kümmerten sich die Mitglieder nicht nur um ihre Vereinsanlage, sondern in zunehmenden Maße bis heute auch um die Pflege öffentlicher Streuobstwiesen sowie um Baum- und Landschaftspflegearbeiten im Zuge von Ausgleichsprojekten.

Stetig angewachsen ist zudem die Mitgliederzahl von 24 im Jahr 1990 auf aktuell 350. Damit sei der OGV Münchingen der größte Obst- und Gartenbauverein im Landkreis Ludwigsburg, sagt Gruwe, der es nicht fassen kann, dass sich angesichts dessen dennoch kein neuer Vorsitzender findet. Zumal es ansonsten nach wie vor ein aktives Vereinsleben gebe mit regelmäßigen Treffs im Vereinsheim und alljährlichen Schnittkursen und Festen. Dabei seien die Vatertagshocketse und das Laubfest im Herbst, bei dem Apfelsaft für die Besucher frisch gepresst wird, auch bei Nichtmitgliedern beliebte Veranstaltungen. Doch sollte sich bis zur nächsten Jahreshauptversammlung am 8. Februar 2020 weiterhin niemand als neuer Vorsitzender zur Verfügung stellen, ist auch das Geschichte.

Bis zu diesem alles entscheidenden Tag leitet Gruwe die Geschicke des Vereins. Vorübergehend für ein Jahr hat der 78-Jährige nochmals den Vorsitz des OGV Münchingen übernommen und die übrigen Vorstandsmitglieder dazu überredet, ebenso lange noch auf ihren Posten zu bleiben. Denn in der Versammlung im Januar hatten auch sie ihre Ämter eigentlich niederlegen wollen.

Seither lässt Gruwe zudem nichts unversucht, um vor allem einen neuen Vorsitzenden aufzutun. „Denn das ist das Hauptproblem.“ Rund 100 Briefe an alle Vereinsmitglieder, die von ihrem Alter her infrage kommen, habe er hierzu verschickt sowie auch persönliche Gespräche mit einigen geführt. Auf eine positive Antwort wartet Gruwe indes vergeblich. Daher sei er nun mit dem Problem an die Öffentlichkeit gegangen, sagt Gruwe. Denn Fachwissen im Obst- und Gartenbau sei für den Vorstandsposten keine Voraussetzung und eine Beitrittserklärung in den Verein schnell unterschrieben, wirbt er jetzt auch extern um Unterstützung.

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