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tag der offenen gesellschaft

Denkanstöße in lockerer Runde

So ganz lang war die Tafel vor dem Rathaus nicht. Trotzdem ist Nora Oehmichen vom Verein „Asperg Anders“ zufrieden: „Qualität geht vor Quantität“, freute sie sich über interessante und intensive Gespräche.

MIt einer Tafel für alle beteiligt sich der Verein „Asperg Anders“ am Tag der offenen Gesellschaft. An dem langen Tisch wird diskutiert, das Gebäck stammt vom Vortag. Fotos: Holm Wolschendorf
MIt einer Tafel für alle beteiligt sich der Verein „Asperg Anders“ am Tag der offenen Gesellschaft. An dem langen Tisch wird diskutiert, das Gebäck stammt vom Vortag. Foto: Holm Wolschendorf
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Asperg. Es ist bereits das zweite Mal, dass sich eine Gruppe Asperger an der bundesweiten Aktion „Tag der offenen Gesellschaft“ mit einer Tafel für alle beteiligte. Neu war, dass dieses Mal der noch junge Verein „Asperg anders“ federführend war. Ziel des Projekts ist es, spontane Begegnungsorte zu schaffen. „Wir wollen uns austauschen und für etwas einstehen, statt immer nur dagegen zu sein“, erklärt Nora Oehmichen. Und man wolle das Bewusstsein dafür schärfen, welche Errungenschaften die Demokratie der Gesellschaft schenkte und dass diese zur Selbstverständlichkeit gewordenen Werte verteidigt werden müssten. Meinungsfreiheit und Toleranz zum Beispiel, ebenso Rechtsstaatlichkeit.

Einem Glücksrad gleich wird Gesprächsstoff geliefert. „Was bedeutet Mut?“ wird da gefragt, oder „Wofür bist du dankbar?“, „Welche drei Werte sollte jedes Kind kennen?“ und „Wie kann man politisch Haltung zeigen?“ Und es werden Denkanstöße geliefert mit Fragen wie: „Was wäre, wenn alle den Klimawandel ernst nehmen würde, der ÖPNV kostenlos wäre, es keine Altenheime gäbe.“

Die meisten Impulse aber setzten die gesellschaftskritischen Kabarettisten und Poetry Slammer Cäcilia Bosch und Ansgar Hufnagel. Die blieben am Nachmittag auf ihrem Weg zum abendlichen Auftritt im Glasperlenspiel zufällig und spontan hängen. Sie regten an, darüber nachzudenken, was Banken mit dem Geld der Kunden anstellen würden und ob die das tatsächlich wollten.

Ein großes lokales Thema war zudem die Kinderbetreuung. Reichen dafür die Kita-Plätze aus, oder müssten über die Zeit der vorschulischen Betreuung hinaus nicht weitere Angebote für den Nachwuchs geschaffen werden, war eine der Fragen.

Herbert Schläfer sorgte mit seinem Keyboard für unaufdringliche Hintergrundmusik. Stofftaschen wurden mit umweltfreundlichen Farbsprays besprüht. Das Gebäck, süß wie salzig, stammte vom Vortag. Das Buffet war mit Foodsharing-Produkten bestückt als Zeichen gegen die grassierende Lebensmittelverschwendung auch in der Stadt. Schließlich sei Nachhaltigkeit generell wichtig. So hatte auch das Lastenrad am Samstag Premiere: Es wurde im Internet gekauft und von Helfern des Repair-Cafés hergerichtet. Wer mochte, konnte eine Runde ums Rathaus damit drehen.

Viele der geschätzt 50 Gäste hätten sich über den Tag verteilt bewusst getroffen, schätzte Nora Oehmichen. Die anderen hätten sich einfach so dazu gesetzt, sich eine Limo oder ein Bier geholt, einen Schluck Wein getrunken. Alle hätten den Samstag am Fuß des Hohenasperg in vollen Zügen bei angeregten Gesprächen genossen.

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