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Landesstraße 1107

Der Druck steigt

Immer wieder kommt es auf der Landesstraße.1107 zwischen Bönnigheim und Löchgau zu schweren Unfällen. Der Erligheimer Dr. Jürgen Pirrung möchte das nicht länger hinnehmen. Sein Vorstoß hat die Öffentlichkeit wachgerüttelt. Das Ludwigsburger Landratsamt sieht zwar weiter keinen Grund zum Handeln, doch die Gemeinde will nun über ein Tempo-70-Limit beraten.

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Foto: Ramona Theiss

Erligheim/Löchgau/Bönnigheim. „Wer übernimmt die Verantwortung für den nächsten Unfall, wenn nichts verändert wird?“ Mit dieser Frage wandte sich Dr. Jürgen Pirrung in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats am Donnerstagabend erneut an die Verwaltung und das Ortsparlament. Sein Ziel: Es sollen endlich Maßnahmen ergriffen werden, um das Unfallrisiko auf der L.1107 zu senken.

Vier Tote und acht Schwerverletzte in acht Jahren – das sind die Ergebnisse der Polizeistatistik auf den Streckenabschnitten zwischen Löchgau, Erligheim und Bönnigheim. Im Vergleich zu anderen Landesstraßen in Bund und Land sei das Risiko, auf der L.1107 durch einen Verkehrsunfall getötet zu werden, deutlich über das Zehnfache größer, hatte Pirrung errechnet und sich mit diesen Zahlen direkt an Landrat Dr. Rainer Haas gewandt (wir berichteten mehrfach),

Jetzt liegt die Antwort vor. „Unter verkehrsrechtlichen Aspekten ergibt sich derzeit kein Anhaltspunkt für weitergehende Maßnahmen“, schreibt eine Vertreterin des Fachbereichs Straßenverkehr. Und weiter: „Die aktuelle Unfallauswertung des Polizeipräsidiums Ludwigsburg führt die Landesstraße L.1107 sowohl innerorts als auch außerorts als nicht auffällig. Der Ausbau der Außerortsstrecke entspricht den Richtlinien und lässt eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde zu.“ Ob diese gefahren werden könne, müsse jeder Fahrer selbst nach Verkehrs-, Witterungs-, Straßen- und Sichtverhältnissen entscheiden. Kurz: Im Landratsamt sieht man keinen Anlass zu handeln. Denn die Strecke gilt nach wie vor nicht als Unfallschwerpunkt. Ähnlich hatte sich die Behörde im August schon gegenüber unserer Zeitung geäußert.

Das will Pirrung nicht hinnehmen. Dezidiert hat er nochmals die aus den Statistiken des Landes- und Bundesamts ermittelten Vergleichswerte in Tabelle und Diagramm dem Gemeinderat dargestellt. Danach kommen rechnerisch auf einen Kilometer der L.1107 zwischen Bönnigheim und Löchgau 1,25 Verkehrstote. Während es auf den Landesstraßen im Kreis 0,17, in Baden-Württemberg und bundesweit 0,10 sind. „Ich habe kein persönliches Interesse daran, sondern ich fühle mich moralisch verpflichtet“, betonte Pirrung dazu in der Sitzung.

„Im Prinzip wollen wir alle das Gleiche: dass unsere Straßen so sicher wie möglich sind“, sagte Bürgermeister Rainer Schäuffele. So könne er sich vorstellen, für die Abschnitte der L.1107 um Erligheim ein Tempo-70-Limit beim Landratsamt zu beantragen. Allerdings sollte sich der Gemeinderat, bevor er sich entscheide, erst einmal umfassend informieren und dazu von Polizei und Landratsamt Vertreter in eine der nächsten Sitzungen einladen. Denn eine Geschwindigkeitsbegrenzung habe auch anderweitig Auswirkungen, etwa auf den Busverkehr. Derzeit gilt Tempo 70 nur vor den Ortseingängen.

Dabei verschwieg der Bürgermeister nicht, dass man angesichts des öffentlichen Drucks gar nicht anders könne, als über die Thematik zu beraten. „Ich will es Ihnen nicht überstülpen, aber uns bleibt gar nichts anderes übrig.“ Die Bürger seien verunsichert, wie gefährlich die Strecke wirklich sei. Das dürfe man nicht unterschätzen.

Die Gemeinderäte zeigten sich Schäuffeles Vorstoß gegenüber nicht abgeneigt. „Die Abzweigung zum Talhof würde auch für Tempo.70 sprechen“, kommentierte Steffen Walter (Freie Erligheimer Wählergemeinschaft). Schließlich ereigneten sich dort viele kleinere Unfälle. Sein Fraktionskollege Joachim Obert schlug vor, das. Überholverbot auf die gesamte Strecke auszuweiten.

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