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Ausstellung

Der Familienschatz kommt zum Keltenfürst

Die Sonderausstellung „Steinzeitdorf und Keltengold. Archäologische Entdeckungen zwischen Alb, Neckar und Enz“ in Hochdorf verbindet Funde aus Kirchheim, Sirnau und dem Strohgäu – und wartet mit manchen Kuriositäten auf.

Schmuckstücke wie diese sind Beigaben von Frauengräbern in Kirchheim, Schöckingen und Esslingen-Sirnau. Fotos: Holm Wolschendorf
Schmuckstücke wie diese sind Beigaben von Frauengräbern in Kirchheim, Schöckingen und Esslingen-Sirnau. Foto: Holm Wolschendorf
Diese Funde aus Hochdorf könnten auf erste Bierherstellungsversuche deuten.
Diese Funde aus Hochdorf könnten auf erste Bierherstellungsversuche deuten.
Jörg Bofinger vom Landesdenkmalamt, Museumsleiter Thomas Knopf und Bürgermeister Peter Schäfer (von links) bei der Eröffnung.
Jörg Bofinger vom Landesdenkmalamt, Museumsleiter Thomas Knopf und Bürgermeister Peter Schäfer (von links) bei der Eröffnung.

Eberdingen/Kirchheim Unter Teck. Dass im Boden unter dem künftigen Gewerbegebiet südwestlich von Kirchheim unter Teck Spuren einer jungsteinzeitlichen Siedlung gefunden werden würden, war bekannt – nicht aber, was dann noch zutage trat. Erst war es nur ein Bronzering, den die Archäologen 2014/15 freilegten, dann, beim vorsichtigen Weiterarbeiten, kam ein zweiter heraus. Und die Vermutung, dass man am Hegelesberg gar auf eine Grabstätte gestoßen war. Aufwendig bargen die Forscher das mit Goldschmuck und Perlen ausgestattete Grab – die Knochen waren zersetzt, man schloss aber aufgrund der Objekte darauf, dass es ungewöhnlicherweise für eine Frau war – und brachten alles ins Labor. Nun ist der Fund, den das Landesdenkmalamt als „kleine Sensation“ bezeichnet – die aber mit der umgebenden Erde einige Hundert Kilogramm wog –, wieder umgezogen, und für knapp sieben Monate im Keltenmuseum zu sehen.

„Hocherfreut“ seien sie, so Bürgermeister Peter Schäfer und Museumsleiter Prof. Dr. Thomas Knopf, Gastgeber für die Funde aus der Mitte des sechsten Jahrhunderts vor Christus zu sein – und noch viel mehr, dass die Sonderausstellung um Ähnliches aus dem Strohgäu ergänzt wurde. Etwa um die 1951 bei Schöckingen entdeckten Grabbeigaben für eine junge Frau Anfang 20. Bestattet worden war sie mit goldenen Haarnadeln mit Kugeln – besser erhalten als in Kirchheim –, Armreifen und Ringen sowie Vorläufern von Sicherheitsnadeln, um die Kleidung zusammenzuhalten.

Ein seltener Fund, denn üblicherweise gab es Prunkgräber in dieser Zeit nur für die männliche Elite, Ähnliches für Frauen wie in Kirchheim oder Schöckingen entdeckte man bislang nur noch 1936 in Esslingen-Sirnau. Auch von diesem Grab sind Beigaben ausgestellt – und damit Teil einer „kleinen Familienzusammenführung“, wie Landeskonservator Dr. Jörg Bofinger zur Eröffnung der Ausstellung am Ort des keltischen Fürstengrabs scherzte. Die Ergebnisse der drei Ausgrabungen lassen Vergleiche zu, aber auch den Blick auf manches Ungewöhnliche, etwa eine Korallenkette. Die Funde aus Sirnau und Schöckingen sind verblasst, einst aber leuchtend-rot, erläuterte Bofinger. Und auch die Kugeln selbst sind nicht, wie sie auf den ersten Blick scheinen – so groß kommen Korallen nicht natürlich vor. Stattdessen halten Metallstifte sie zusammen, sichtbar im Röntgenbild neben dem Fundstück in der Vitrine.

Moderne Ausgrabungsmethoden

Noch viel mehr Technik war für die Arbeiten in Kirchheim nötig. Inmitten des kleinen Wechselbereichs des Keltenmuseums hängt eine Drohne von der Decke, erstmals sei dort eine neue Grabungs- und Fotodokumentation angewandt worden, so Bofinger. Die gesamte Fläche wurde in 20 Metern Höhe überflogen, alle paar Sekunden die Kamera ausgelöst. Heraus kamen verzerrungsfreie 3-D-Bilder, die einen exakten Plan erlaubten. Und die teils in einen Videobeitrag über die Grabungen mündeten, der auf einer großen Leinwand gezeigt wird – für ihn sei gleich klar gewesen, dass er diese Präsentation für die Ausstellung in seinem Museum wollte, so Thomas Knopf.

Und auch, dass nicht nur Keltengold zu sehen ist, wie es in Hochdorf schon „reichlich präsentiert wurde“. Sondern ebenso Informationen zu steinzeitlichen Dörfer, die bislang etwas zu kurz gekommen seien. Etwa zu den Langhäusern mit 20, 30 Metern Länge, gebaut von aus Ungarn hergezogenen Bewohnern. Für Bofinger ist das „sehr beeindruckend“, schließlich sei diese erstmals im Land entdeckte Architektur sehr komplex mit ihren tragenden Pfosten und den hohen Dächern. Zu sehen gibt es in der Sonderausstellung zudem Gefäße aus einer Steinzeit-Siedlung, ein Beil und etwas, das man als Zutat für ein Bier sehen kann. Denn in Hochdorf hatten Forscher im Boden einen Darrofen entdeckt, eine halbhohe Wand aus Lehm, darauf getrocknete Äpfel und Getreide, Letzteres teils sogar verkohlt und angekeimt. „Das war vielleicht für eine der ältesten Bierherstellungen“, scherzte Bofinger – und weist auf den Aufkleber auf der Vitrine, der fast wie moderne Werbung vom jungsteinzeitlich-herben „Hochdorf Bräu“ kündet. Auch das ist wohl für manchen Besucher so überraschend wie für die Forscher die Funde in Kirchheim.

Info: Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Freitag von 9.30 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr, samstags, sonn- und feiertags durchgehend von 10 bis 17 Uhr. Zur Sonderausstellung gibt es ein Begleitbuch für 8,90 Euro.

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