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Der Krieg ist weit weg und so nah

Die neue Bürgertheater-Produktion „Troja Macht Krieg“ hat im Herbst Premiere

Jetzt geht’s los: Christine Macco, Bettina Gonsiorek, Gesine Mahr, Axel Brauch und Rainer Kittel (von links) mit dem Bühnenbild. Foto: Ramona Theiss
Jetzt geht’s los: Christine Macco, Bettina Gonsiorek, Gesine Mahr, Axel Brauch und Rainer Kittel (von links) mit dem Bühnenbild. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. „Troja ist ein Stoff, der tief abgelegt war und mit dem Syrienkrieg aufgebrochen ist“, sagt Rainer Kittel, der künstlerische Leiter und Co-Regisseur des Bürgertheaters über dessen neue Produktion, die vom 19..September bis zum 5. Oktober in neun Aufführungen in der Reithalle des Kunstzentrums Karlskaserne gezeigt werden wird. Mit „Troja Macht Krieg“ schließt sich ein Kreis für Kittel und seine Dramaturgin Christine Macco, die zur Eröffnung des Forums am Schlosspark 1988 als erste Produktion des Bürgertheaters mit der „Odyssee“ den neuen Ludwigsburger Kulturtempel bespielten. Was damals ein revolutionäres Konzept in der Kulturszene Ludwigsburgs war, gilt auch für die neue, zwölfte Schauspielproduktion: Amateure und Profis, Jugendliche und Erwachsene, Menschen verschiedenster Kulturen und Bevölkerungsgruppen aus der Stadt und Region wirken zusammen und bringen eine vielfältige, vielschichtige Aufführung mit starkem Gegenwartsbezug auf hohem Niveau zustande, die für alle Mitwirkenden und Zuschauer eine spannende Erfahrung und ein nachhaltiges Erlebnis ist.

Warum Homers „Ilias“ als Grundlage eines Stücks, welches auch Grundfragen unserer heutigen Existenz stellt? Für Kittel und den Regisseur Axel Brauch, der in den letzten beiden Jahren für das Bürgertheater „Urban Prayers“ und als Musiktheater „Die Jahreszeiten“ nach Haydn inszeniert hat, waren der Syrienkrieg und die Situation der Flüchtlinge, die sich seit 2015 verschärfte, Auslöser ihres Troja-Projekts. Was als Krieg in Europa weit weg erscheint und dennoch medial ständig präsent ist, erzeugt auf der Bühne eine ganz andere Wirkung: „Theater ist eine Live-Situation, wo etwas verhandelt wird, das verstörend wirkt und Nachdenken provoziert“, sagt Kittel. Und Brauch fand im archaischen Epos der „Ilias“ über die Schrecken und menschlichen Momente des Trojanischen Krieges und in der antiken Tragödie „Die Troerinnen“ des Euripides die Ansatzpunkte für das Stück, zu dem er auch die Textfassung geschrieben hat.

Zwei Schauspielerinnen und drei Schauspieler bringen als Erzähler und in Dialogen – wie im antiken griechischen Theater – den Stoff auf die Bühne: Krieger als Retter und Befreier, als Schlächter und Mörder, die Mechanismen von Kriegen, das Nachdenken über die Sinnlosigkeit und die Chancen von Frieden. Till Schneidenbachs Oberstufen-Theatergruppe des Schiller-Gymnasiums ist wie ein antiker Chor Teil des Geschehens, wird aber auch mit VR-Brillen zu Akteuren eines Cyberkriegs. Die Live Percussion von Till Ohlhausens „Stahl Fatal“ spiegelt die aggressive Dynamik des Krieges, ein türkisch-kurdisches Musiker-Duo bringt orientalische Klänge mit ins Spiel. Carina Clays Hip-Hop-„Stepping“-Crew setzt ihre Energien von Körper und Stimme in kämpferische Attacke um. Keinesfalls soll „Troja Macht Krieg“ mit realistischen Videoprojektionen bebildert werden, und es wird auch kein Theaterblut fließen. „Wie das Sterben funktioniert“, sagt Kittel, „soll nicht mit bombastischen Bildern, sondern eher schlicht und nüchtern erzählt werden.“

Seit eineinhalb Jahren beschäftigt sich das Bürgertheater-Leitungsteam, zu dem auch Bettina Gonsiorek von der Tanz- und Theaterwerkstatt, Gesine Mahr als Bühnen- und Kostümbildnerin, Ute Kabisch (musikalische Leitung) und Doris Schopf (Lichtdesign und technische Leitung) gehören, mit dem Konzept von „Troja Macht Krieg“. Seit Anfang des Jahres wird geprobt, und Regisseur Axel Brauch ist schon jetzt von der Arbeit der Schüler-Theatergruppe total beeindruckt: „Wie die das Chorsprechen umsetzen, ist toll, und eine ganz neue Erfahrung.“ Schon jetzt sind einige der Profischauspieler ab und zu bei den Gruppenproben dabei, im Juli gibt es dann die erste Bauprobe in der Reithalle, und die intensive Schlussphase beginnt Mitte August.

Info: Der Vorverkauf für die neun Bürgertheater-Vorstellungen im Herbst beginnt Ende Juli.

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