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Bürgermeisterwahl
Der Markgröninger Wahlsieger Jens Hübner über seine Wahlparty und den Fahrplan für die nächsten Wochen

Jens Hübner vor der Markgröninger Realschule, die er einst besuchte. Seine spätere Frau Monja Merschbach ging nebenan aufs Hans-Grüninger-Gymnasium. Heute haben sie drei Kinder. Foto: Ramona Theiss
Jens Hübner vor der Markgröninger Realschule, die er einst besuchte. Seine spätere Frau Monja Merschbach ging nebenan aufs Hans-Grüninger-Gymnasium. Heute haben sie drei Kinder. Foto: Ramona Theiss
Der Oberriexinger Kämmerer Jens Hübner hat die Bürgermeisterwahl in Markgröningen am Sonntag überlegen gewonnen - und muss jetzt erst einmal zweigleisig fahren.

Markgröningen. Am Morgen danach ist der Wahlsieger Jens Hübner mit seinem Team schon wieder in Markgröningen, Unterriexingen, Talhausen und dem Hardt- und Schönbühlhof unterwegs, um zwei Stunden lang Wahlplakate einzusammeln. Einige sind in der Nacht Opfer des Sturms Antonia geworden, andere sind von Schmierfinken verunstaltet worden. Hübner sagt: „Wir wollten die Sache schnell erledigen und einen Haken dranmachen.“

Schnell erledigt und einen Haken dran hat Hübner, 36, am Sonntagabend auch an die Markgröninger Bürgermeisterwahl gemacht, die der Oberriexinger Stadtkämmerer mit 79,42 Prozent der Stimmen überlegen für sich entschied. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt er am Montagmorgen.

Wie Jens Hübner den Wahlsieg gefeiert hat.

Pandemiebedingt im kleinen Rahmen in einer Kneipe in der Markgröninger Altstadt. Zu trinken gab es Sekt und Bier, so ist zu hören. Mit dabei sind Weggefährten wie der Asperger Bürgermeister Christian Eiberger, mit dem Hübner schon im Möglinger Rathaus gearbeitet hat, der Oberriexinger Rathauschef Frank Wittendorfer („Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis“) oder der Schwieberdinger Schultes Nico Lauxmann. In der Nachbarkommune wohnt Hübner mit seiner Frau und den drei Kindern. Für die SPD sitzt er im Gemeinderat. Gegen 1.30 Uhr kommt Hübner am Montagmorgen nach Hause.

Wie sein Fahrplan bis zur Amtseinsetzung am 13. Mai aussieht.

„Ich werde jetzt erst einmal zweigleisig fahren“, sagt der Oberriexinger Kämmerer. „Die Stadt ist mir ans Herz gewachsen.“ Themen wie die Sanierung des Sporthallendachs oder diverse Tiefbauarbeiten müssen noch erledigt werden. Hübner befürchtet, dass seine Stelle in Oberriexingen länger vakant bleiben könnte. Sein Chef Wittendorfer rät ihm trotzdem, den Markgröninger Triumph zu genießen. Er kündigt an, dass Hübner im Kreis der Bürgermeister herzlich aufgenommen werde.

Über Markgröningen sagt der neue Bürgermeister: „Ich werde die Themen jetzt noch intensiver verfolgen.“

Was auf Hübners Prioritätenliste ganz oben steht.

Der Schäferlauf, der im Sommer nach zweijähriger Coronapause wieder stattfinden soll – Hübner sagt: stattfinden muss. „August klingt zwar noch weit weg“, so der gewählte Bürgermeister. „Aber bei dem Thema müssen wir sofort einsteigen.“ Auch bei der Bildung und Betreuung ist gerade viel in Markgröningen im Fluss. An der Ludwig-Heyd-Grundschule ist geplant, Container für eine Interimskita aufzustellen. Hübner hofft, dass das vielleicht noch zu verhindern ist. „Ich werde mir das Raumkonzept genau anschauen“, sagt er – in der Hoffnung, in der früheren Werkrealschule noch freie Flächen zu finden.

Außerdem will er seine neuen Kollegen und die Strukturen im Markgröninger Rathaus schnell kennenlernen.

Was unbedingt ins Markgröninger Rathaus mit muss.

Das Familienfoto wandert sicher von Oberriexingen nach Markgröningen, außerdem seine Kaffeetasse, die ein Geschenk seiner Frau ist. Darüber hinaus will sich Hübner zwei große Monitore auf seinem Schreibtisch gönnen.

Ob er jetzt aus der SPD austritt.

Nein. „Ich bleibe Parteimitglied“, sagt Hübner. Gleichzeitig verspricht er, sein Amt in Markgröningen zu 100 Prozent neutral auszuüben. „Das steht für mich nicht im Widerspruch.“ Seinen Sitz im Schwieberdinger Gemeinderat will er allerdings aufgeben. Dafür bleibt er in der Gemeinde wohnen, in der er ein Haus, Baujahr 1959, weitgehend in Eigenregie renoviert hat. „Hier kann ich Energie für die Aufgaben in Markgröningen tanken“, sagt Hübner.

Ob es ihn in den Kreistag zieht.

Ja. „Ich halte es für naheliegend, das nächste Mal zu kandidieren“, sagt er, weil im Kreistag viele Entscheidungen fallen würden, die direkte Auswirkungen auf die 39 Städte und Gemeinden haben. In Schwieberdingen blieben seine Kandidaturen für den Kreistag allerdings zweimal erfolglos. Seinen Vorgänger Rudolf Kürner hatte es in den vergangenen 32 Jahren nie in das Gremium gezogen, das von Bürgermeistern dominiert wird.

Ob Vorgänger Rudolf Kürner schnell Ehrenbürger in Markgröningen werden sollte.

„Ich hielte das für geboten“, sagt Hübner. Allerdings müsse er sich in dieser Frage mit den maßgeblichen Akteuren in Markgröningen abstimmen.

Welches Erlebnis Hübner aus dem Markgröninger Wahlkampf besonders in Erinnerung bleibt.

Vor allem der Abschluss am vergangenen Samstag auf dem Marktplatz in Markgröningen und vor dem Dorfmarkt Schütz in Unterriexingen. Etwa fünf Stunden lang verteilte Hübner hier Narzissen. „Ich musste keine fünf inhaltlichen Fragen mehr beantworten.“ Stattdessen waren die Menschen augenscheinlich gekommen, um ihm auf die Schulter zu klopfen und Mut für den Wahlsonntag zuzusprechen. Hübner: „Diese Begegnungen haben mir sehr geholfen, mit einem guten Gefühl in den Wahltag zu gehen.“