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„Der Rückzug von Landrat Haas bedeutet eine Zäsur“

Reaktionen zur Ankündigung des Kreischefs, nicht für eine weitere Amtszeit zu kandidieren – Hohe Anforderungen an den Nachfolger – Spec, Maisch und Kessing winken ab

Kreis Ludwigsburg. Auch drei Tage nach der Ankündigung von Landrat Dr. Rainer Haas, nicht mehr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren, geben sich die Kreisräte immer noch überrascht. „Das muss sich erstmal setzten“, so der Fraktionschef der Freien Wähler, Rainer Gessler. Er hatte mit einem Verzicht „überhaupt nicht gerechnet“. „Die Ära Haas war sehr erfolgreich“, fällt sein Fazit aus. „Er war sehr engagiert und ansprechbar für Alle: Bürger, Bürgermeister und Kreisräte.“ Der Kreis Ludwigsburg und Haas hätten gut zusammengepasst.

Ein wenig kritischer sieht es Manfred Hollenbach. Der CDU-Fraktionschef und ehemalige Murrer Bürgermeister war vor 23 Jahren Rainer Haas bei der Landratswahl knapp unterlegen. „Es ist nach wie vor ein Fehler im Wahlsystem, dass Kandidaten, obwohl sie Kreisräte sind, nicht mitstimmen dürfen“, so Hollenbach, dem am 17. November 1995 eine Stimme fehlte. „Ich habe eigentlich erwartet, dass er weitermacht“, so Hollenbach. „Sein Abschied wird eine Lücke reißen“, ist sich der CDU-Mann sicher. Die Ära Haas sei eine gute Zeit gewesen, sehr stabil und sicher, ohne extreme Herausforderungen. Haas sei ein guter Repräsentant des Kreises gewesen. Das sieht auch der Besigheimer Bürgermeister und Kreisrat Steffen Bühler so. „Unser Landrat ist ein blitzgescheiter Schöngeist, dem Kunst, Kultur und Genuss nicht fremd sind“, so Bühler. „Manches Mal wäre etwas mehr Interesse an den Niederungen der Kommunalpolitik nicht schädlich gewesen.“

Von einer Zäsur spricht FDP-Fraktionschef Volker Godel. „Er vertritt den Landkreis in vorbildlicher Weise nach außen und hat intern leistungsfähige Strukturen aufgebaut und für die Belange des Kreistages immer ein offenes Ohr gehabt“, so der Ingersheimer Bürgermeister. „Seine kritischen Hinweise darauf, dass Wachstum bei der Ausweisung von Bauflächen endlich ist, haben den Kommunen nicht immer gefallen.“

Brigitte Muras von den Grünen hofft, dass der Kompromiss bei der Stadtbahn auch nach dem Abschied von Haas hält. Er habe sich oft gegen „die Bürgermeisterlobby“ durchsetzen können. Sie findet, im Gegensatz zur CDU, dass Haas die Aufarbeitung des AVL-Skandals gut gelungen sei.

„Haas ist kein Kuscher“, bilanziert Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Kemmerle. Auch wenn seine Fraktion „erhebliche politische Differenzen“ mit dem Landrat gehabt habe, habe Haas seinen Job insgesamt sehr gut gemacht.

Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec wurde von der Ankündigung überrascht. „Wir haben in den vergangenen Monaten hart miteinander gerungen, aber sind jetzt bei der Stadtbahn zu einer gemeinsamen Lösung gelangt“, so Spec. Diese hätte er gerne mit Haas auch umgesetzt. Spec zollt der Lebensleistung des Landrates „Respekt“. Der Landkreis habe sich ausgezeichnet entwickelt, die Berufsschulen wären auf einem sehr hohen Niveau, die Kliniken zukunftsfest gemacht. Haas sei überzeugter Europäer. Der Nachfolger müsse in der Lage sein, die Verwaltung „dynamisch und flexibel“ zu managen. Er selbst stehe für den Job nicht zur Verfügung. „Ich möchte gerne OB von Ludwigsburg bleiben und dafür trete ich in diesem Jahr an“, so Spec.

Auch der Oberbürgermeister von Vaihingen winkt ab. „Ich möchte OB bleiben“, sagt Gerd Maisch. „Über mehr habe ich mir keine Gedanken gemacht.“ Die Ära Haas sei auf jeden Fall erfolgreich gewesen. Der Landkreis habe sich in diesen Jahren sehr gut weiterentwickelt.

Jürgen Kessing ist als OB von Bietigheim-Bissingen ebenfalls glücklich. Er hält die Ära Haas für eine gute Zeit. „Auch wenn es beim Verkehr etwas schneller gehen könnte.“ Der Nachfolger müsse vor allem „große kommunale Erfahrung“ mitbringen.

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