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Regionalverkehr

Der Stotterstart der privaten Bahnbetreiber

Abellio und Go-Ahead übernehmen ab Sonntag im Stuttgarter Netz den Bahnbetrieb der DB Regio. Beide Unternehmen haben zum Start mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

Präsentation mit Showeffekt: So sehen die Züge aus, die Abellio ab Sonntag im Stuttgarter Regionalverkehr fahren lassen will. Das Problem: Der Hersteller Bombardier hat zum Start nur zwei von 16 bestellten Exemplaren geliefert. Foto: Nestor Bachmann/
Präsentation mit Showeffekt: So sehen die Züge aus, die Abellio ab Sonntag im Stuttgarter Regionalverkehr fahren lassen will. Das Problem: Der Hersteller Bombardier hat zum Start nur zwei von 16 bestellten Exemplaren geliefert. Foto: Nestor Bachmann/dpa

Kreis Ludwigsburg. In dieser Woche hat der Zughersteller Alstom der Bodenseegürtelbahn die letzten beiden von fünf bestellten Triebwagen geliefert. Ab Herbst sollen die Züge zwischen Lindau und Radolfzell zum Einsatz kommen. „Diese Leistung ist ein positives Beispiel dafür, dass die Bahnindustrie auch pünktlich liefern kann“, sagt Uwe Lahl, Spitzenbeamter im Haus des Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne). „Leider gewinnt man den Eindruck, dass dies eher die Ausnahme ist.“

Das kann man wohl so sagen. Im Stuttgarter Regionalzugnetz wollte Hermann am morgigen Sonntag ein neues Zeitalter einläuten – mit kürzeren Reisezeiten, moderneren Zügen, dichteren Takten und zusätzlichen umsteigefreien Verbindungen. Als Garanten sollten die privaten Betreiber Go-Ahead aus Großbritannien und Abellio aus den Niederlanden stehen. Sie hatten sich in einem Bieterverfahren gegen die DB Regio durchgesetzt. Verbesserungen kündigten Abellio und Go-Ahead auch für Reisende in Ludwigsburg, Bietigheim, Vaihingen oder Besigheim an.

Doch der Start der beiden Unternehmen steht unter keinem guten Stern. Im Mai räumte der Zugbauer Bombardier ein, auf den Abellio setzt, dass er nur zwei fertige Züge pünktlich liefern kann – bestellt waren 16. Pleiten, Pech und Pannen sind bei Bombardier offenbar an der Tagesordnung. Bereits im Februar und April hatte das Unternehmen Lieferverzögerungen angekündigt. Immerhin: Im August sollen Abellio die fehlenden Fahrzeuge nun zur Verfügung stehen. Der Minister Hermann ist trotzdem bedient. „Bombardier hat seinen Ruf in den vergangenen Wochen weiter beschädigt und muss künftig sehr viel mehr tun“, sagte er gestern in Stuttgart. Von einem Ausrutscher kann keine Rede sein. Unrühmlich agierte Bombardier vor einigen Jahren auch bei der S-Bahn in der Region. Damals gelang es der Firma nicht rechtzeitig, funktionierende Schiebetritte in den Zügen einzubauen, die den Spalt zwischen den S-Bahnen und den Bahnsteigen überbrücken sollten.

Als Retter in der Not tritt jetzt ausgerechnet die im Bieterverfahren unterlegene DB Regio auf. Abellio übernimmt zur Einführung ältere, S-Bahn-ähnliche Züge der Bahntochter. Auf der Frankenbahn zwischen Stuttgart und Heilbronn fährt die DB Regio erst mal weiter, als sei nichts geschehen. Dazu sind die Unternehmen Agilis und AVG mit Stadtbahnen im Boot. Der Minister gibt sich erleichtert: „Der Fahrplan kann zum Start fast vollumfänglich angeboten werden.“

Wieder am Zug ist die DB Regio übrigens nicht nur auf den Abelliostrecken nach Pforzheim, Bruchsal oder Heidelberg. Auch Go-Ahead muss auf ihre Dienste zurückgreifen – weil der private Betreiber für den Start nicht genügend Lokführer gefunden und ausgebildet hat. 60 sollen es derzeit sein, 80 wären nötig gewesen. Im Frühjahr unterzeichneten die Spitzen von Go-Ahead und DB Regio deshalb eine Vereinbarung im Verkehrsministerium. Der Inhalt: Die DB Regio überlässt ihrem Konkurrenten ab dem 9. Juni rund 30 eigene Lokführer.

Die Betroffenen finden warme Worte füreinander. Der Go- Ahead-Geschäftsleiter Hans- Peter Sienknecht spricht vom „Geist eines partnerschaftlichen Miteinanders“. David Weltzien von der DB Regio sagt: „Es ist selbstverständlich für uns, dass wir uns in der Branche zum Wohl der Fahrgäste gegenseitig unterstützen.“ Und Roman Müller, der Abellio-Chef im Südwesten, ist einfach nur froh, dass „wir nach drei Jahren Vorbereitung den Betrieb aufnehmen können“.

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