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Ausstellung

Die Autohändler haben kein Interesse mehr

Die Pferdemarktautoschau in der Sporthalle am Viadukt wird nach 50 Jahren die letzte sein

Pferdestärken unter Blech: Die Autoschau in der Sporthalle findet zum letzten Mal statt.Archivfoto: Alfred Drossel
Pferdestärken unter Blech: Die Autoschau in der Sporthalle findet zum letzten Mal statt. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Es war das große Aushängeschild der Autobranche in der Stadt. Nach 50 Jahren stirbt die Pferdemarktautoschau. Noch einmal werden sich die Händler zusammenfinden – dann ist Schluss. Auf den Pferdemarktmontag als Ausstellungstag wird diesmal schon verzichtet.

Karl-Heinz Klein, der seit Jahren diese Autoausstellung für die Bietigheimer Händler organisiert, hat für den diesjährigen Pferdemarkt gerade mal fünf Händler zusammengebracht. Alle anderen winken ab. Damit setzt sich der allgemeine Trend der Autobranche auch im lokalen fort.

Klein, der selbst diese Traditionsveranstaltung beibehalten würde, kann seine Kollegen verstehen. Der personelle Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen, sagt er. Er selbst habe den Pferdemarkt vor allem zur Kundenpflege benutzt. Der Montag wäre ohnehin immer schlecht gelaufen. Voll sei die Halle nur gewesen, wenn es geregnet habe.

In der Blütezeit der Pferdestärken unter Blech sei der Platz für die Ausstellung knapp gewesen. Das Interesse war groß. Gebrauchtwagen hätten Platz nur hinter dem Viadukt gefunden. Die Autoschau habe zeitweise große Neuigkeiten gebracht. So wurde in der Sporthalle erstmals ein Katalysator fürs Auto gezeigt.

Konkurrenz habe die Pferdemarktautoschau inzwischen durch lokale Schauen bekommen, wie am Monrepos und in der Bietigheimer Altstadt. Klein räumt ein, dass diese Ausstellungen weit mehr bringen.

Die Branche ist im Wandel, die Autokäufer durch Dieselskandal und Elektromobilität verunsichert. Die Autos hätte eine längere Laufzeit, sagt Klein. Nicht selten bis zu 20 Jahre. Die digitale Konkurrenz für den Autohandel wächst, die Kundschaft wird wählerischer. Eine neue Studie wagt eine düstere Prognose: Händler, die ihr Geschäftsmodell nicht radikal verändern, werden vom Markt verschwinden.

Deshalb steht die vermeintlich heile Welt der Autohändler vor einem gewaltigen Umbruch. Das zeigt die neue Studie „Autohaus 2025“ des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) im Auftrag der Prüforganisation Dekra.

Die Aussichten der Händler sind nach Ansicht der Autoren düster: „Die Entwicklung in der Branche ist an einem Punkt angelangt, wo es tatsächlich um die Grundsatzfrage geht: Hat der stationäre Handel überhaupt noch eine Zukunftschance?“

Der Autohandel, der in Deutschland immer noch rund 460.000 Menschen beschäftigt, leidet unter der Digitalisierung. „Wir rechnen damit, dass die Zahl der Vertragshändler in Deutschland von 6900 im Jahr 2016 auf 4500 im Jahr 2020 sinken wird“, sagt Studienautor Willi Diez, Leiter des IFA.

Kunden informieren sich vor dem Autokauf schon heute immer stärker im Internet, gehen immer seltener zum Händler. 42 Prozent aller Kunden würden bereits darüber nachdenken, ihr nächstes Auto im Internet zu kaufen, heißt es in der Studie. Den Händlern droht somit der Verlust ihrer Funktion als zentrale Anlaufstelle. In den vergangenen Jahren wurden immer noch 90 Prozent des Absatzvolumens über den vertragsgebundenen Autohandel abgewickelt. Diez sagt voraus, dass der digitale Autohandel künftig einen deutlich höheren Anteil am Geschäft haben wird.

Liegt die Aufgabe der Pferdemarktaustellung in diesem Trend? Karl-Heinz Klein befürchtet ja. Deshalb, so sagt er, müssten die örtlichen Händler ihre bisherige Marktposition halten und jede Gelegenheit nutzen, sich zu präsentieren.

Für den Pferdemarkt ist der Wegfall ab dem nächsten Jahr ein großer Verlust. Die Stadt als Veranstalter wird sich Gedanken machen müssen, wie sie diese Lücke in der Halle wieder füllt.

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