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„Unparteitag“

Die CDU sucht den direkten Draht zu ihrer Parteibasis

Jede Partei lebt von ihrer Basis. Für eine Volkspartei wie die CDU gilt das in besonderem Maße. Mit dem „Unparteitag“ will der Kreisverband den Austausch fördern. Bei der zweiten Auflage in der Hemminger Gemeinschaftshalle wurde am Samstag ausgiebig über die christdemokratische Zukunft diskutiert.

Fragen an den Landesvorsitzenden.Foto: Holm Wolschendorf
Fragen an den Landesvorsitzenden. Foto: Holm Wolschendorf

Hemmingen. Eine Partei kommt nicht ohne Formalien aus, sagt Rainer Wieland, stellvertretender Präsident des EU-Parlaments und Vorsitzender der CDU im Kreis Ludwigsburg. Traditionelle Parteitage seien deshalb mitunter eine etwas trockene Angelegenheit, „das kann ein wenig abschreckend auf neue Mitglieder wirken“.

Laut Wieland ist der Diskussionsbedarf in der Partei gestiegen. Deshalb schlug die Kreis-CDU im vergangenen Jahr einen neuen Weg ein und lud erstmals zu einem „Unparteitag“ ein. Eine Tagesordnung war nicht vorgegeben, die Themen entwickelten sich aus der Diskussion in zwangloser Runde - eine gute Gelegenheit für Kreisvorstand, Landtags- und Bundestagsabgeordnete, mit einfachen Parteimitgliedern ins Gespräch zu kommen und zu hören, wo der Schuh drückt. Nicht zuletzt mit Blick auf das neue Grundsatzprogramm, das die CDU 2020 verabschieden will.

Der erste Unparteitag war aus Sicht des Kreisvorstands ein voller Erfolg, so dass am Samstag die zweite Auflage in Hemmingen stattfand. Etwa 80 Parteimitglieder sind in die Gemeinschaftshalle gekommen. Zum Einstieg diskutieren die beiden Moderatorinnen Fridericke Jähnichen und Andrea Wechsler gemeinsam mit Michael Maurer und Leander Heisterberg von der Jungen Union über mögliche Schwerpunkte der kommenden Stunden. Es sei auch im Großraum Stuttgart eine Zukunftsaufgabe, gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land herzustellen, meint Maurer, der auch Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Marbach ist. In Dörfern und Kleinstädten stünden immer mehr Häuser leer. Heisterberg plädiert für eine intensivere Einbindung der sozialen Medien für Parteizwecke. Eine Zusammenfassung eines ganztägigen Parteitags auf Twitter mit maximal 240 Zeichen sei natürlich eine Verkürzung, räumt er ein, diene aber andererseits der Transparenz.

Nach der Einführung teilt sich das Publikum auf und diskutiert in fünf Gruppen über die Themenkomplexe „Infrastruktur“, „Bildung“, „Verkehr“, „Digitale Zukunft“ sowie „Entwicklungshilfe und Frauen“. Weshalb über die beiden letzten Punkte, die scheinbar keinen direkten Zusammenhang haben, in einem Aufwasch diskutiert wird, kann sich Moderatorin Jähnichen auch nicht so recht erklären.

Nachdem die Parteimitglieder sich etwa eine Stunde lang über das Thema ihrer Wahl ausgetauscht haben, kreuzt der Landesvorsitzende und baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl auf. Die Mischung aus Alt und Jung habe gepasst, lobt ein älterer Christdemokrat, der sich mit Parteifreunden Gedanken über eine zukunftsfähige Infrastruktur in der Region gemacht hätte. „Ohne die Jungen hätten wir wahrscheinlich gar nicht erst angefangen, zu diskutieren.“

Beim Unparteitag geht es nicht darum, sich selbst den Bauch zu pinseln. Die Basis berichtet Strobl über alltägliche Probleme vor Ort und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Die Region bleibe nur konkurrenzfähig, wenn sich auch künftig Gewerbe ansiedeln könne, sagt ein Parteimitglied. „Aber in den Kommunen liegen Flächen brach, die Entwicklung wird nicht angegangen.“ Auch im Kreis Ludwigsburg gebe es leider viele Beispiele für kommunales Kirchturmdenken, fügt der Christdemokrat hinzu. „Zum Beispiel werden sich Gerlingen und Ditzingen nicht einig über den zweiten Autobahnanschluss.“

Er stehe regelmäßig im Stau, wenn er morgens mit dem Auto zu seinem Arbeitsplatz in Stuttgart fahre, klagt ein junger Mann. Sein Vorschlag: „Die Industrie muss raus aus Stuttgart. Wenn es auf dem Land mehr Arbeitsplätze gäbe, müssten die Menschen nicht mehr zwangsläufig nach Stuttgart pendeln.“

Die Gruppe „Verkehr“ zerbricht sich die Köpfe über das Verhältnis zwischen Radlern und anderen Verkehrsteilnehmern. Radler seien nicht per se die besseren Menschen, sagt ein Christdemokrat. Die Polizei müsse auf Radwegen stärker kontrollieren – wegen der Verkehrssicherheit. Schon jetzt werde kontrolliert, versichert Strobl und gesteht eigene Nachlässigkeit ein: „Was das Tragen eines Fahrradhelms angeht - das wäre bei mir noch optimierungsfähig.“

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