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Nachschlagewerk

Die Geschichte der Familien im Ort

Mehr als 30 Jahre arbeitete Dieter Rudolf Skruzny am „Heutingsheimer Familienbuch“ und schuf ein wichtiges Nachschlagewerk. Die Erscheinung des Buchs erlebt der im Herbst gestorbene Autor nicht mehr.

Alte Ansichten: Die Heutingsheimer Kirche mit Pfarrhaus 1950, rechts das Rentamt im Jahr 1910, davor Fritz und Oscar Paret.Repros: Holm Wolschendorf
Alte Ansichten: Die Heutingsheimer Kirche mit Pfarrhaus 1950, rechts das Rentamt im Jahr 1910, davor Fritz und Oscar Paret.Repros: Holm Wolschendorf
Dieter Rudolf Skruzny.Foto: privat
Dieter Rudolf Skruzny. Foto: privat
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FREIBERG. Wenn in knapp drei Wochen das „Heutingsheimer Familienbuch. 16. – 18. Jahrhundert“ in der evangelischen Kirche St. Simon und Judas vorgestellt wird, fehlt die wichtigste Person. Der Autor Dieter Rudolf Skruzny, der mehr als drei Jahrzehnte an dem Werk gearbeitet hat, starb am 9. September kurz vor Fertigstellung seines literarischen Lebenswerks. Immer wieder hatte er die Beendigung des Buches hinausgeschoben, weil es ihm noch nicht perfekt genug erschien.

Trotz seines Todes hat sich Bürgermeister Dirk Schaible als Schirmherr für eine offizielle Buchvorstellung entschieden, um so die Leistung des Verstorbenen zu würdigen und die Dankbarkeit der Stadt deutlich zu machen.

Dieter Rudolf Skruzny, der 1936 in Heutingsheim geboren wurde, hat seiner Heimatstadt ein profundes Nachschlagewerk hinterlassen. Das besondere Interesse des Vermessungstechnikers galt der Hausgeschichtsforschung und historischen Dorfentwicklung. Wegen der früher fehlenden Nummerierung war allerdings die Lokalisierung der Gebäude allein aus historischen Beschreibungen sehr schwierig. Auch ein chronologischer Nachweis aller Besitzer setzt die Kenntnis der familiären Zusammenhänge voraus.

Hier setzte Skruzny an. Archivalien der Kirchengemeinden und das Schriftgut der freiwilligen Gerichtsbarkeit nennt er in seinem Vorwort als „sehr ergiebige Quelle zur Personen-. Wirtschafts- und Sozialgeschichte“ des Ortes. Dass 1693 infolge der Wirren des Pfälzischen Erbfolgekriegs die Heutingsheimer Kirchenbücher vollständig verloren gingen und später erfolgte Verzeichnisse Unvollständigkeiten und Widersprüche aufweisen, weckte bei Skruzny das Bedürfnis, sein eigenes Verzeichnis zu erstellen.

Unermüdlich studierte er historische Abgaben- und Güterverzeichnisse, Tauf-, Ehe- und Totenregister sowie Listen über Inventuren und Teilungen. Er wurde zum Fachmann beim Entziffern alter und für andere unleserliche Schriften. Der Autor hat in seinem Buch eine zeitliche Aufteilung vorgenommen. Im ersten Teil findet man die Familienauflistung von etwa 1545 bis 1650. Im zweiten Teil sind die Familien von 1650 bis 1800 aufgeführt. Auch den Eheschließungen ortsfremder Paare in Heutingsheim zwischen 1696 und 1794 ist ein Kapitel gewidmet. Ein mehr als 50-seitiges Familiennamen- und Ortsnamenregister erleichtert die schnelle Suche und zeigt familiäre Zusammenhänge sowie Zuzüge und Wegzüge.

In seinem Familienbuch hat sich Skruzny nicht auf die bloße Nennung von Namen, Geburts- und Sterbedaten, Eheschließungen und Kinder beschränkt. Vielmehr ergänzt er diese Auflistungen durch spannende Einblicke in die Personen- und Ortsgeschichte. Man erfährt von heimlichen Liebschaften, nicht eingehaltenen Eheversprechen, Erbansprüchen und aufrührerischem Verhalten gegen die Obrigkeit und dessen Folgen. Familiäre Streitigkeiten, berufliche Erfolge oder Misserfolge sowie Auswanderung sind weitere spannende Familiengeschichte(n).

Die Lektüre des Buchs ist geradezu ein Muss für alle alteingesessenen Heutingsheimer, aber auch für jeden anderen heimatgeschichtlich Interessierten sehr empfehlenswert. Auch ist das Werk eine wertvolle Grundlage für jeden, der sich mit der Heutingsheimer Geschichte befassen und weiter forschen will.

Hoch erfreut über das Erscheinen des Buchs ist auch Ingrid Eisenbraun. „Das erleichtert mir die Arbeit sehr, wenn Anfragen aus Amerika zu Vorfahren in Heutingsheim kommen“, erklärt die Stadtarchivarin, die im Laufe der Jahre viele Unterlagen für Skruzny herausgesucht hat. Dass alle Angaben hieb- und stichfest sind, darauf kann sie sich bei dem Heimatforscher, der sehr akribisch gearbeitet hat, voll und ganz verlassen. „Er konnte die alten Schriften perfekt lesen und kannte auch alle Ratsschreiberabkürzungen“, so Eisenbraun, die Skruzny immer wieder um Hilfe gebeten hat, wenn sie beim Transkribieren einer Archivalie unsicher war.

Info: Die Buchpräsentation findet am Mittwoch, 16. Januar, 19 Uhr, in der evangelische Kirche St. Simon und Judas in Heutingsheim, Kirchstraße 17, statt. Im Anschluss kann das Buch zum Subskriptionspreis (15 Euro) erworben werden, die Kirchengemeinde sorgt für Bewirtung. Ab 17. Januar ist das Buch, das im Freiberger Verlag Memminger erscheint, für 17 Euro an der Rathauspforte erhältlich.

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