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Die heißesten Reifen des Schwäbischen Waldes

Der SSV organisiert am 14. Juli das 50. Seifenkutschenrennen in Prevorst und feiert seinen 40. Geburtstag – Wie alles angefangen hat

Zwei Rennfahrerinnen: Brigitte Wolf und Tochter Milena. Caitlin (rechts) fährt zum zweiten Mal mit und Eugen Schall organisiert. Foto: Benjamin Stollenberg
Zwei Rennfahrerinnen: Brigitte Wolf und Tochter Milena. Caitlin (rechts) fährt zum zweiten Mal mit und Eugen Schall organisiert. Foto: Benjamin Stollenberg
So hat es 1972 angefangen: Gelenkt wird mit den Füßen.Foto: privat
So hat es 1972 angefangen: Gelenkt wird mit den Füßen. Foto: privat

Oberstenfeld. Das Highlight des Jahres für die Prevorster Kinder in den frühen Siebzigern? Da muss Brigitte Wolf nicht lange überlegen: Den „Heilbronner Bergpreis“, das Autorennen zwischen Gronau und Prevorst, versäumte kein Kind. Die Rennfahrer waren Stars, echte Lebemänner, die abends im Oberstenfelder „Ochsen“ Schnecken speisten und morgens die Prevorster Männer aus dem Bett klingelten, weil am Auto was zu reparieren war. Wenn man auch so ein Rennen fahren könnte!

Oder wenigstens einen Rennwagen bauen! Gedacht, getan. Aus Holz, Kinderwagenrädern, alten Rollern und Schubkarrenreifen wurde Fahrbares zusammengebastelt, die Väter ließen sich vom Rennfieber anstecken und Immanuel Klenk, der Sohn vom Pfarrer, trug an den Prevorster Lehrer eine Bitte heran: Ob man nicht vielleicht mal ein Rennen mit echter Zeitmessung veranstalten könnte?

Lehrer Albrecht Wahl war ein begeisterungsfähiger Pädagoge; Brigitte Wolf spricht noch heute mit Hochachtung von ihm. Auch ihr Vater hatte mit Sohn und Tochter Seifenkutschen gebaut; gemeinsam mit dem Dorfschullehrer und Hans Stiegler, einem anderen Vater, organisierte er das erste Seifenkutschenrennen. Das war im Sommer 1972, Brigitte Wolf war elf und gehörte zum exklusiven Kreis der ersten Starter. Fünf waren es in der Soloklasse, vier in der Seitenwagenklasse. Die tollkühnen Fahrerinnen und Fahrer (Brigitte Wolf: „Von Anfang an waren Mädchen dabei“) stürzten sich mutig die steile Hohlgasse hinunter, Schikanen, die die Fahrt durch Kurven bremsen, gab es keine, Strohballen sicherten die gefährlichsten Ecken. Gelenkt wurde mit den Füßen, gebremst mit einem Holz. Die Sieger bekamen einen Lorbeerkranz aus Papier.

Weil es so viel Spaß gemacht hat, gab es im September gleich noch ein Rennen und im Jahr darauf noch mal zwei. Ab 1974 fand das Seifenkutschenrennen nur noch einmal im Jahr statt und das zehnte Rennen im Jahr 1979 organisierte zum ersten Mal der neu gegründete Seifenkutschen- und Skiverein (SSV). Das erklärt das Doppeljubiläum in diesem Jahr: Das 50. Rennen und das 40-jährige Bestehen des Vereins.

Eugen Schall gehört zwar nicht zu den Gründungsmitgliedern des Vereins und ist nie selbst in einer Seifenkutsche gesessen, aber seit vielen Jahren ist er fürs Schriftliche und Organisatorische zuständig und seit Jahren unumstrittener Vorsitzender.

Im Lauf der Jahre ist das Prevorster Seifenkutschenrennen immer bekannter und professioneller geworden, ohne seinen Charme als Dorffest zu verlieren. Längst fahren nicht nur Prevorster mit. Die Auswärtigen bekommen im nächsten Jahr einen freundlichen Brief von Eugen Schall: Ob sie wieder mit dabei sein wollen? Die meisten wollen.

Für Prevorster Kinder und Jugendliche ist es Ehrensache, dabei zu sein. Inzwischen sind die Kinder der ersten Rennfahrer auf der Strecke „und wir warten auf die Enkelgeneration“, schmunzelt Eugen Schall. Zum ersten Mal fährt in diesem Jahr auch Brigitte Wolfs Tochter Milena mit. Sie ist gerade acht geworden. Ihre Freundin Caitlin ist schon neun und hat das erste Rennen hinter sich. Wie war es? „Cool!“

Info: Das 50. Seifenkutschenrennen findet am Sonntag, 14. Juli, statt. Start ist um 14 Uhr. Im Dorfhaus ist eine große Jubiläumsausstellung.

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