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Gesundheit

Die Krätze ist wieder zurück

Ende Februar gab es einen Krätze-Fall in der Paul-Aldinger-Schule in Kleinbottwar. Die Schule hat sofort reagiert und einen Elternbrief verschickt. Dem Gesundheitsamt sind derzeit 27 Erkrankungen seit Jahresbeginn bekannt – es handelt sich aber nur um Fälle, die gemeldet werden müssen.

So kann die Haut eines von Krätze Betroffenen aussehen.Archivfoto: dpa
So kann die Haut eines von Krätze Betroffenen aussehen. Foto: dpa

Steinheim. Bei den 27 Fällen handle es sich wahrscheinlich um eine „Untererfassung“, sagt ein Sprecher des Landratsamtes Ludwigsburg. Der Landkreis Ludwigsburg ist Schulträger der Paul-Aldinger-Schule, des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Bei der Krätze gebe es eine Dunkelziffer, da privat auftretende Erkrankungen dem Gesundheitsamt nicht gemeldet werden müssen. Von einigen Fällen in diesem Jahr berichtet auch der Sprecher der Kreisärzteschaft, Dr. Michael Friederich. Häufig seien Eltern infizierter Kinder in die Sprechstunde gekommen, die verunsichert gewesen seien, ob sie selbst ebenfalls befallen sind.

In einem Elternbrief wies die Paul-Aldinger-Schule auf den Krätze-Fall hin und gab Hinweise, wie Eltern sich verhalten sollen, wenn erste Anzeichen wie ein deutlich auftretender Juckreiz bemerkt werden. Dieser tritt gerne abends bei Bettwärme auf, betroffen sind oft weichere Hautstellen, zum Beispiel zwischen den Fingern oder an den Achseln. Zeichen sind außerdem schwarze Streifen, Hautrötungen, Knötchen und Kratzspuren.

Generell ist die Krätze nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig, wenn Fälle in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindertagesstätten auftreten beziehungsweise dort bekannt werden. Zudem sind die Gesundheitsämter auch über Krätze-Erkrankungen in Pflegeheimen, Obdachlosenunterkünften und Unterkünften für Asylbewerber sowie Justizvollzugsanstalten zu informieren.

Bei der Krätze handelt es sich um eine durch rund 0,5 Millimeter große Krätzmilben hervorgerufene Hauterkrankung. Die weiblichen Milben graben sich in die Haut ein und legen dort ihre Eier und Kotballen ab. Die aus den Eiern geschlüpften Larven kriechen wieder an die Hautoberfläche, an der sie sich zu geschlechtsreifen Tieren entwickeln, die wieder als ansteckungsfähige Parasiten in die Haut eindringen. Die Übertragung erfolgt meist in Familien und durch engen, langanhaltenden Körperkontakt und seltener durch Gegenstände. Händeschütteln reicht für eine Übertragung nicht aus.

Zwar heißt es, die Krätze sei in Deutschland ausgestorben, aber es gab sie auch in den vergangenen Jahrzehnten in wechselndem Ausmaß, informiert das Gesundheitsamt. Sie tritt nach Untersuchungen mit einem gewissen Abstand von mehreren Jahren in Wellen auf, wobei keine sicheren Ursachen für die Schwankungen angegeben werden können. Sicher ist nur, dass beengte Wohnverhältnisse und mangelnde Hygiene die Ausbreitung begünstigen können. „Überall, wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr wie bei der Grippe auch“, sagt der Sprecher.

Das Robert-Koch-Institut in Berlin hat im Rahmen einer Studie die Gesundheitsämter in Deutschland nach der Anzahl der gemeldeten Fälle in Gemeinschaftseinrichtungen für 2016 gefragt. Insgesamt hat etwa ein Drittel aller Gesundheitsämter Daten für das Jahr 2016 bereitgestellt, diese summierten sich auf knapp 7000 Erkrankungen. Im Vergleich mit meldepflichtigen Infektionskrankheiten wäre die Krätze die neunthäufigste Krankheit im Jahr 2016. Da nur ein Teil der Gesundheitsämter an der Studie teilgenommen hat, stellt die Anzahl eine deutliche Unterschätzung der tatsächlichen Fallzahl dar, heißt es auf der Internetseite des Instituts.

Gefährlich sei die Krätze eigentlich nicht, „eher lästig“, so der Sprecher des Landratsamtes. Kinder dürften mit der Erkrankung nicht in den Kindergarten, im Haus müssen Hygienevorschriften beachtet werden. Gefährlich wird die Krätze für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel für ältere Menschen. Komme da eine bakterielle Infektion dazu, könne die Erkrankung lebensgefährlich werden.

Hygienemaßnahmen für Betroffene und enge Kontaktpersonen

Die Behandlung erfolgt mit parasitenabtötenden Medikamenten. Auch der Juckreiz kann behandelt werden. Die Behandlung sollte mehrere Tage erfolgen. Kleider und Bettwäsche der Betroffenen sollten täglich gewechselt werden.

Zeitgleich sollten enge Kontaktpersonen (Pflegepersonal, Familie) behandelt werden.

Bettwäsche, Kleider, aber auch Stofftiere sollten bei 60 Grad gewaschen werden.

Textilien, die nicht gewaschen werden können, müssen in einem Plastiksack luftdicht für sieben Tage verpackt werden.

Polster, Teppiche, Matratzen sollten mit einem Staubsauger oder einem Dampfreiniger gründlich gereinigt werden.

Die Haut der Kontaktpersonen muss wöchentlich über einen Zeitraum von fünf Wochen kontrolliert werden.

Erkrankte und erkrankungsverdächtige Personen dürfen Gemeinschaftseinrichtungen nicht betreten, bis nach der Einschätzung eines Arztes eine Weiterverbreitung nicht mehr zu befürchten ist. (pat)

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