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Corona-Unterricht

Die Lernbrücke hilft über den Berg

Unterricht während der Ferien in Mathematik, Deutsch und Englisch – Schulen machen weitgehend gute Erfahrungen

Lernbrücken-Unterricht während der Ferien im Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasium. Foto: Alfred Drossel
Lernbrücken-Unterricht während der Ferien im Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasium. Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Die Idee ist recht einfach. Die Schulen sollen zwei Wochen während der Ferien Präsenzunterricht machen, um den Schülern die Möglichkeit zu geben, den bereits behandelten Stoff aufzufrischen und zu vertiefen. Natürlich gilt das Angebot nicht für alle Schüler. Wer es notwendig hat, das bestimmen die Schulen selbst, unter der Voraussetzung, dass die Eltern mitmachen. Inzwischen ist eine Woche Lernbrücke gelaufen – Zeit für eine Zwischenbilanz.

Und die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen. „Die Kinder haben großen Spaß und auch die Lehrer sind sehr zufrieden“, sagte Konstanze Aßmann. Die Leiterin der Grundschule in Hemmingen hatte mit ihren Kollegen rund eine Woche den Unterricht für die Lernbrücke erarbeitet. Es gibt Schule für rund 40 Schüler in den Fächern Deutsch und Mathe. Aßmann: „Es wird in Gruppen von jeweils rund zwölf Kindern unterrichtet. Dabei wird ganz anders gearbeitet als sonst. Außerdem haben sich viele Kinder gefreut, ihre Schulfreunde wiederzusehen. Die Kinder werden jeden Tag lebendiger.“

Auch im Fall der Grundschule wurde kein neuer Stoff begonnen, sondern das bestehende Wissen ergänzt. Für die Schulleiterin war es nicht immer leicht, auch die Eltern mit ins Boot zu holen. Am Ende habe es jedoch immer geklappt. Keine Eltern haben abgelehnt.

Die Auswahl, wer an der Lernbrücke teilnimmt, hat die Schule selbst getroffen. Gelernt wurden Lesetechnik oder leichte Texte mit Fragen. Hinzu kamen Zahlenreihen und Rechenaufgaben. „Bei uns kam die Lernbrücke gut an. So etwas kann ich mir auch in Zukunft vorstellen“, sagt die Schulleiterin.

An der Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg wurde in der dortigen Realschule das Angebot vom Ende der Ferien an den Anfang verlegt. „Das hatte ganz pragmatische Grunde, da standen bei uns mehr Lehrer zur Verfügung“, sagt Schulleiter Timo Kuschnier. Mit der Lernbrücke sollten Schüler, die nur schlecht erreicht werden konnten, gezielt unterstützt werden. Bei einer Gesamtschülerzahl von 440 machten 30 Schüler mit. Zu Mathe und Deutsch kam an der Realschule noch Englisch hinzu. Man habe schon gemerkt, bei welschen Schülern die Infrastruktur fehle, um über die Coronazeit zu kommen. Auf diese Weise seien auch die Unterschiede bei den Schülern entstanden.

Unter dem Strich zieht Kuschnier eine gute Bilanz. Man müsse jetzt abwarten, wie das neue Schuljahr starte. Dann könne man vielleicht neue Angebote aus dem Online-Unterricht und der Lernbrücke entwickeln.

Auch am Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim kommt die Idee der Lernbrücke gut an, wenngleich die Schule mit den Materialien vom Kultusministerium in Stuttgart nicht ganz so zufrieden ist. An der evangelischen Privatschule war der Stundenplan am umfangreichsten. Hier kamen noch die Fremdsprachen Französisch und Latein hinzu. Sonst sind an der Lichtenstern-Schule über 600 Schüler. Bei dem Unterricht in den Ferien beteiligen sich jetzt rund 80 Schüler. Und das Interesse an dieser Form der Nachhilfe war groß, die Schule hatte noch 20 weitere Anmeldungen.

Unterrichtet werden die Klassen 5 bis 10. „Die Schüler hatten kein großes digitales Defizit, denn wir haben sehr schnell mit einem entsprechenden Unterricht bei uns begonnen. Die Schüler hatten vielmehr ein Lernproblem und dem können wir auf diese Weise begegnen“, sagt Schulleiter Reinhart Gronbach.

Recht kritisch sieht er die Lernmaterialien, die vom Kultusministerium zur Verfügung gestellt wurden. Sie seien viel zu abstrakt und wenig hilfreich gewesen. In diesem Fall müsse mehr mit den Schulen zusammengearbeitet werden.

Als Privatschule musste man den zusätzlichen Unterricht allerdings aus eigener Tasche bezahlen. Das waren immerhin 40 Euro pro Schulstunde. Auf diese Weise kommen am Ende rund 8000 Euro an Honoraren zusammen. Das hat ganz unbürokratisch und solidarisch der Sozialfonds der Eltern übernommen.

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