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Bildung

Die Lernfabrik wird modernisiert

Seit vier Jahren arbeitet das Berufliche Schulzentrum im Ellental mit seiner sogenannten Schulfabrik. Hier können Schüler erlernen, wie die digitale Zukunft in der Fabrikation aussieht. Jetzt soll die nächste Stufe gestartet werden mit neuen Anwendungen und zusätzlichen Möglichkeiten, doch zuvor gab es ein Lob von der OECD.

Schulleiter Stefan Ranzinger mit der OECD-Veröffentlichung, in der die Bietigheimer Lernfabrik vorgestellt wird. Foto: privat
Schulleiter Stefan Ranzinger mit der OECD-Veröffentlichung, in der die Bietigheimer Lernfabrik vorgestellt wird. Foto: privat

Bietigheim-Bissingen. Die Bietigheimer Lernfabrik fand mehr Beachtung, als Stefan Ranzinger gedacht hatte. Dem Leiter des Berufsschulzentrums war klar, man hat sich in Bietigheim etwas Besonderes einfallen lassen. Allerdings die europaweite Bedeutung, das war dann doch nicht vorhersehbar. Anders sah das die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – kurz OECD. Sie vergleicht beispielsweise die Bildungssysteme der 37 Mitgliedstaaten. Vor allem bei den Pisa-Studien liegt Deutschland regelmäßig nur im Mittelfeld.

Ein Best-Practice-Beispiel

Im Berufschulwesen scheint das ein wenig anders zu sein. Die Bietigheimer Lernfabrik 4.0 wird in einer neuen Veröffentlichung als Best-Practice-Beispiel vorgestellt. Für Ranzinger ein besonderes Lob, denn seine Anlage wurde nicht, wie an vielen anderen Schulen, einfach im Katalog zusammengestellt. Die Freiberger Firma Teamtechnik baute sie speziell nach den Bietigheimer Bedürfnissen. Davon profitieren beispielsweise Mechatroniker oder Schüler des Technischen Gymnasiums. Aber auch Lehrer und externe Firmen können sich hier weiterbilden lassen.

Jetzt steht der nächste Modernisierungsschritt an. „Weil die Innovationszyklen in der Industrie sehr kurz sind, muss unsere Lernfabrik jetzt weiterentwickelt werden“, so Ralph Peter Dröge. Er ist nicht nur Ingenieur und Oberstudienrat im Schulzentrum, sondern auch Teamleiter für die Lernfabrik.

Die neue Anlage bekommt eine lernfähige Spezialkamera für die Qualitätskontrolle. Diese lässt sich flexibler einsetzen und deutlich schneller umrüsten. Gleichzeitig sollen Fehlermeldungen besser übermittelt werden. Und es können dann zukünftig mehr Schüler an der Anlage arbeiten, auch wenn diese gar nicht in Bietigheim sind. Dies geschieht mit dem sogenannten „Digitalen Zwilling“. So können Übungen zur Programmier- und Steuerungstechnik unabhängig vom Ort und ohne Begrenzung der Nutzerzahl gemacht werden. Eine digitale Maschine zeigt an, wie sich die erarbeiteten Befehle dann auf die Produktionsanlage auswirken.

Dafür bekommt die Schule in Bietigheim den Betrag von knapp 92000 Euro. 37500 Euro stammen vom Stuttgarter Wirtschaftsministerium, den Rest muss der Landkreis Ludwigsburg als Schulträger zuschießen.

Doch andere Dinge wollen in Coronazeiten nicht so recht anlaufen. Über Jahre hatte die Bietigheimer Schule landesweit Spitzenzahlen beim sechsjährigen Technischen Gymnasium abgelegt. Hier können Siebtklässler aus Realschulen, Gemeinschaftsschulen oder Gymnasium in das Berufsschulzentrum wechseln und in sechs Jahren das Abitur machen. Dies entspricht einem G9, das heute nur noch an wenigen Schulen möglich ist.

„Wir hatten mit unseren zwei Klassen seit der Einführung 2012 überdurchschnittliche Erfolgsquoten, doch in diesem Jahr ist das Interesse deutlich geringer. Bisher gibt es nur 31 Anmeldungen. Das reicht gerade für eine einzige Klasse“, hadert Schulleiter Stefan Ranzinger. Um einen Teil der restlichen Plätze aufzufüllen, startet er jetzt nochmals einen digitalen Info-Abend. Der Zugangslink befindet sich auf der Homepage des Beruflichen Schulzentrums unter www.bsz-bietigheim.de.

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