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Infrastruktur

Die neue Mitte füllt sich weiter

Mit einem Festakt hat die Stadt Remseck am Samstagabend ihre neue Stadthalle eingeweiht. Wie bei Großprojekten hierzulande üblich, verstrichen Jahrzehnte bis zur Umsetzung. Nun aber, so hofft Oberbürgermeister Dirk Schönberger, ist ein Ort entstanden, der Begegnung, Kommunikation und kulturellen Austausch fördert.

Viel Prominenz, darunter Innenminister Thomas Strobl, feiert die Eröffnung der Stadthalle.Foto: Andreas Becker
Viel Prominenz, darunter Innenminister Thomas Strobl, feiert die Eröffnung der Stadthalle. Foto: Andreas Becker

Remseck. Zumindest was den kulturellen Austausch angeht, liegt Schönberger durchaus richtig. Bei der Einweihung der Stadthalle steht das Kammerorchester der Jugendmusikschule Remseck auf der Bühne, gibt Werke von Händel, Bach, Torelli und Elgar zum Besten und beweist: Die Musik der alten Meister steht am Zusammenfluss von Rems und Neckar in voller Blüte.

Das Ensemble spielt an diesem Abend vor 150 Zuhörern. Tatsächlich kann die Stadthalle bis zu 580 Besucher aufnehmen. Doch um die erforderlichen Corona-Mindestabstände einzuhalten, wurden die Zahl der Sitzplätze reduziert. Zumal Festredner Thomas Strobl, seines Zeichens Innenminister und somit oberster Wächter über Recht und Ordnung im Südwesten, eigens aus Stuttgart angereist ist. „Wenn der Innenminister da ist, können und wollen wir uns keine Corona-Verstöße erlauben“, scherzt Schönberger.

Die ersten Überlegungen für ein Remsecker Stadtzentrum reichen bis Anfang der 90er Jahre zurück. Fast drei Jahrzehnte später füllt sich die neue Mitte langsam, Rathaus und nun die Stadthalle sind in Betrieb. Ende November wird der dritte Abschnitt mit Mediathek, Archiv, Registratur und Mehrzweckräumen für die Volkshochschule offiziell eröffnet, Mitte nächsten Jahres soll dann auch der neue Marktplatz eingeweiht werden.

Es habe lange gedauert, räumt Schönberger ein. Dafür sei mit der neuen Stadthalle aber auch ein Gebäude entstanden, das es so noch nicht in Remseck gebe. Schließlich stünden bislang nur Gemeindehallen in den verschiedenen Ortsteilen zur Verfügung. „Die Stadthalle zeigt, was uns in Remseck gefehlt hat“, so der OB. „Wir brauchen große, helle, lichtdurchflutete Räume, in der Corona-Krise noch mehr als zuvor.“

Zudem liege die Stadthalle nicht nur zentral, sondern verfüge über moderne Ausstattung, eine hervorragende Akustik und sei barrierefrei. Schönberger hebt auch den Symbolwert des gewaltigen Gebäudekomplexes im neuen Stadtzentrum hervor. Denn das Ludwigsburger Architekturbüro Hein, Hüttel, Lindenberger habe den Sitzungssaal des Gemeinderats bewusst im obersten der vier Stockwerke angeordnet. Sein eigenes Büro befindet sich eine Etage tiefer. „Der Gemeinderat blickt kontrollierend auf Oberbürgermeister und Verwaltung hinunter, so soll es sein.“

Festredner Strobl geht davon aus, dass die neue Mitte mit ihren vielfältigen Funktionen nicht zuletzt das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Bevölkerung stärken wird. „Remseck vermisst bis heute ein gutes Zentrum“, sagt der Innenminister und ist optimistisch, dass sich der Neubau positiv auf die gesamte Stadt auswirkt. „Hier werden künftig die Fäden in einer Anlaufstelle zusammengeführt. Es entsteht ein zentraler Ort, der verbindend wirkt.“ Nicht zuletzt deshalb, weil die neue Mitte auch in architektonischer Hinsicht „außerordentlich ansprechend“ sei.

OB Schönberger richtet den Blick derweil schon in die Zukunft. Denn am 15. November findet der erste Bürgerentscheid in der noch jungen Geschichte der Stadt Remseck statt, dann entscheiden die Bürger über den Bau der neuen Westrandbrücke. Die jetzige Neckarbrücke, über die momentan noch 35 000 Fahrzeuge am Tag rollen, könnte dann zu einer Art Fußgängerzone werden. „Eine solch fundamentale Entscheidung sollten die Bürger selbst treffen, nicht ihre Repräsentanten“, betont der Verwaltungschef, gibt aber gleichzeitig eine klare Wahlempfehlung ab. „Wir brauchen die Westrandbrücke, denn die neue Mitte soll weiterwachsen. Wer am 15. November mit ,Ja‘ stimmt, ist für die Zukunft. Wer mit ,Nein‘ stimmt, gegen die Zukunft.“

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