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Kulturgeschichte

Die Pflanzen und der Buchdruck

Neue Ausstellung im Stadtmuseum – Familiäre Verbindungen ins Hornmoldhaus – Moderne Kunstform

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Im Stadtmuseum Hornmoldhaus sind prachtvoll ausgestattete Pflanzenbücher zu sehen.Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Es ist der Buchdruck, der die Pflanzen in die Bücher brachte und es sind familiäre Beziehungen nach Bietigheim, die die neue Ausstellung über den Pflanzendruck ins Stadtmuseum bringt. Mit der Erfindung des Buchdrucks wurde es bunter in den Büchern über die Kräuter. Noch im Mittelalter wurden das Wissen über den Nutzen und die Heilkräfte von Kräuter nur schriftlich weitergegeben. Vielleicht mal eine kleine Zeichnung, die aber meist wenig Aussagekraft über die beschriebene Pflanze hatte.

Nach Gutenberg konnten die Pflanzen nun auch fachkundig gezeichnet und in größeren Mengen unter das Volk gebracht werden. Ausgangspunkt waren im 15. und 16. Jahrhundert die reichen oberitalienischen Städte. Diese Bücher kamen mit einiger Zeitverzögerung auch nördlich der Alpen in Umlauf. Ein solches Exemplar ist auch am Anfang der neuen Ausstellung zu sehen.

Mit dem Kräuterbüchlein von Nicolaus Winckler aus dem Jahr 1577 wird überhaupt erst der Bezug zu Bietigheim hergestellt. Der in Schwäbisch Hall lebende Mediziner war ein Bruder des Bietigheimer Stadtarzts Georg Winckler und dieser war wiederum mit einer Tochter des mächtigen Stadtvogts Sebastian Hornmold verheiratet. Es wird vermutet, dass die Pflanzenzeichnungen auch Inspiration für die bekannten Wandmalereien des Hornmoldhauses waren.

Das Wissen über Pflanzen war wichtig: Sie waren Grundlage für fast alle Dinge des täglichen Bedarfs und sie dienten als Heilmittel. Mit den genauen Bildern konnten die Pflanzen nun auch genauer beschrieben werden.

Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs experimentierten Naturforscher und Apotheker auch mit der Technik des Naturselbstdrucks. Denn die Genauigkeit und die Größe der jeweiligen Abbildung, lag natürlich in der Hand des Gestalters. Wenn nun die Pflanzenteile selbst gedruckt wurden, entstand eine naturgetreue Abbildung auf Papier. Solche ließen sich problemlos sammeln, austauschen und für Lehrzwecke sehr gut nutzen.

Diese Entwicklung ging bis Ende des 19. Jahrhunderts und wird anschaulich in der neuen Ausstellung im Stadtmuseum Hornmoldhaus nachvollzogen. Mit dem Aufkommen der Fotografie war dann alles vorbei. Die neue Technik war nicht nur besser, sondern auch viel billiger.

Das Pressen von Pflanzen verkam zu einem künstlerischen Spaß für Kinder, doch die Technik war nie ganz weg. So kommt man zum dritten Teil der Ausstellung. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Künstler wieder mit dieser alten Methode beschäftigt. Es sind im Bietigheimer Hornmoldhaus gepresste Spinnweben von Peter Heckwolf zu sehen, ebenso wie ein Abdruck der „Erfurter Marktmöhre“ oder von Salatblättern des Künstlers Ernst August Zimmermann.

Info: Die Sonderausstellung wird am morgigen Sonntag um 11 Uhr im Ratssaal des Bietigheimer Rathauses eröffnet. Es spricht Professor Paul Helmut Schreier. Er gilt als ein Pionier der Umwelterziehung. Die Ausstellung im Stadtmuseum Hornmoldhaus in der Hauptstraße in der Bietigheimer Altstadt dauert über den Sommer bis zum 23. September.