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Corona

Die Schulen im Landkreis Ludwigsburg trotzen weiter der Pandemie

Lehrersituation angespannt – Dennoch: Einrichtungen kommen meist mit ihren eigenen Kräften aus – Kaum Interesse am Programm Rückenwind

In den meisten Schulen ist die Lehrerversorgung angespannt. Mehr Pädagogen werden aber selten angefordert. Archivfoto: Christoph Schmidt/dpa
In den meisten Schulen ist die Lehrerversorgung angespannt. Mehr Pädagogen werden aber selten angefordert. Archivfoto: Christoph Schmidt/dpa

Kreis Ludwigsburg. Die Infektionen mit dem Coronavirus schnellen seit Jahresbeginn im Kreis Ludwigsburg in nie gekannte Höhen – und machen dabei auch vor den Schulen nicht halt. Vor allem im Hinblick auf die Lehrkräfte stellt sich da die Frage, ob der reguläre Unterricht angesichts der Omikron-Welle noch aufrechterhalten werden kann. Eine erste Entwarnung gibt das Regierungspräsidium Stuttgart auf Anfrage unserer Zeitung: „Uns sind keine Problemanzeigen öffentlicher allgemeinbildender Gymnasien im Kreis Ludwigsburg zu signifikanten Personalausfällen aufgrund der Omikron-Welle bekannt.“

Auch dass derzeit verstärkt ehemalige Lehrkräfte reaktiviert oder Teilzeitkräfte in höherem Umfang eingesetzt werden, kann Pressesprecherin Stefanie Paprotka für den Kreis Ludwigsburg nicht bestätigen: „Es werden aufgrund von Omikron bisher keine zusätzlichen Lehrkräfte über den normalen Krankheitsvertretungsbedarf hinaus eingesetzt.“ Die Antworten geben auch die Einschätzung von Sabine Conrad wieder, die das Staatliche Schulamt Ludwigsburg leitet. Ihre Behörde ist für die Grund-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren zuständig. Nach Angaben des Regierungspräsidiums waren Stand Donnerstag über alle Schularten hinweg insgesamt 74 Lehrkräfte im Kreis positiv getestet und zusätzliche 43 in Quarantäne.

Normaler Krankenstand im Otto-Hahn-Gymnasium Ludwigsburg

„Wir haben einen leicht erhöhten, aber noch relativ normalen Krankenstand“, sagt Mathias Hilbert, Leiter des Otto-Hahn-Gymnasiums in Ludwigsburg. „Wir hatten schon Grippewellen, wo ein Drittel bis die Hälfte der Kollegen krank war.“ Zwar seien ihm auch von den anderen Gymnasien in der Stadt, deren geschäftsführender Schulleiter er ist, gewisse Ausfälle bekannt. Diese hielten sich jedoch ebenfalls in Grenzen. Ausfälle aus anderen Gründen wie etwa Schwangerschaften würden viel stärker ins Gewicht fallen. Aus dem Ruhestand hat man am Otto-Hahn-Gymnasium noch keine Kollegen zurückgeholt, doch Lehrer in Teilzeit haben ihre Stundenzahl aufgestockt. „Wir mussten aber einzelne Stunden streichen“, sagt Mathias Hilbert und nennt als Beispiel das Fach Biologie bei Siebtklässlern.

Am Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG) in Marbach bewegte sich der coronabedingte Ausfall von Lehrern Mitte der Woche bei unter zehn von insgesamt 200. „Die Lage ist von den Infektionszahlen her noch verhältnismäßig entspannt und es gibt aktuell keine generelle Gefahr für den Präsenzunterricht“, so Schulleiter Volker Müller. Die Ansteckungen seien überwiegend durch private Kontakte bedingt. Anhand der Testungen habe man kein erhöhtes Risiko an der Schule festgestellt. „Einige Lehrkräfte haben aufgestockt und wir haben noch in begrenztem Maße Krankheitsvertretungen mobilisieren können, da es einige längerfristige Ausfälle gibt“, sagt er zur Personalsituation. Bei den meisten Ausfällen gebe es keine Verbindung zu Corona: „Lediglich schwangere Lehrkräfte können wir im Präsenzunterricht sofort nicht mehr einsetzen, wodurch sie indirekt pandemiebedingt ausfallen.“ Da es aktuell keine zusätzlichen Einsatzkräfte mehr gebe, hofft man am FSG, dass sich die Lage nicht weiter verschärft.

Flexibilität der Kollegen gefragt

Auch in den Gymnasien in Bietigheim-Bissingen baut man hauptsächlich auf die Flexibilität der Kollegen. Pensionierte Kollegen gibt es hier überhaupt nicht im Schulunterricht. Dabei gibt man gerne zu, dass die Situation auf Kante genäht sei. „Doch bisher kommen wir damit ganz gut durch“, sagt Schulleiterin Nicole Stockmann. Für das Programm Rückenwind benötige man keine zusätzlichen Kollegen. Lediglich zwei Studierende habe man inzwischen dabei, das wolle man aber nicht als Aufstockung werten. Damit würden eben Lücken abgedeckt, die immer mal entstehen können. Ein Lob hat die Schulleiterin für die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums in Stuttgart, das für die Gymnasien zuständig ist: „Die Leute zeigen sich extrem flexibel. Mit ihnen kann man sehr gut zusammenarbeiten.“

An der Hanfbachschule in Möglingen, einer Grund- und Gemeinschaftsschule, gibt man sich ebenfalls eher bescheiden beim Hinzuziehen von älteren Lehrern. „Wir haben 50 zusätzliche Wochenstunden im Projekt Rückenwind. Dafür haben wir eine zusätzliche Lehrerin. Ansonsten kommen wir mit unseren Bordmitteln aus“, sagt Schulleiter Eberhard Schober. Trotzdem halte das Coronavirus die Schule ganz schön in Atem. Die Schule hat rund 550 Schüler, pro Woche fallen zwischen sechs und zehn Schüler wegen einer Infektion aus. „Das ist wie bei einer Grippeinfektion in früheren Jahren. Nur diese dauert schon zwei Jahre.“

Auch am Hans-Grüninger-Gymnasium in Markgröningen hält man von externen Kräften wenig. „Wir machen bei dem Projekt Rückenwind nicht mit und wir haben auch keine älteren Lehrkräfte an die Schule geholt. Wir sind eigentlich gut versorgt. Wir haben ein hausinternes Konzept, wie wir bei Ausfällen vor allem mit den Hauptfächern umgehen. Das funktioniert ganz gut“, so Karin Kirmse, die Schulleiterin. Man arbeite hier lieber mit den eigenen Lehrkräften zusammen. Diese würden sich schon kennen, ebenso wie die Schüler, die möglicherweise eine gezielte Förderung brauchen. Man habe bisher aber auch großes Glück gehabt, weil es nur zu wenig Lehrerausfällen wegen der Coronapandemie gekommen ist.

Schulen entwickeln Routine

Ganz gut kommt man auch in der Realschule im Aurain in Bietigheim mit der aktuellen Situation zurecht. „Wir können unseren Unterricht gewährleisten. Daher haben wir keine Pensionäre und keine Ausgeschiedenen bei uns“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Melanie Heffner-Leistner. Sie wisse zwar von anderen Schulen, die auf eine solche Unterstützung angewiesen seien, an ihrer Schule sei das allerdings nicht notwendig.

Wie Stefanie Paprotka vom Regierungspräsidium weiter ausführt, haben die Schulen während den Pandemiewellen eine Routine entwickelt, um mit den Herausforderungen umzugehen: „Dies ist bei der Bewältigung dieser Sonderbelastung sehr hilfreich.“ Doch offenbar wird die Situation für immer mehr Schüler immer unterträglicher, wie jüngst ein offener Brief von Schülervertretern aus ganz Deutschland unter dem Hashtag #WirWerdenlaut gezeigt hat. Sie fordern darin unter anderem bessere Hygiene- und Quarantäneregeln, Bildungspflicht statt Präsenzpflicht, mehr pädagogisches und schulpsychologisches Personal sowie eine Entlastung der Abschlussjahrgänge.

Die Erstunterzeichner der dazugehörigen Petition stammen überwiegend aus Berlin und Nordrhein-Westfalen. Es finden sich darunter nur wenige aus Baden-Württemberg und keine von Schulen aus dem Landkreis Ludwigsburg. Im Regierungspräsidium und im Schulamt kann man indes nachvollziehen, dass die Schüler ihre Anliegen zur Sprache bringen: „Gerade für Kinder und Jugendliche ist die Coronapandemie häufig belastend, wie auch aktuelle Studien zeigen.“ Wenn Schüler Anliegen an die Schulverwaltung herantragen, für die diese zuständig ist, nehme man sich dieser an. Die geforderte Aufstockung des Personals sei ein „strukturelles Thema“. Und bei den anstehenden Prüfungen werde wie bei den beiden Jahrgängen zuvor den Belastungen durch die Pandemie Rechnung getragen.

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