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Mobile Jugendarbeit

Die Schwerpunkte haben sich verändert

Vor 28 Jahren baute Volker Blatt die mobile Jugendarbeit für den Landkreis Ludwigsburg auf. Jetzt legte er dem Jugendhilfeausschuss des Kreistags seinen letzten Jahresbericht vor. In sechs Monaten verabschiedet sich mit ihm eine Institution in Altersteilzeit.

Aggressivität unter Jugendlichen: Die mobile Jugendarbeit hält Kontakt zu den jungen Leuten. Archivfoto: dpa/ Marcus Führer
Aggressivität unter Jugendlichen: Die mobile Jugendarbeit hält Kontakt zu den jungen Leuten. Foto: dpa/ Marcus Führer

kreis ludwigsburg. Eine zunehmend rechtsradikale Jugendszene aus Hooligans und Skinheads war der Grund, warum die Einrichtung 1991 ins Leben gerufen wurde. „Es gibt sie immer noch“, sagt Blatt. Aber es seien weniger geworden. Und sie seien nicht mehr so offenkundig sichtbar wie damals. Junge Flüchtlinge hätten nach eigenen Angaben derzeit kaum Probleme durch Anfeindungen seitens Neonazis.

Heute haben sich die Aufgaben der mobilen Jugendarbeit grundsätzlich verschoben. Der Fokus liegt auf unbegleiteten minderjährigen Ausländern sowie auf dem immer härter werdenden gewalttätigen Konflikt zwischen türkischen und kurdischen Nationalisten. Für junge Kurden sei es nahezu unmöglich, nicht Partei in diesem Konflikt zu ergreifen. „Vor allem den Randfiguren dieser Gruppe bieten wir im Rahmen unserer Arbeit eine offene Atmosphäre für Gespräche und Freizeitangebote an“, so Blatt. Viele dieser Jugendlichen könnten durch das Angebot gestärkt werden und nicht mehr blindlings automatisch den Aufrufen der radikaleren Kräfte folgen.

Die Ruhe, die derzeit herrsche, könne trügerisch sein. „Wir halten deshalb weiterhin Kontakt zu beiden Seiten.“ Auch bei den Problemen im Umfeld Ludwigsburgs sei die mobile Jugendarbeit wachsam und steuere gegebenfalls gegen. Außerdem müsse den jungen Leuten dabei geholfen werden, trotz guter Arbeitsmarktlage einen Ausbildungsplatz oder Job zu finden.

Stadt und Kreis teilen sich die Kosten

Die Kosten für mobile Jugendhilfe teilen sich die Stadt Ludwigsburg und der Kreis. Die Stadt stellt die stationäre Infrastruktur in der Karlstraße mit den Räumlichkeiten und den Nebenkosten. Der Landkreis übernimmt die Personalkosten für die drei Stellen, die auf vier Mitarbeiter verteilt sind. Das Land schießt 33.000 Euro zu. Dass damit die Fläche nicht bedient werden kann, ist allen klar. Aber, so die Erfahrung von Blatt, „auffällige Jugendliche, die Probleme machen, weil sie selbst Probleme haben, schlagen irgendwann fast alle in Ludwigsburg auf“. Hier sei der „Hotspot“. Man unterstütze aber die lokalen Sozialarbeiter und Jugendhäuser bei Problemen und beobachte auch andere Brennpunkte wie aktuell die Marbacher und Markgröninger Gangs. „Einige von denen sind uns bekannt“, sagt Blatt. Bei denen baue sich gerade eine Rivalität zu Ludwigsburgern auf. Das betreffe auch eine Möglinger Clique.

Die Zielgruppe ist zwischen 14 und 27 Jahren alt. Um sie kümmern sich neben Blatt auch Derya Ceylan sowie die Halbtagskräfte Elke Wömer und Tim Kühlewein. „Viele unserer Besucher fallen durch aggressives Verhalten auf“, erklärt Blatt. „Immer wieder haben wir es mit gewaltbereiten Banden zu tun.“ Ihnen bei der Bewältigung ihrer Probleme zu helfen, sei Hauptaufgabe der mobilen Jugendarbeit. Die vier Grundelemente dabei seien Einzelfallhilfe, Streetwork, soziale Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit. Im Bereich der Einzelfallhilfen stehe man jungen Menschen als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Bandbreite reiche von Problemen mit Eltern, Freunden, und Beziehungen über Schwierigkeiten in der Schule, Ausbildung und Beruf bis hin zu den Bereichen Drogen, Sucht, Gewalterfahrung und Kriminalität.

„Wir sind regelmäßig in den Abendstunden unterwegs. Durch Streetwork halten wir Kontakt und bekommen einen Überblick über neue Treffpunkte und Entwicklungen in der Jugendszene“, sagt Blatt. Hier seien die Sozialarbeiter die Gäste, die jungen Leute würden die Regeln vorgeben. Dabei sei die Begegnung auf der Straße unverbindlich. „Für viele junge Menschen ist unser regelmäßiges Erscheinen ein wichtiges Zeichen, dass wir uns für sie interessieren. Oft sind wir die einzigen Erwachsenen, die ihnen das Gefühl geben, dass sich jemand um sie kümmert“, so Blatt.

Aus diesen Kontakten würden oft festere Strukturen entstehen. Im Rahmen der sozialen Gruppenarbeit stünden in den Räumen der mobilen Jugendarbeit feste Treffpunkte zur Verfügung, wo sich die Teilnehmer selbst Regeln setzen und der Gruppe meistens auch einen Namen geben. Auch als offener Treff zum gemeinsamen Spiel oder einfach nur zum Quatschen könnten die Räume genutzt werden. Bei der Gemeinwesenarbeit werde mit vielen Einrichtungen und Institutionen kooperiert. „Wir sind in verschiedenen Arbeitskreisen aktiv und beteiligen uns an unterschiedlichsten Aktivitäten“, sagt Blatt.

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