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Freiberg

Die Tage der Gewölbebrücke sind gezählt

Technischer Ausschuss des Gemeinderats stimmt mehrheitlich für Abriss des Bauwerks im Gründelbachtal

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Bei einem Hochwasser können die Steine der Brücke über den Gründelbach weggespült werden. Jetzt soll sie abgerissen werden. Foto: Ramona Theiss

Freiberg. Sie ist uralt und fristet ein beinahe trauriges Schattendasein: die Gewölbebrücke über den Gründelbach neben dem Parkplatz bei den Kleintierzüchtern im Freiberger Stadtteil Heutingsheim. Von der einen Seite glänzt sie mit ihrem wildromantischen Aussehen und stellt im Zusammenspiel mit Bach und Böschungen ein Kleinod dar. Auf der anderen Seite dagegen ist sie mit Beton zugekleistert und alles andere als ein Blickfang. Bei Untersuchungen haben Experten festgestellt, dass sich die Brücke in einem sehr schlechten Zustand befindet.

Bereits im März hat sich der Technische Ausschuss des Gemeinderats für den Erhalt der Brücke ausgesprochen (wir berichteten). Die Verwaltung hatte den Räten seinerzeit eine Kostenberechnung vorgestellt: Eine Sanierung samt Erneuerung der beschädigten Steine würde rund 150 000 Euro kosten. Ein Abriss und Neubau der Brücke mit den vorhandenen Steinen schlage mit rund 230 000 Euro zu Buche. Lediglich 8000 Euro würde es kosten, das Bauwerk abzureißen und zu entsorgen.

Die Freiberger Stadtverwaltung hat sich beim Landratsamt Ludwigsburg, beim BUND sowie beim Ingenieurbüro, das die Brücke geprüft hat, allerdings nochmals rückversichert. Demnach kann die Brücke in ihrem derzeitigen Zustand nicht stehen bleiben. Die Befürchtung: Bei einem Hochwasser könnte sie einstürzen und dadurch große Schäden anrichten. Soll das Bauwerk erhalten bleiben, muss es saniert werden. Dies gilt auch für die Option, sie stehen zu lassen und zu begrünen. Am Dienstagabend gab es ein Umdenken im Technischen Ausschuss. Mit fünf Ja- und zwei Neinstimmen bei vier Enthaltungen folgten die Stadträte mehrheitlich dem Verwaltungsvorschlag, die baufällige Brücke abzureißen. Die alten Steine des Gewölbes sollen für die Hangabsicherung verwendet werden.

Grünen-Stadträtin Elvira Kuhnle-Chmielnicki plädierte für den Erhalt der Brücke: „Sie gehört zum kulturellen Gedächtnis der Stadt. Wenn alles nur nach finanziellen Aspekten betrachtet wird, geht die Identität verloren.“ Die Brücke sollte so saniert werden, dass sie nicht zusammenfällt und begrünt werden kann.

Für eine Brücke, die in der Stadt kaum einer kenne, so viel Geld auszugeben, „nur damit sie bei Hochwasser nicht mitgerissen wird“, ist nicht im Sinne von Stadtrat Walter Bäßler (FWV). „Das wäre falsch investiertes Geld.“ Richard Kapfen-stein (ULF) wies darauf hin, dass die Brücke bei größeren Hochwasserereignissen aus den Lagern gerissen werde, was erneute Sanierungen bedeute. „Das wäre viel Geld in den Bach geworfen“, sagte er.

„Wirtschaftlich betrachtet, tendiere ich zu einem Abriss“, sagte SPD-Stadtrat Klaus Bakalorz. Er plädierte dafür, die Brücke andernorts auf einer städtischen Fläche wieder aufzubauen und mit einer Infotafel zu versehen. Darauf erwiderte Verwaltungsmitarbeiterin Anita Greschner vom Fachbereich Bauen, dass man bei einem Abriss der Brücke die Steine in einen Hang im Gründelbachtal einbauen könnte.

„Wenn die Brücke eine Gefahr darstellt und ihren Zweck nicht mehr erfüllt, können wir Probleme bekommen“, sagte Carmen Dötterer (FDP) und sprach sich für den Abriss aus. Es sei aber „schon schade“.

CDU-Stadtrat Willi Zimmer möchte die Brücke weiterhin „sperren und so stehen lassen“. Auch wenn man nichts an ihr mache, überlebe sie „uns alle“. Schließlich seien die Steine sehr ineinander verkeilt. Holger Fritz (ULF) pflichtete ihm bei: „In den letzten 20 Jahren hat die Brücke nur ein Hochwasser erlebt.“