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Hausärzte

Die Termine für die ersten Impfungen bei den Hausärzten sind eng getaktet

In die praktische Anti-Corona-Politik kommt Bewegung – nachdem seit Montag jedem Bürger wöchentlich kostenlose Schnelltests zur Verfügung stehen sollen, kündigte das Sozialministerium auch den Start des Pilotprojekts für erste Corona-Impfungen in Arztpraxen an. Doch hier läuft ebenso nicht alles wie gewünscht.

Wer die Spritze gegen Corona bekommt, ist nicht sofort und komplett vor einer Infektion geschützt. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Wer die Spritze gegen Corona bekommt, ist nicht sofort und komplett vor einer Infektion geschützt. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Hemmingen. Beim Impfen muss es schnell gehen. Das galt lange Zeit für den hauptsächlich verwendeten Impfstoff von Biontech/Pfizer und seine niedrige Lagertemperatur, aber auch mit Blick auf die Zahlen der Anspruchsberechtigten. Und schnell passt nun mal zu einem der jüngsten Vorhaben der Politik: dem Start von Impfungen für die ältesten Bürger durch Hausärzte. Die Abläufe und die Zusammenarbeit mit übergeordneten Stellen soll in fast jedem Stadt- und Landkreis eine Hausarztpraxis austesten – für Ludwigsburg ist das eine Gemeinschaftspraxis in Hemmingen. Am Dienstag sei er von seiner Frau Carola, Sprecherin der Kreisärzteschaft, angerufen und gefragt worden, ob er bei dem dreiwöchigen Pilotprojekt mitmachen könne, am Donnerstag kam die Bestätigung des Ministeriums samt Besprechungstermin am Freitag, am Wochenende gab es Gespräche mit den Verantwortlichen des Kreisimpfzentrums – und am heutigen Dienstag werden ausgewählte Patienten mit der höchsten Prioritätsstufe bereits geimpft, so Dr. Robin Maitra.

Das ganze Wochenende war er damit beschäftigt, seine Liste aus über 80-Jährigen abzutelefonieren (streng nach Zufall erstellt, um keine Diskussionen etwa wegen mehr oder weniger Vorerkrankungen zu befeuern), aufzuklären und Termine auszumachen, sechs davon finden bei Senioren zu Hause statt. Am Mittag geht es mit einer 93-Jährigen los, bis zum Abend sollen die gut 50 Dosen verbraucht sein – und auch die Zweitimpfung in drei Wochen will die Praxis an einem Tag abwickeln. Die Ärzte und Helferinnen sind wie eigentlich alle Praxen zwar schon geübt, und in Hemmingen besonders durch die regelmäßigen Grippeimpf-Samstage mit bis zu 400 Patienten. Nun aber komme die schwierigere Handhabung („Der Impfstoff ist wie ein rohes Ei“) und die nötigen 15 Minuten Nachbeobachtung dazu, für die die Gemeinde Räume des Bürgertreffs im selben Gebäude zur Verfügung stellt. Ohnehin bedeute die Teilnahme am Pilotprojekt nun mehr Arbeit. „Aber wir sind ja eine große Praxis. Und es ist wichtig, dass wir die Impfungen endlich in die Praxen bekommen“, sagt Robin Maitra. Auch die Kreisärzteschaft begrüße die „Ausweitung unbedingt“, so Dr. Carola Maitra. Zumal man damit auch diejenigen erreiche, die das eigene Haus nicht verlassen können, wofür eigentlich mobile Teams vorgesehen waren, als „Ergänzung zur etablierten Struktur der Impfzentren“, wie das Sozialministerium am Mittwoch mitgeteilt hatte.

Lesen Sie hier: Im Ludwigsburger Kreisimpfzentrum bleibt kein Impfstoff übrig

Von dort kommen nicht nur die Aufklärungsbögen, sondern auch die je 54 wöchentlichen Impfdosen für das Pilotprojekt mit den Hausärzten – und werden nicht etwa vom Land zusätzlich zur Verfügung gestellt, wie sich das unter anderem Landrat Dietmar Allgaier gewünscht hatte. Es sei zwar zu begrüßen, dass die Hausärzte so früh wie möglich starten, wenn es durch mehr Impfstoff nur in den Zentren nicht mehr zu schaffen sei. Aber: „Unsere Kreisimpfzentren nehmen das nun aus ihrem viel zu geringen Bestand“, so Allgaier. Gut 50 Dosen höre sich zwar zunächst wenig an, angesichts von aber nur 700 insgesamt sei es dann doch viel. Negative Folgen für Menschen, die schon Impftermine in Ludwigsburg haben, werde das aber keine haben, so Allgaier, eher für die Warteliste, die bei Ausfällen sonst früher drankommen würde.

Er ist immer noch optimistisch, dass es wie von Merkel versprochen ab Ende März mehr Impfstoff gibt, für ihn der einzige Ausweg. Und auch Dr. Carola Maitra äußert sich in ihrer Mitteilung ähnlich. Die Pilotphase werde sicher bestätigen, dass die Hausarztpraxen die Arbeit leisten könnten und dann sollten sich bitte alle Bürger impfen lassen, sobald dies möglich ist. Dazu will dann auch ihr Mann beitragen. „Wenn es genügend Impfstoff gibt, stehe ich auch samstags und sonntags bereit“, sagt er.

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